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Comic-Besprechung - Hohle Welten: Panzerung
Geschichten:Hohle Welten: Panzerung
(Panzerung, Auflösung, Der Spalt, Das Präparat, Nebelschneider, Der Pionier Filinorvon Katseff)
Autor: Luc Schuiten, Zeichner / Colorist: Francois Schuiten
Story:
In der Zukunft können die Menschen ohne Panzerung nicht mehr auf der Erde überleben. Aber die Liebe zwischen einem Pärchen ist zu groß und so riskieren sie alles nur um sich mal wirklich berühren zu können. Ein Mann verliert gegenüber seiner Liebe völlig die Fassung und ein Bräutigam steigt in einen Spalt hinab, um seine just von einem Computer entführte Braut zu retten. Ein Wikinger dient als Präparat und ein Nebelschneider ist mehr von seiner Schöpfung fasziniert denn von seiner Muse. Und letztlich haben es auch Pioniere alles andere als leicht.
Meinung: Der Comic Panzerung ist nicht als neues Werk von Francois Schuiten zu verstehen. Vielmehr handelt es sich hier um eine Sammlung von Kurzgeschichten die in den 1970er Jahren für das Magazin Metal Hurlant geschaffen worden sind. Teilweise sind die Geschichten auch in dem deutschen Ableger Schwermetall erschienen. Laut Backcover haben die Storys schon damals in der französisch-belgischen Comiclandschaft für Furore gesorgt.
Was man hier durchaus nachvollziehen kann denn die Geschichten haben nichts von ihrer Kraft verloren. Meist sind Frühwerke von Zeichnern und Autoren ja recht enttäuschend. Sie schaffen mit einem Meilenstein ihren Durchbruch und diejenigen welche nunmehr Fans geworden sind greifen zu anderen Erzeugnissen und sind von den früheren Sachen meist enttäuscht. Was eigentlich logisch ist, denn meist müssen gerade Zeichner ihren Stil und Autoren noch ihren Ton finden und probieren Sachen aus. Hier sieht es ganz anders aus. Der Stil lässt keinerlei Unsicherheiten erkennen, sondern ist vielmehr eine Meisterschaft für sich.
Zwar sind die Geschichten noch nicht den Geheimnisvollen Städten zuzuordnen, aber eines der zentralen Themen, nämlich die Symbiose von Mensch und Architektur bzw. Mensch und Technik, ist hier schon vorzufinden. Sie sind noch ein bisschen mehr Science-Fiction weswegen die Architektur noch nicht eine so große Rolle einnimmt wie in späteren Werken, aber die Zeichnungen sind voller Kraft und erschaffen meisterhaft einen Surrealismus bei dem man sich viele Panels einzeln an die Wand hängen möchte.
Die Titelgeschichte Panzerung war ein früher Durchbruch und nach manchen Quellen wohl ein kleinerer Skandal. Eine typische Science-Fiction Geschichte da sie in einer postapokalyptischen Zukunft spielt. Menschen können nur mit einem Körperpanzer ´überleben. Ein Pärchen entledigt sich diesem, um sich endlich einmal wirklich fühlen zu können. Die Geschichte ist erotisch, aber nicht pornografisch und vielleicht schockierte sie durch den düster pessimistischen Tonfall der so sehr die zärtlichen Momente konterkariert. Man mag die Farbgebung plakativ empfinden, aber sie ist effektvoll und steigert das zärtliche zwischen den beiden Helden.
Auflösung ist ein wahres surreales Meisterstück und im Grunde die logische Fortsetzung der ersten Geschichte da es sich auch hier um Liebe dreht. Nur das der Mann seine Fassung gegenüber seiner Liebe verliert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes Panel ist ein surreales Meisterstück und man merkt Einflüsse von Matisse, Escher und anderen ohne diese Geschichte schmälern zu wollen.
Wenn ein Band mit zwei Meisterwerken beginnt fürchtet man in der Folge enttäuscht zu werden. Der Spalt tut das nicht. Zwar ist die Mischung aus Sex und Technik mittlerweile nicht mehr ganz so neu, aber es ist nicht plakativ, sondern zeigt eine zunehmende Symbiose auf. Der Mensch kann nicht mehr ohne Technik überleben und die Technik will eine menschliche Gesellschaft und etwas fühlen. Auch hier sind die Zeichnungen surreale Meisterwerke.
Während die beiden folgenden Beiträge Präparat und die Nicht-Geschichte einfach nur merkwürdig sind und schnell dem Gedächtnis entfliehen, ist Der Nebelschneider wieder hervorragend und im Grunde eine Abwandlung des Mythos um Pygmalion der sich in seine von ihm geschaffene Skulptur einer Frau verliebt. Enden tut der Band mit der tragikomischen Geschichte um eine Besessenheit von Technik.
Vieles was man heutzutage von Schuiten kennt, ist hier schon in Ansätzen zu erkennen. Aber die von Luc Schuiten, dem Bruder, geschriebenen Geschichten sind mehr Genrestücke und hatten sich dem Tonfall und des Sujets von Metal Hurlant gut angepasst. Dank der meisterhaften Zeichnungen liegt hier nicht weniger als ein Klassiker vor.
Fazit:
Obwohl schon fast 50 Jahre alt haben die Geschichten nichts von ihrer Kraft verloren und bieten zeichnerisch surreale Meisterstücke. Das Frühwerk eines Meisters das in keinerlei Hinsicht dem späteren Werk nachsteht. Ein Klassiker.
Hohle Welten: Panzerung
Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann
Verlag:
Schreiber und Leser
Preis:
€ 22,80
ISBN 10:
3965821180
ISBN 13:
978-3965821187
72 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- meisterhafte surreale Zeichnungen
- kraftvolle Geschichten denen man Alter nicht anmerkt
- Symbiose Mensch und Umgebung


| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
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![]() (2 Stimmen) | ||
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| Rezension vom: | 20.07.2025 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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