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Comic-Besprechung - Der Vagabund der Unendlichkeit — Gesamtausgabe 4: Wo man nichts weiß
Geschichten:Der Vagabund der Unendlichkeit — Gesamtausgabe 4: Wo man nichts weiß
1.) Das Königskind von Onirodyne
2.) Die kleine Herrin
3.) Die Zeit der Orakel
4.) Die Müllkippe des Alls
Autor: Christian Godard
Zeichner: Julio Ribera
Übersetzer: Klaus Jöken und Saskia Funke
Story:
Der erste Band in dieser Gesamtausgabe enthält direkt eine kleine Sensation: Axle und Musky heiraten! (in „Das Königskind von Onirodyne”). Doch der große Mittler interveniert mit Hilfe der Purpurgarde, was im darauf folgenden Zweiteiler „Die kleine Herrin/Die Zeit der Orakel” zum erneuten Zerwürfnis zwischen Axle und der Gilde führt, und zu einem universumsweiten Krieg auszuarten droht. Doch nicht nur Axle erweist sich hierbei als geschickter Taktiker, sondern auch der große Mittler hat ein As im Ärmel, das er zum Schluss geschickt zu platzieren weiß, sodass der Konflikt erst einmal gelöst ist. Danach machen sich Axle und Musky wie gewohnt weiter auf ihren eher willkürlichen Streifzug durchs Universum, und geraten über eine Roboterwerbung (!) auf einen Planeten, der komplett vom Glücksspiel regiert wird, nämlich auf „Die Müllkippe des Alls”.
Meinung:
Auch diese Ausgabe enthält, wie ihre Vorgängerin, wieder drei bisher in Deutschland unveröffentlichte Geschichten um den liebestollen Axle Munshine, der die Liebe seines Lebens in einem anderen Universum sucht, obwohl sie doch direkt neben ihm steht. Ein sehr metaphorisches Bild über die verzweifelte Suche nach dem Glück und der Liebe des Einzelnen in einer vermeintlich feindlichen Welt. So, wie ja auch das gesamte Konstrukt der zwei nebeneinander existierenden Paralleluniversen in dieser Saga ebenfalls sinnbildlich verstanden werden kann: so wie in der Saga die uns bekannte Welt neben dem Universum existiert, in dem sich die Abenteuer des Axle Munshine abspielen, kann man ja auch sagen: neben unserem Universum in der Realität gibt es das der Comics, und auch hier ist eine Bewegung nur von einer Richtung in die andere möglich, und nicht umgekehrt. Die Comichelden können in unsere Köpfe „wandern”, aber wir als Leser werden niemals in einem Comic auftauchen können! Umso verführerischer sind dann Angebote wie bei manchen Crowdfunding-Projekten, wo die engagierten Leser namentlich genannt werden können, oder sogar als Nebencharaktere in den Zeichnungen zu sehen sind. Überschreiten sie damit auch das 13. Gebot der Gilde? Das hat sich offensichtlich wohl noch keiner gefragt, hoffentlich passiert da nichts — haha.
Nachdem lange über die seltsam anmutende Veröffentlichungspraktik von Feest/Ehapa spekuliert worden ist, warum denn damals die sechs aufeinanderfolgenden Alben beim ersten Veröffentlichungsvorgang ausgelassen worden sein mögen, und somit eine riesen Lücke im Oeuvre verursacht wurde, scheint mir der Grund dafür nun doch sehr offen zutage zu treten: ich gehe davon aus, dass dem Verlag die ausgebreiteten Nacktszenen in den Bänden angesichts der damals, Ende der 1980er Jahre, grassierenden Zensurwelle einfach zu heikel waren. Da mit Band 15 („Die Zeit der Orakel”) jedoch wieder einerseits ein Erzählzyklus beendet war, andererseits aber auch Muskys „Nacktphase” vorbei, war dies der ideale Zeitpunkt für einen Neueinstieg in die Serienveröffentlichung. Dumm für den Leser, aber damals weniger riskant für den Verlag, denke ich.
Die vier Geschichten in diesem Band setzen sich aus einer Einzelerzählung und einem darauf folgenden Doppelband zusammen, sowie dem Beginn eines weiteren Doppelbandes, dessen Fortsetzung somit erst in der nächsten Gesamtausgabe folgen wird. Das führt hier zu einem schönen Cliffhanger, und auf die Fortsetzung darf man gespannt sein. Auch weiterhin werden die Titelbilder und, falls vorhanden, alternativen Titelbilder, den Geschichten vorangestellt. Doch während Ribera und Godard noch stolz in einem mitabgedruckten Brief den Wechsel zum neuen Verlag Vaisseau d’Argent mitteilen (ohne zu vermelden, dass es ihr eigener ist), hat dieser Verlag zwar noch einige neue Bände abdrucken können bevor er wieder eingestellt wurde (bis Band 21, dann übernahm wieder Dargaud), er hat aber vor allem nur bis einschließlich Band 13 aus dem vorliegenden Sammelband Luxusausgaben der Backlist mit alternativen Covern und den launigen Vorworten zur Geschichte der Gilde herausbringen können. Somit gibt es hier nur noch ein solches Vorwort (das letzte eben), und als Ergänzung eine kurze Biografie zu Leben und Schaffen von Christian Godard, die reich bebildert ist und insgesamt sehr interessant und informativ ausfällt.
Während in der Serie ja immer wieder Details vorkommen, die irgendwie zeitlos scheinen, oder sogar eine verblüffende Aktualität zeitigen, wie zum Beispiel der Aufhänger für die vierte Geschichte in diesem Band, wo die Helden mittels einer automatisierten und personalisierten Werbung durch einen Roboter angelockt werden, was schon sehr an heutige Telefon- oder Internetwerbung erinnert, hat mich ein ein Detail in der Übersetzung der ersten drei Geschichten doch sehr gestört. Hier wird versucht, durch die Übersetzung einen weiteren Aktualitätsbezug zu schaffen, der im Original so gar nicht vorkommt, und den die Serie als (vermeintlich) zusätzlichen Push auch gar nicht nötig hat: der Begriff KI. Er wirkt auf mich anachronistisch und irgendwie ein bisschen anbiedernd an ein Publikum, das mit einem Sammelband Nr. 4 doch eigentlich nicht mehr „eingefangen” werden müsste, sollte man denken. Das hat mich scho gestört und irgendwie auch irritiert.
Das wäre allerdings such mein einziger Kritikpunkt, denn die Serie bleibt in diesem Band auf dem hohen Niveau der Vorgängerbände, Zeichnungen und Kolorierung sind weiterhin phantastisch. Ribera streut neuerdings vermehrt größere Panoramabilder ein, was mir ebenfalls sehr gut gefällt. Die Handlung wiederum weiß durch immer neue Wendungen zu überraschen, die Geschichte der Paralleluniversen wird genauer definiert, die einzelnen Absichten und Befindlichkeiten der Akteure wird wieder einmal deutlicher, doch zugleich beweist Christian Godard doch auch ein feines Gespür dafür, wann es für den Leser vielleicht einmal zuviel werden könnte angesichts all der Verschwörungen und Ränke, und löst vieles auch einfach mal auf, damit man sich wieder auf neues konzentrieren kann — sowohl als Leser (uff!), aber man darf jetzt auch gespannt sein, was Godard selbst für die nächsten Bände neues einfallen wird! Bestimmt wird es wieder spannend!
Fazit:
Mit diesem Band wird eine weitere Lücke im Universum um Axle Munshine geschlossen, der die Liebe seines Lebens in einem Paralleluniversum sucht, obwohl sie neben ihm steht. Mit dieser Veröffentlichung stehen drei weitere bisher nicht auf deutsch erschienen Bände zum Lesen bereit (von insgesamt acht), und gute Unterhaltung ist wieder garantiert!
Der Vagabund der Unendlichkeit — Gesamtausgabe 4: Wo man nichts weiß
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Kult Comics
Preis:
€ 39,00
ISBN 10:
3964302767
ISBN 13:
978-3964302762
224 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Wieder drei bisher auf deutsch unveröffentlichte Bände enthalten!


| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
| Bewertung: | ||
![]() (2 Stimmen) | ||
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| Rezension vom: | 10.07.2025 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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