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Comic-Besprechung - Wenn du zum Weibe gehst...

Geschichten:

Wenn du zum Weibe gehst...
Autor: Patrick Delperdange, André Taymans; Zeichner / Colorist: André Taymans



Story:

Simon ist untröstlich. Seine Frau Sylvia stürzte die Kellertreppe so unglücklich herab das sie dabei starb. Simon droht in einer schweren Depression zu versinken. Als er nach einer kruzen Reise nach Hause zurückkehrt, entdeckt er auf einem Foto in der Zeitung einen weiblichen Schatten an dem Fenster seines Hauses. Und im Keller steht ein merkwürdiger Satz an der Wand. Sollte Sylvia doch noch am Leben sein?



Meinung:

Wer sich kulturell auskennt, ergänzt den Titel des Comics Wenn du zum Weibe gehst--- automatisch mit „vergiss die Peitsche nicht“. Dieser Satz stammt bekanntlich von dem Philosophen Friedrich Nietzsche und wird fälschlicherweise als einer seiner zentralen Lehrsätze angesehen. Was so nicht stimmt. Vielmehr war Nietzsche in einer sadomasochistischen Dreiecksbeziehung eingebunden und dieser Satz wird sarkastisch ironisch in einem seiner Briefe verwendet. 

Überhaupt wurde Nietzsche bereits vielfach falsch verwendet und bewusst verfälscht, um eigene Überzeugungen philosophisch zu überhöhen. Wodurch das eigentliche Werk des tragischen Philosophen zunehmend erdrückt wird. So auch hier, denn Einsprengsel und vermeintliche Zitate aus Also sprach Zarathustra werden vornehmlich verwendet, um die Frauenfeindlichkeit eines der Protagonisten zu verdeutlichen. Diese Dialogpassagen sind gerade aus heutiger Sicht wirklich nur schwer zu ertragen und zeigen einen Mann in voller Monstrosität mit seinem Frauenhass der aus einem anderen Jahrhundert stammen könnte. Angereichert wird alles noch mit einer Wicca-Esoterik, also Hexenglaube, und am Ende wird das durch den inhaltlichen Twist leider nicht komplett aufgelöst, sondern im gewissen Sinne sogar bestätigt. Was an sich schon ein Ärgernis ist.

Warum wird hier mit dem Comic aber ein Krimi mit einer schwachen Story adaptiert?  Die ganze Geschichte macht wenig Sinn und ist dementsprechend arg konstruiert. Dabei fängt es vielversprechend und spannend an. Nach dem Unfalltod seiner Frau verfällt der Musiker Simon zunehmend der Depression, ist kaum noch in der Lage seinen Beruf auszuüben und trinkt zu viel. Als er auf einem Foto einen Schatten an dem Fenster seines Hauses sieht und eine merkwürdige Schrift an der Wand erscheint, fragt er sich ob seine Frau nicht doch vielleicht noch lebt. Oder spukt es etwa? Alle Ansätze für einen guten Mystery-Thriller sind gegeben. Aber leider passt hier nichts zusammen. Der schurkische Plan ist hanebüchen und im Grunde überflüssig und es gibt nicht mal eine Diskrepanz zwischen Wahn und Wirklichkeit welche eine Atmosphäre der Ungenauigkeit schaffen könnte. Sprich: man fragt sich zu keinem Zeitpunkt ob der Held nicht vielleicht seinen Verstand verliert. Es fügt sich nichts zusammen, manche längere Passagen erweisen sich im Nachhinein als vollkommen überflüssig und die Auflösung ist ärgerlich.

Warum also einen solch schwachen Krimi als Comic adaptieren?  Vorrangig wegen der Atmosphäre. Und das gelingt dem Zeichner André Taymans sehr gut. Zeichnerisch ist der Band einfach herausragend.  Gut, der Stil der ligne claire wirkt in den Actionmomenten etwas ungelenk, aber dafür gibt es sehr geschickte graphische Überblendungen, irreführende Perspektivem und Bildausschnitte die einen manipulieren indem sie das wesentliche weglassen. Zusammen mit einer exzellenten Farbgebung ergibt das eine schöne Gothic Horror Atmosphäre in einem verschneiten Dorf. Es ist also etwas anderes als bei Caroline Baldwin von der Taymans sich hier offenbar eine Pause gönnte. Aber dafür hätte er sich nun wirklich eine bessere Story aussuchen können.



Fazit:

Zeichnerisch ist der Krimi hervorragend, aber die Story ist leider misslungen und ärgerlich.



Wenn du zum Weibe gehst... - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Wenn du zum Weibe gehst...

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Alles Gute!

Preis:
€ 22,80

ISBN 10:
396582192X

ISBN 13:
978-3965821927

80 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Farbgebung
  • Gothic Horror Atmosphäre
  • hervorragende Zeichnungen
Negativ aufgefallen
  • Frauenfeindlichkeit
  • konfuse, unlogische Story
  • hanebüchene Auflösung
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 14.03.2025
Kategorie: Alben
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