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Comic-Besprechung - Narzisse

Geschichten:

Narzisse
Autorin: Katia Even, Zeichnerin: Sokie, Coloristin: Marina Duclos



Story:

Samantha, die von allen nur Sama genannt wird, ist am Boden zerstört. Ihre Freundin hat aus heiterem Himmel Schluß gemacht und Sama beginnt sich zu fragen ob sie überhaupt zu einer Beziehung fähig ist. Als sie die attraktive Friseuse Fadira kennenlernt, knistert es aber direkt zwischen den beiden Frauen. Als aber auch ein Mann sich um Sama bemüht, beginnt diese an ihrer Sexualität zu zweifeln.



Meinung:

Der Titel des in sich abgeschlossenen Comics Narzisse ist durchaus doppeldeutig zu verstehen. Zum einen bezieht er sich natürlich auf die gleichnamige Blume die dementsprechend auch immer wieder in Szene gesetzt wird. Sei es nun das die Heldin Sama, kurz für Samantha, Narzissen geschenkt bekommt oder selbst aufstellt. Oder sie im Hintergrund an anderen Orten zu sehen sind. Es ist ein durchgängig benutztes Symbol, ja schon fast aufdringlich. Dabei steht die Narzisse für den Frühling, für den Aufbruch, aber auch für den Tod. Womit nicht zwangsläufig der physische Tod gemeint ist, sondern dass etwas zu Ende geht und etwas Neues daraus erwächst.

Zum anderen bezieht sich der Titel natürlich auch auf den antiken Mythos des Narkissos, also Narziss, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte. Da er dadurch das Liebeswerben einer Nymphe ablehnte, verwandelte diese ihn aus Rache in eine Blume. Die dann Narzisse genannt wurde.

Das Erotikdrama das unter dem Label Splitternackt erscheint und als erotischer Comic für Erwachsene auf dem Backcover beworben wird, ist also symbolträchtig sehr aufgeladen. Die Heldin Sama sieht in ihren Gegenübern immer ein Spiegelbild. Indem sie also andere liebt, würde sie sich vielmehr selber lieben. Hier ist also die deutliche Parallele zu Narkissos und den Blumen. Die Gegenüber fühlen sich dann aber nicht wertgeschätzt da Sama sie nicht sehen würde, sondern nur sich selbst in ihnen, weswegen die Beziehungen immer wieder scheitern. Ein ewig wiederkehrendes Muster nicht nur  bei den fiktiven Charakteren, sondern wohl auch eine Beziehungsfalle im realen Leben.

An anderen Stellen wird aber mehrfach darauf hingewiesen, dass Sama immer eine Maske tragen würde, um den Erwartungen anderer zu entsprechen und somit diese zu spiegeln. Das ergibt einen Widerspruch der im Laufe des Comics nicht aufgelöst wird. Entweder will Sama nun einen Spiegel haben oder ist selber einer.  Beides zusammen geht nicht. Als sie dann endlich eine Frau  trifft die ebenso wie sie zu sein scheint, läuft sie davon was nicht glaubwürdig ist.
Das ist auch der größte Schwachpunkt des Bandes. Man glaubt ihm nicht. So fängt Sama an, an ihrer Sexualität zu zweifeln. Da sie aber durchaus zu ihrer Homosexualität steht und schon zwanzig Beziehungen hatte, kauft man das ihr nicht ab und ist eher von ihren Klagen genervt. In einer anderen Szene läuft sie durch dunkle Straßen und fordert bewusst heraus, dass ihr etwas geschieht. Was sie in ihrem Liebeskummer auch will. Als es brenzlig wird, wehrt sie sich, aber anstatt zu registrieren das sie doch leben will, schreibt sie das dem Schicksal zu. Was in diesem Zusammenhang und von der Gestaltung her schlicht Unfug ist. Am Ende gibt es einen Twist der hier nicht verraten werden soll, der aber die Spiegelproblematik doch recht geschickt auflöst und auch wieder einen antiken Mythos dazu verwendet. Jedenfalls reitet der Band auf der woken Welle mit, aber die Charaktere bleiben einem fern oder nerven und so ist man nicht unbedingt emotional beteiligt.

Neben dem doch recht schwachen Skript sind zeichnerisch recht viele Klischees auszumachen. Bei der Trennung von ihrer Freundin, wechselt das Wetter natürlich vom strahlenden Sonnenschein zu einem Wolkenbruch und bringt die Symbolik mit der Brechstange unter. Da es sich aber um ein zeichnerisches Debüt handelt, sei es verziehen, da man sich zur Sicherheit auf bewährtes zurückzieht.  Dabei bleibt es in punkto Erotik relativ zahm. Erotik gibt es in Form von viel nackter weiblicher Haut, aber es ist kein Porno. Primäre Geschlechtsorgane sind nicht zu sehen. Insgesamt ist der Band also teilweise zu  überfrachtet, unglaubwürdig und lässt einen leider kalt.



Fazit:

Ein schwaches Skript mit Widersprüchen und symbolischer Überfrachtung. Die Zeichnungen ziehen sich manchmal auch gerne auf Klischees zurück. Insgesamt eine Enttäuschung.



Narzisse - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Narzisse

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 18,00

ISBN 10:
3689500052

ISBN 13:
978-3689500054

48 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Symbolik
Negativ aufgefallen
  • Überfrachtung
  • unglaubwürdige Handlungen und Ansichten
  • woke Welle
  • Widersprüche in der Symbolik und Auflösung
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
4.4
(10 Stimmen)
Bewertung
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Rezension vom: 16.02.2025
Kategorie: Alben
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