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Comic-Besprechung - Winter Queen
Geschichten:Winter Queen
Autor und Zeichner: Fernando Dagnino
Übersetzer: Harald Sachse
Story:
Elisabeth, eine Königin aus dem 17. Jahrhundert, irrt durch das moderne New Orleans, von einem Dämon besessen, der seinerseits auf der Flucht vor dunklen Mächten zu sein scheint. Sie findet Hilfe bei dem schwarzen Trickmagier Eddie, doch bald werden die beiden auch von der örtlichen Polizei gejagt. Nicht nur wegen der Blutspur, die der Dämon hinterlasst, sondern weil dies alles einen Zusammenhang zu haben scheint zu einem Serienmörder, der nach 30 Jahren wieder aufgetaucht ist.
Meinung:
Zauberei und Magie, Seelenwanderung und Gestaltwandlung, Zeitreise, Voodoo, ein Serienmörder, Dämonen, Besuche in der Hölle, und ein offensichtlich doch noch nicht aufgeklärter Fall eines Serienmörders: Fernando Dagnino liefert hier eine wilder Mischung ab, die einiges an Aufmerksamkeit erfordert, wenn man nicht den Faden verlieren will. Zum Glück nimmt der Autor an mehreren Stellen ein bisschen die Fahrt raus, und lässt die Figuren darüber räsonieren, was bisher geschehen ist, und auch, was passiert ist aber gar nicht in den Bildern dargestellt wurde. So kommt man doch ganz gut zurecht in dieser verzwickten Verfolgungsjagd, auch wenn ich (zumindest) manchmal ein bisschen Probleme hatte, einige der Nebenfiguren wiederzuerkennen, die Dagnino hier einsetzt, um die Handlung zu transportieren. Seine Zeichnungen schwanken ein wenig zwischen sehr detaillierten Porträts der Figuren in einem eher franko-belgischen Stil (anfangs sehen seine Zeichnungen ein bisschen so aus wie die von George Bess „Der weiße Lama”), und den manchmal ein bisschen undeutlich wirkenden Szenen im US-Superhelden-Stil, in dem er ja eigentlich arbeitet, und der im weiteren Verlauf die Oberhand gewinnt in diesem Werk. Die Seiten sind nur manchmal, wie in US-Comics häufig zu finden, komplett mit einem schwarzen Hintergrund versehen, doch zumindest die seitlichen Ränder sind immer komplett schwarz, was mich eben direkt an den US-Stil erinnert.
Der geborene Spanier hat früh für Disney gearbeitet, später für DC, und veröffentlicht hauptsächlich Comics aus dem Bereich „Superheld trifft auf Magie”. Das hat er hier dann quasi auf die Spitze getrieben, indem er alles vermischt hat, was das Genre zu bieten hat (wenn man es so stehen lässt, dass ein Dämon einen Superhelden ersetzen kann). Die Story ist im Grunde recht simpel, es ist eine Mischung aus Rachestory und Dämonenjagd, doch Dagnino hat sie ein bisschen verkompliziert, indem er Zusammenhänge und Verknüpfungen einbaut, die er nicht sofort erklärt, sodass man teils die Gelegenheit hat, es selbst herauszufinden, teils klärt er den Leser dann nachträglich doch noch auf, bevor es zu verworren wird. Das funktioniert soweit recht gut, die Geschichte hat drive und man bleibt gespannt, wie es weitergehen wird, nur eine Figur gibt mir einige Rätsel auf: was hat ihn getrieben, als Ausgangspunkt der Handlung eine reale, historische Figur einzusetzen? Elisabeth Stuart hat tatsächlich gelebt, sie hatte für ein Jahr (1620) zusammen mit ihrem Gemahl Friedrich V. die Herrschaft über Böhmen inne, bevor das Paar im Zuge der Religionskriege zuerst in die Niederlande fliehen musste, und Elisabeth, inzwischen Mutter von dreizehn Kindern und Witwe, nach England zurückkehrte und schließlich die Stammmutter der britischen Könige wurde — sie selbst aber natürlich nicht Königin; eine Elizabeth I. gab es erst in der viktorianischen Zeit. Warum wurde diese Figur verwendet, deren Leben sehr gut bekannt ist, und deren Biografie Dagnino dann in den verwendeten Bruchstücken auch nicht sonderlich akkurat verwendet? Jede andere Frauenfigur, die einfach nur eine „Hexe” in ihrer Zeit gewesen ist, hätte den Zweck auch erfüllt. Hat er Elisabeth nur gewählt, damit der knackige Buchtitel dabei herauskommt (denn sie wird von Historikern tatsächlich die „Winterkönigin” genannt)? Ein wenig befremdlich, das Ganze. Quasi mysteriös.
Fazit:
Eine wilde Mischung aus Mystery, Magie, Superhelden-Dämonen und Krimi wird hier mit historischen Elementen in Form der „Winter Queen” Elisabeth Stuart verknüpft, um eine Dämonenjagd zu schildern, in der sogar die Hölle selbst mitmischt. Auf jeden Fall ein Stoff für Freunde von Comics im amerikanischen Stil, zeichnerisch jedoch näher an die Franzosen angelehnt — da kann man durchaus einmal hineinschauen.
Winter Queen
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Splitter Verlag
Preis:
€ 35,00
ISBN 10:
3987214015
ISBN 13:
978-39872140111
144 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Interessanter Genremix.

- Der Sinn der historischen Bezüge bleibt unklar.

| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
| Bewertung: | ||
![]() (14 Stimmen) | ||
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| Rezension vom: | 23.10.2024 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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