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Comic-Besprechung - Maltempo

Geschichten:

Maltempo

Autor und Zeichner: Alfred

Übersetzer: Silv Bannenberg



Story:

Es sind Sommerferien in Süditalien, auf dem Land: nichts ist los, Langeweile und die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Den Teenager Mimmo hält nur seine Liebe zur Musik aufrecht — doch als aus dem Nichts ein landesweiter Talentwettbewerb ausgerufen wird, holt er spontan seine alten Kumpels Guido, Mortadella und Cesare zusammen, um sich mit der alten Band jetzt neu zu bewerben. Doch es gibt zu viele kleine Geheimnisse in einem Dorf wie diesem, als dass ab jetzt alles glatt verlaufen könnte. Aber Mimmo Maltempo gibt nicht auf, und manchmal wendet sich das Schicksal auch entgegen aller Wahrscheinlichkeit zum Guten…



Meinung:

Wie sich herausstellt, betrachtet Alfred selbst dieses Werk als den Abschluss einer lockeren Trilogie, deren drei Teile „Come Prima”, „Senso” und „Maltempo” die Beziehung des Autors zu seinem Heimatland Italien widerspiegeln sollen, was meiner Meinung nach auch sehr gut gelingt. Nach dem Roadmovie in Teil 1, in dem zwei zerstrittene Brüder sich anlässlich des Todes des Vaters auf die gemeinsame Rückreise nach Italien machen, und der romantischen Begegnung zweier Außenseiter auf einer Hochzeit auf dem Lande, die zu einer echten Romanze führt in „Senso”, ist in diesem Teil die Beschreibung des Endes einer Jugend im ländlichen Süditalien an der Reihe. Die Zeit, zu der diese Geschichte spielen könnte, ist nicht zu erkennen, wird auch nirgends genannt — ist aber auch egal, denn die Geschichte, die erzählt wird, ist so universell gültig, beinhaltet so viele Standards (wie die Mafia, die Neonazis, erste Liebe, das Problem des Baubooms und der Bauruinen), die sich auch über Generationen nicht wirklich signifikant geändert haben werden, so dass die Handlung ganz für sich stehen kann, ohne einer bestimmten Generation zugeordnet werden zu müssen. 

Alfred erzählt dabei in allen drei Teilen mit der ihm eigenen Ruhe, ganz in seinem Tempo: und das funktioniert für mich fantastisch gut. Man spürt direkt die Hitze des Sommers, die Langeweile der Sommerferien in einem Kaff, in dem sonst nichts los ist und kann mit der Hoffnung des Protagonisten mitfiebern, die in diesem Augenblick aus dessen Sicht alles zu sein scheint, was ihm bleibt. Das ist hohe Erzählkunst, die dabei vom leichten Strich seiner Zeichnungen sehr gut unterstützt wird, der in seiner Komik ein bisschen an Zerocalcare erinnert (aber die Figuren niemals so grotesk aussehen lässt), ein bisschen aber auch an seinen anderen Landsmann, Gipi, der jedoch meist viel skizzenhafter daherkommt als Alfred selbst. Und neben der reinen Handlung nimmt Alfred sich ausgiebig Zeit für zahlreiche Stilleben mit Ansichten des ländlichen Süditaliens — aber ohne in Postkartenkitsch abzudriften. Es sind einfach, immer an der richtigen Stelle, Momentaufnahmen der Landschaft, die aber tatsächlich, wie angekündigt, wie Erinnerungsfotos wirken. Doch auch das passt sehr gut.

Alfred ist in Deutschland bisher tatsächlich hauptsächlich mit dieser Trilogie aus den Jahren 2013, 2019 und 2023 in Erscheinung getreten. Vor etlichen Jahren wurde von Carlsen bereits einmal der Band „Warum ich Pater Pierre getötet habe” nach einem Skript von Olivier Ka herausgegeben, ansonsten kann man sein Werk bisher nur auf französisch und italienisch geniessen. Dort ist er seit rund dreißig Jahren aktiv, hat jedoch in den letzten zehn Jahren hauptsächlich Beiträge zu Gemeinschaftsalben beigetragen sowie erst kürzlich als Resident des Theaters Célestins in Lyon ein Album zum Thema der Verbindung zwischen Theater und Comics abgeliefert.

Der vorliegende Band erscheint als Hardcover und in dem etwas kleineren Buchformat, wie andere Verlage es nennen würden.

  



Fazit:

Wieder eine schöne Geschichte aus Italien, in deren ruhigen Bildern man die Hitze der Sommerferien im Süden förmlich spüren kann. Mitreissend erzählt, ohne weinerlich zu sein, und spannend ohne reißerisch zu werden: das ist ganz großes Kino, und Alfred empfiehlt sich auch mit diesem Band aus seiner persönlichen Trilogie mit Erinnerungen an die Heimat einem deutschen Publikum, dem dieser Autor nur wärmstens ans Herz gelegt werden kann.



Maltempo - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Maltempo

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 24,00

ISBN 10:
3956404017

ISBN 13:
978-3956404016

184 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Gut beobachtete Eindrücke einer Jugend in Süditalien.
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 05.07.2024
Kategorie: Alben
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