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Comic-Besprechung - Mercury Heat 2 (Softcover)

Geschichten:

Mercury Heat 2 (Softcover)

Autor: Kieron Gillen

Zeichner: Nahuel Lopez

Übersetzer: Jens R. Nielsen



Story:

Nach dem ersten erfolgreich absolvierten Einsatz wird die Polizistin Luiza zu einem etwas abseits der restlichen Einrichtungen auf dem Merkur gelegenen Forschungslabor entsandt, um dort nach dem Rechten zu sehen. Man hat bereits seit einiger Zeit keine Nachrichten mehr von dort erhalten, und das Sicherheitsprotokoll erfordert solch einen Einsatz. Doch als Luiza dort ankommt, zusammen mit einer virtuellen Version ihres vormaligen Partners, ist dort die Hölle los: die menschen sind anscheinend verrückt geworden, und massakrieren sich gegenseitig. Das setzt selbst eine Kampfmaschine wie Luiza stark unter Druck, die ganz nebenbei ja auch noch die Ursache des Übels suchen muss…



Meinung:

Dieser zweite und nach Verlagsangabe abschließende Band der Serie beginnt zwar mit einem klassischen Thema aus der Science-Fiction bzw. ganz allgemein aus Abenteuer-, Western- und Krimigeschichten (der Sheriff wird an einen abgelegenen Ort geschickt, wo ein mysteriöses Vorkommnis Spannung verspricht und leichten Grusel aufkommen läßt), doch für meinen Geschmack lässt Kieron Gillens Fantasie danach doch sehr stark nach. Nach dem sehr originellen Start in Band 1, wo sich der Autor noch eine komplette neue Weltordnung für die Menschheit der Zukunft ersonnen hatte, inklusive der Weltführung durch eine KI, Energiegewinnung auf dem Merkur und zahlreichen damit einhergehenden Lösungen für zwangsläufig in diesem Zusammenhang auftretende Nebenprobleme, hat er sich diesmal entschlossen, einfach ein anderes Werk zu zitieren. Und das ist für mich sehr schwach, denn es geht so weit über eine Hommage hinaus, dass ich es ganz simpel zu einem Plagiat erklären würde, unabhängig von der Frage, inwieweit das mit den Originalautoren abgesprochen und genehmigt gewesen sein mag. Die Rede ist von der Serie „Crossed” von Garth Ennis and Jacen Burrows, in der von einem Virus infizierte Menschen alle Hemmungen verlieren und zu einer ungekannten Gewaltorgie ansetzen. Gleichzeitig sind sie von einem Hautausschlag im Gesicht gekennzeichnet, der wie ein Kreuz aussieht, eben „crossed”. Natürlich wäre ein solches Szenario im Weltall noch eine Stufe gruseliger und gefährlicher als im Original, aber es ist einfach einfallslos. (ACHTUNG SPOILER) Auch wenn die Geschichte diesmal andere Hintergründe und Ursachen hat als bei Ennis und Burrows, weist dies nur wenig Originalität auf (SPOILER ENDE). Zudem wird das Geheimnis so früh gelöst, dass im Großteil des Buches überhaupt keine Spannung mehr aufkommt, sondern das Ganze zu einer stumpfen Ballerorgie verkommt und der Mittelpunkt der Handlung aus der Verfolgung der befallenen Menschen besteht. Das ist ein ganz klarer Qualitätsabfall gegenüber Band 1.

Auch dieser Band ist wieder um zwei Seiten voller Anmerkungen des Übersetzers Jens R. Nielsen ergänzt, in denen er schwer übersetzbare und zweideutige Begriffe im englischen Original erläutert, bzw. im Text enthaltene Anspielungen auf Bücher, Filme und Fernsehserien aufdeckt. Das scheint Herr Nielsen nach meiner bisherigen Leseerfahrung bei den Veröffentlichungen des Dantes Verlag zum Programm zu machen — doch braucht man das wirklich? Wenn der Autor selbst meint, dass er seine versteckten Anspielungen unangemerkt auf seine Leser wirken lassen möchte, funktioniert das bei den deutschen Lesern nicht auch? Ist unsere, von der amerikanischen Kultur überschwemmte Unterhaltungslandschaft so selektiv, dass man wirklich annehmen muss, die Leser kennen die Alien-Filme, deren Regisseure und Artverwandtes nicht. Und wenn es wirklich so wäre: bringen die Anmerkungen dann wirklich einen Erkenntnisgewinn? Ich weiß nicht, und zumindest für das Verständnis des vorliegenden Bandes sind sie zweitrangig. Und der Schritt, wirklich jedes Hinweisschild aus dem Englischen zu übersetzen, weil die Deutschen ja keine Fremdsprachen können — das fängt ganz allgemein bereits ein bisschen an zu nerven, nicht nur im Fernsehen, auch hier. Und wer solche Comics wegen ihres Sprachwitzes und ihrer erhellenden Zweideutigkeiten würde lesen wollen, griffe doch im Umkehrschluss vielleicht eher direkt zum Original, oder? Aber nichts für ungut, vielleicht habe nur ich dies Anmerkungen diesmal nicht gebraucht, und sie sind auf jeden Fall sehr sorgfältig recherchiert, herausgearbeitet und dargestellt.

Es wäre übrigens auch nicht zwingend notwendig, dass nach diesem Band bereits mit der Serie Schluss ist — eigentlich ist dies auch nur eine Abenteuerepisode wie die erste, und theoretisch könnte es auch weitergehen. Vielleicht wird es dass ja in der Zukunft (entgegen bisheriger Verlautbarungen) noch, doch dann müsste sich der Autor bitte wirklich noch einmal etwas einfallen lassen !



Fazit:

Nachdem ich den ersten Band noch empfehlen konnte, ist diese Fortsetzung leider wenig originell und verkommt durch ein unglückliches Szenario mit zu früh verratener Pointe und starken Plagiaten zu einem reinen Ballergemetzel, das sicherlich manchem gefällt, aber nach dem sehr guten ersten Band doch stark enttäuscht.



Mercury Heat 2 (Softcover) - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Mercury Heat 2 (Softcover)

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Dantes Verlag

Preis:
€ 20,00

ISBN 13:
978-3946952848

148 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Sympathische Heldin und origineller Sidekick.
Negativ aufgefallen
  • Langweilliger Plot, der auch noch viel zu früh aufgelöst wird.
  • Eigentlich nur ein Plagiat von „Crossed”.
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
2
(1 Stimme)
Bewertung
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Rezension vom: 05.06.2023
Kategorie: Alben
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