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Comic-Besprechung - Die Bibliothek der Comic-Klassiker: Die Frustrierten

Geschichten:

Die Bibliothek der Comic-Klassiker: Die Frustrierten

Autor & Zeichner: Claire Bretécher



Story:

In überwiegend 1-seitigen Strips nimmt Claire Bretécher gekonnt und bissig die Befindlichkeiten der französischen Intellektuellen und der Frauenbewegung der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts auf die Schüppe, ohne das die Inhalte tatsächlich veraltet wären - die meisten Themen sind noch immer aktuell. 



Meinung:

In der Bibliothek der Comic-Klassiker ist ein weiterer Band erschienen, diesmal der erste einer frankobelgischen Autorin. Nach „Hägar“, „Popeye“, „Prinz Eisenherz“ und „Mafalda“ jetzt also „Die Frustrierten“ von Claire Bretécher. Wie die Anderen erscheint er mit über 300 Seiten in einem großen Format, mit einem zusätzlichen Stülpschuber versehen und auf dickem Papier gedruckt, in schwarz-weiß. 

Auf den ersten Blick scheint dieser Band aus der Reihe der bisher erschienenen (und noch angekündigten) Titel auszubrechen, da man die Werke von Claire Brétecher bisher in Deutschland als direkt im Album-Format veröffentlicht kennt. Und derer auch nicht wenige, mit „Zellulitis“, „Kopfsalat“, „Agrippina“, „Die Frustrierten“ und weiteren Werken ist sie schon früh in Deutschland veröffentlicht worden. Doch man muss wissen, dass „Die Frustrierten“ ursprünglich in der Wochenzeitschrift „Le Nouvel Observateur“ erschienen sind, die hauptsächlich von französischen Intellektuellen der damaligen Zeit gelesen wurde. Und ein Klassiker sind sie allemal. 

Und auch wenn man durchaus Übereinstimmungen mit den üblichen Zeitungsstrips wie „Hägar“, „Blondie“ oder „Charlie Brown“ finden könnte, muss man dennoch konstatieren, dass Claire Brétecher mit fast allen Konventionen bricht. Nicht zuletzt als weibliche Autorin und Zeichnerin in einer bis dahin im Prinzip vollständig von Männern dominierten Sparte, sondern auch in der Ausweitung der bekannten 1-reihigen Strips auf eine komplette Seite und der sehr eigenwilligen Art, die Texte in Schreibschrift anzulegen (was in der deutschen Übersetzung übernommen wurde und den Letterer sicher vor eine nicht kleine Herausforderung gestellt haben dürfte). Die Figuren wirken meist leicht schloddrig bis ungepflegt, was der meiner Meinung nach sonst üblichen Wahrnehmung der Franzosen als sehr gepflegten und wohlgekleideten Menschen entgegenspricht - aber zu den Siebzigerjahren passt. Auch der mit der damaligen Redaktion abgestimmte Ansatz, mit den Inhalten gerade die Leser selbst ein wenig hoch zu nehmen, ist schon bemerkenswert. 

Und gerade diese Inhalte treffen durchaus ins Schwarze: Bretécher beschreibt unschlüssige Feministinnen, die sich nicht so recht von ihren Macho-Freunden und deren Einfluss losreißen können. Alleinerziehende Mütter und verheiratete, die ihre Kinder trotzdem prinzipiell allein erziehen - die aber im, in den 70-er Jahren angesagten, „Laissez-Faire“ völlig untergehen und von ihren Sprösslingen regelrecht tyrannisiert werden. Linke Sofa-Revolutionäre, die sich zu Tode schwadronieren, statt zu handeln - und sich nicht selten in ihren Theorien selbst widersprechen und gegenseitig bloßstellen. Und Schlussendlich das ewige Problem des Unverständnisses zwischen Männern und Frauen. 

Aber obwohl die Atmosphäre in den einzelnen Geschichten ganz klar das Flair der Siebzigerjahre widerspiegelt - es wird viel geraucht, man sitzt auf tief einsinkenden Sofas oder direkt auf den damals sehr beliebten „Sitzsäcken“, und oft ist ein Gläschen Wein im Bild - die Themen bleiben oft zeitlos und sind damit immer noch aktuell: man spricht über die Energiekrise, die Unterdrückung der Frauen (durch die Männer), es gibt jede Menge unerzogener Kinder, Helikoptereltern, Standesdünkel und Ausgrenzung, und die Situation, dass Vieles kritisiert wird, aber dabei durch die Kritiker noch nicht einmal nach einer Lösung gesucht wird, ist auch bekannt. Da erkennt man Vieles wieder. 

Doch um all diese endlos scheinenden Diskussionen zu transportieren und sich entwickeln zu lassen, war nicht nur eine Ausweitung auf eine ganze Seite (und vereinzelt mehr) erforderlich, sondern die einzelnen Panels sind oft doch recht textlastig. Auch dies unterscheidet „Die Frustrierten“ von Hägar und Co., wo es ja meist nur um kurze Kalauer geht. Diese Textlastigkeit ist nicht unbedingt etwas für Jedermann, auch muss man sich mit dem Herumschwadronieren der Möchtegern-Revoluzzer und Freizeit-Philosophen auseinandersetzen wollen - das trifft nicht jeden Humor, doch wenn man sowas mag, trifft Bretécher hier ins Volle. Es ist dann auf jeden Fall ein Band, an dem man länger liest als sonst. Und meiner Meinung nach ein Volltreffer. 



Fazit:

Dieser Sammelband der bisher in fünf Teilen veröffentlichten Serie macht Spaß, wenn man sich mit Genderproblemen, Feminismus und linker Politik im Allgemeinen auseinandersetzen will. 

Der Bezug zum Zeitgeschehen der Siebzigerjahre ist nicht nur historisch interessant, denn man kann sich in vielen der Themen und Szenen auch in der heutigen Zeit noch wiederfinden. Und für Freunde des bissigen Humors ist es ein Klassiker. 



Die Bibliothek der Comic-Klassiker: Die Frustrierten - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Die Bibliothek der Comic-Klassiker: Die Frustrierten

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 35,00

ISBN 10:
3551029156

ISBN 13:
978-3551029157

312 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Treffsicherer, bissiger Humor
  • Passender Zeichenstil
  • Nahezu zeitlose Themen
Negativ aufgefallen
  • Ziemlich textlastig
  • Trifft nicht immer jeden Humor, man muss das Thema mögen
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Rezension vom: 24.06.2022
Kategorie: Alben
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