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Comic-Besprechung - Ich fühl`s nicht

Geschichten:
Ich fühl`s nicht
Autorin / Zeichnerin: Liv Strömquist


Story:
In den letzten Jahren unterhielt der US-Schauspieler Leonardo DiCaprio zahllose Beziehungen mit hübschen, blonden Models. Aber keine hielt länger an. Ausgehend von dieser Frage wird untersucht, was Beziehungen in der kapitalistischen Gesellschaft ausmacht und ob sich die Auffassung von Liebe geändert hat.


Meinung:
Schon die letzten drei Bücher von Liv Strömquist, Der Ursprung der Liebe, Der Ursprung der Welt und I´m every Woman, waren aufwühlend da die schwedische Feministin mit viel Ironie und Furor gesellschaftliche Normen hinterfragt. Weswegen sie im Klappentext als intellektuelle Bombenlegerin bezeichnet wird. Durchaus zu Recht, denn Gewissheiten werden durch sie in Frage gestellt. Dabei gelingt ihr das große Kunststück niemals allzu belehrend zu sein, wobei der pädagogische Zeigefinger dann LeserInnen abschrecken könnte. Das vermeidet sie durch den ironischen Ton, der aber auch beißend sein kann. Zudem sind ihre ausdrucksstarken Zeichnungen dafür auch zu karikaturenhaft geraten, so dass immer ein bisschen Distanz bleibt.

Das ist alles auch in dem aktuellen Band Ich fühl`s nicht der Fall. Auch wenn wieder ein Sachcomic vorliegt, so besitzt dieser doch Humor welcher auch dafür sorgt, dass sich die Leserschaft nicht persönlich angegriffen fühlt. Doch diese Ironie schmälert nicht die Aussage, vielmehr zeigt sie manchmal das Lächerliche und das Absurde auf und indem hier ein Spiegel vorgehalten wird, ermöglicht das Stilmittel nicht nur eine einfachere Lektüre, schließlich geht es hier sehr philosophisch zu, sondern bringt einen noch mehr dazu, eigene Positionen zu hinterfragen.

Dabei ist es schon selten und somit besonders erwähnenswert, dass ein Sachcomic einen emotional so sehr zu berühren weiß. Zum einen liegt es daran das es um Beziehungsstrukturen, Liebe und Partnersuche in der modernen Gesellschaft geht, man sich also jederzeit wieder finden kann (ob man will oder nicht) und zum anderen wird kein historisches Thema aufgegriffen welches trotz mancher bewegenden Aspekte immer eine Distanz aufgrund der zeitlichen Differenz aufweist.
Ausgehend von der Beobachtung das der US-Schauspieler Leonardo Di Caprio immer wieder ähnlich aussehende Freundinnen hat die oft auch denselben Beruf haben, nämlich Models, fragt sich Strömquist warum das so ist. Dabei stellt sie heraus, dass sich der Begriff und die Auffassung der Liebe sich stark geändert haben. Liebe ist zu einem Projekt verkommen, als ein Mittel zur Selbstverwirklichung. Dabei gerät aber der Partner aus dem Blick. Vielmehr verkommt dieser zu einem Spiegelbild des narzisstischen Ichs. So hat die Partnersuche in unserem kapitalistischen Gesellschaftssystem mehr was von einem Verkaufsgespräch, inklusive Umtauschrecht, und nicht mehr das Sich-fallen-lassen, das Sich-einlassen. Im Gegensatz zu ihren anderen Büchern sieht hier Strömquist die Vergangenheit als positiv an und bedauert den heutigen Egoismus. Manches ist sehr pointiert und sehr kritisch und man mag sich selber hinterfragen. Oder  es wird der Blick geschärft und beispielsweise die digitalen Singlebörsen äußerst kritisch gesehen da hier der offenkundige Beweis vorliegt das man nur sich selber in dem anderen sucht, da die andere Person dieselben Interessen und Eigenschaften haben soll wie man selber. Das negiert in der Konsequenz die andere Person und man sucht im Grunde nur einen Spiegel. Dabei zitiert Strömquist auch wieder viele Philosophen was einen oftmals zum Innehalten bringt. Nicht um zu verstehen was diese meinen, dass fasst Strömquist gut zusammen, sondern weil man selber ins Grübeln gerät, weswegen dieser schöne Band nun wirklich keine Lektüre für zwischendurch ist. Äußerst empfehlenswert.



Fazit:
Äußerst empfehlenswert. Man mag sich hier wiederfinden, ob man will oder nicht, aber der philosophische und ironische Band schärft zumindest den Blick.


Ich fühl`s nicht - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ich fühl`s nicht

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 20

ISBN 10:
3964450286

ISBN 13:
978-3964450289

176 Seiten

Positiv aufgefallen
  • philosophisch gehaltvoll
  • Gesellschaftskritik
  • intellektuell anregend
  • Ironie
Negativ aufgefallen
  • Zeichnungen manchmal arg karikaturhaft
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Rezension vom: 13.05.2020
Kategorie: Independent
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