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Comic-Besprechung - Münchhausen

Geschichten:
„Die Wahrheit über das Lügen“
Szenario: Flix
Zeichnungen: Bernd Kissel

Bereits mit "Faust" und "Don Quichote" hat Flix gezeigt, dass Klassiker der Literatur auch im Medium Comic ansprechend umgesetzt werden können. Vor allem dann, wenn man sich von der Vorlage löst und den Inhalt in einem anderen Kontext wiedergibt.
Nun folgt mit "Münchhausen" der nächste Streich. In dieser Graphic Novel fungiert Flix jedoch nicht als Zeichner, sondern als Szenarist. Bernd Kissel übernimmt den gestalterischen Part. Der Künstler dürfte einigen Lesern bereits als Zeichner von saarländischen Comics bekannt sein. "Münchhausen" ist nach Aussagen des Verlages seine erste Graphic Novel.

Die Story spielt in den Wirren des Zweiten Weltkrieges. 1939 erlebt ein älterer Herr eine Bruchlandung mit seinem Luftschiff in London. Sogleich wird er als deutscher Spion festgenommen und befragt. Seine Story klingt so unglaublich, dass der berühmte Sigmund Freud zu einer Analyse herangezogen wird. In bekannter Psychiater-Manier befragt er den Gefangenen.

Was nun folgt ist eine lose Aneinanderreihung der bekannten Lügenmärchen vom Baron Münchhausen. Sich selber am Schopf hochziehen, ein Pferd am Kirchturm festbinden, ein achtbeiniger Hase, der Besuch auf dem Mond und natürlich der legendäre Ritt auf der Kanonenkugel. Nichts wird ausgespart.
Flix verbindet all diese an und für sich alleinstehenden Geschichten zu einem Erlebnisbericht des gefangen genommenen Münchhausens bzw. des Herrn Bürger, wie er sich bis kurz vor Schluss nennt. Die Geschichte wird immer wieder von Siegmund Freud unterbrochen, der bei allzu offensichtlichen Lügen einschreitet und den Erzähler mit der Unwahrheit konfrontiert. Witzigerweise gibt es für alle Ungereimtheiten immer eine halbwegs logische Erklärung, was Freud mit zunehmender Erzähllänge (und Seitenzahl) mehr und mehr zweifeln lässt.

Für den Leser ist es besonders interessant, wie sehr Münchhausen von seiner Geschichte überzeugt ist. Mehrmals schreit er, fast bettelnd, "Ich lüge nicht!" und irgendwie will man ihm auch glauben, so hanebüchen die Schilderungen auch sind. Ist der historische Münchhausen nur ein sympathischer Aufschneider, so umgibt der Figur im Comic eine gewisse Traurigkeit. Oftmals starrt er einfach nur in die Ferne oder erzählt mit den Tränen in den Augen, welche Untaten ihm zur Last gelegt werden. Dass er sich in Kriegsgefangenschafft befindet und sein weiteres Schicksal wirklich ungewiss ist, scheint ihn gar nicht zu belasten.
So wird er für den Leser zu einer rätselhaften Figur und, genau wie Freud, weiß man nicht, was man davon halten soll.

Zusätzlich zu den unglaublichen Geschichten gibt es Flix-typische humorvolle Einlagen. Der junge Münchhausen ist herrlich naiv. Seinen Einzug zum Militär sieht er als ersten Schritt, um dem Kaiser näher zu kommen und die Reise zum Mond ist für ihn auch nur eine Aneinanderkettung von Zufällen. Für den Leser gibt es hier durchweg einiges zum Lachen und zum Schmunzeln. Lediglich beim traurigen Ende findet Münchhausen auf schmerzliche Art und Weise den Weg in die Realität. Nach diesem Schock kann der Leser aber ein überaus unterhaltsames Buch aus der Hand legen, wobei er sicher nochmals zu den vielen sehenswerten Zeichnungen zurückblättern wird.

Bernd Kissel überrascht mit einer sympathischen Darstellung der Figuren. Große Köpfe, knubbelige Nasen, schmale Gliedmaßen. Dazu gesellt sich eine ausdrucksstarke Bildsprache, wo die Panels nicht mit vielen Soundwörtern überlastet werden. Kissels Zeichnungen sind beinah durchgängig in schwarz/weiß gehalten, lediglich die Abenteuer auf der Rückseite des Mondes werden in knallig bunten Farben dargestellt. Der Zeichner greift selbst bei der Flächenfüllung oftmals nur auf seinen Bleistift zurück, was für den Leser sehr schön die handwerklichen Fähigkeiten erkennen lässt.

"Münchhausen" ist folglich ein wirklich schönes Buch, das sowohl inhaltlich als auch grafisch dem Leser von Beginn an fesselt und ihn bis zum letzten Panel nicht mehr los lässt. Dabei bekommt er eine Geschichte geboten, die mit der eigentlichen literarischen Vorlage nur noch in Teilen zu tun hat. Die Neuinterpretation von Flix verpasst den Lügengeschichten einen mehr als würdigen Rahmen, wobei hier vielmehr der Baron als Figur im Mittelpunkt steht. Eine Pflichtlektüre.


Münchhausen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Münchhausen

Autor der Besprechung:
Christian Recklies

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 17,99

ISBN 13:
978-3-551-76303-7

192 Seiten

Positiv aufgefallen
  • einfallsreicher und überraschender Plot
  • sehenswerte, filigrane s/w Zeichnungen
  • viele Details, die dazu anregen, den Comic immer wieder durchzublättern
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 23.03.2017
Kategorie: One Shots
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