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Comic-Besprechung - Rohrkrepierer

Geschichten:
Nach einem Roman von Konrad Lorenz
Adaptation: Isabel Kreitz


Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Eine Gesellschaft am Boden, die sich nur langsam wieder aufrappelt. Darunter viele Kinder, deren Väter im Krieg gestorben oder verschollen sind. Der Autor Konrad Lorenz setzt bei diesem Szenario an und beschreibt in dem autobiografischen Roman seine Kinder- und Jugendjahre in Hamburg, genauer St. Pauli. Isabel Kreitz hat diese Erzählung nun in einer 350 Seiten starken Graphic Novel umgesetzt.

Im Mittelpunkt der Story steht Kalle und dessen Familie. Die Mutter beschafft auf dem Schwarzmarkt Sachen zum Überleben, die Oma hält die Familie zusammen und der Vater ist im Krieg gefallen. Jedenfalls laut der offiziellen Benachrichtigung, die sich aber relativ schnell als falsch herausstellt, denn plötzlich steht der Vater wieder vor der Tür. Wie bekannt, ist das Zusammenleben schwer. Der Vater traumatisiert, die Mutter mit allerlei Zeug beschäftigt, da bleibt Kalle oft auf der Strecke. Also wird sich viel draußen herumgetrieben. Isabel Kreitz zeigt die Jungen, beim Spielen in den Häuserruinen, beim Möchtegern-Besuch einer Catch-Veranstaltung und bei allerlei Raufereien. Kalle ist mittendrin im Trubel des berüchtigten Viertel.

Ein alles überspannender Handlungsrahmen existiert in "Rohrkrepierer" folglich nicht. Der Leser begleitet den Jungen einfach bei seinen alltäglichen Erlebnissen. Dass dies durchaus spannend sein kann, zeigen beispielsweise die gemeinsamen Stunden mit dem Vater. Obwohl sich beide im Grunde genommen nicht kennen, da der Vater lange Jahre im Krieg verweilte, ist der Zusammenhalt gleich von Beginn an da. Das zu erwartende Misstrauen zwischen beiden Personen bleibt aus. Die Freundschaft geht sogar so weit, dass Kalle sich gegen die Anweisungen seiner Mutter stellt, um seinen Vater zu schützen. Der nimmt seinen Sohn sogar mit auf eine Kneipentour. Selbst als der Vater wieder lange auf Schiffsreisen geht, bleibt der Kontakt bestehen. Die Mutter, anfangs stark im Mittelpunkt, tritt mehr und mehr zurück und spielt beinah nur noch eine Nebenrolle.

Im zweiten Teil des Bandes widmet sich der Autor den Jugendjahren von Kalle. Er geht nun zu Feten, treibt sich in der Herbertstraße rum, jedenfalls versucht er es, und findet seine erste große Liebe. Beim rebellischen Erwachsenenwerden trifft er auf St. Pauli natürlich auch einige eher unfreundlich gestimmte Personen. Es kommt zu Schlägereien, Erpressungen und einigen emotionalen Tiefschlägen. Wo anfangs die kindliche Leichtigkeit von den Problemen zwischen den Eltern getrübt wird, ist es nun die harte Realität, die Kalle das Leben nicht gerade einfach macht. Aber er schlägt sich durch und gerade dieser Abschnitt ist voller Action und spannungsgeladenen Momenten.  

Dem Leser fällt es von Beginn an leicht, sich in die Hauptfigur hineinzusetzen und somit durchlebt er zusammen mit Kalle die Höhen und Tiefen seines Lebens. Ganz ohne die großen Abenteuer, einfach nur ein ganz normales Erwachsenenwerden in einer Zeit, wo sich das Land und die Leute erst wieder selbst finden müssen.
Bereits nach wenigen Seiten hat "Rohrkrepierer" es geschafft, den Leser in seinen Bann zu ziehen und beim nächsten Aufschauen zwischen den Buchdeckeln sind 350 Seiten Geschichte und unzählige Minuten verstrichen. Eine schöne Graphic Novel ohne spektakuläre Aktionen, dafür aber mit sympathischen Charakteren.

Der Strich von Isabel Kreitz überzeugt wieder vom ersten Panel an. Die durchgehend in mattem Grau mit allerlei Schattierungen gefüllten Zeichnungen offenbaren viele Details und setzen den Fokuss durchgängig auf die Figuren. Die Geschichte wird mittels kleinformatigen Panels erzählt, nur in Schlüsselszenen setzt die Künstlerin auch auf einseitige Grafiken. Dieser Stil führt zu einer engen Bindung des Lesers an die Figuren, der Kiez wird hingegen nicht ausschweifend dargestellt, er lebt vielmehr durch die gezeigten Treffpunkte und Örtlichkeiten.

Isabel Kreitz lässt hier folglich das alte St. Pauli hochleben, setzt hierbei aber die einfachen Menschen in den Mittelpunkt. Gauner und Zuhälter kommen natürlich auch vor, sind aber nur Randfiguren, die nach wenigen Panels wieder vergessen sind. Stattdessen wird dem Leser eine durchweg normale Familie an die Hand gegeben, die symbolhaft für das Leben nach dem 2. WK im Hamburger Stadtteil steht. Durch das Setzen von kleinen Höhepunkten im alltäglichen Leben ist die Story unterhaltsam und fesselnd. Fans von autobiografischen Geschichten sollten unbedingt zugreifen.


Rohrkrepierer - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Rohrkrepierer

Autor der Besprechung:
Christian Recklies

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 26,99

ISBN 13:
978-3-551-78378-3

304 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • ausschweifender Erzählstil
  • sympathische Figuren, die den Leser schnell an sich binden
  • äußerst gelungene grafische Umsetzung
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 14.11.2015
Kategorie: One Shots
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