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Comic-Besprechung - Vasmers Bruder

Geschichten:
Vasmers Bruder

Autor: Peer Meter
Zeichner: David von Bassewitz


Story:
Martin Vasmer reist in eine polnische Stadt nachdem dort sein Bruder verschwunden ist. Letzterer hatte Recherchen über einen fast vergessenen Serienmörder angestellt und nun begibt sich Martin auf dessen Spuren. Dabei findet er mehr raus als ihm lieb ist.


Meinung:
Peer Meter legt mit Vasmers Bruder bereits seine dritte Graphic Novel über einen Serienmörder vor. Neben den preisgekrönten Haarmann und dem nicht minder beeindruckenden Gift schließt sich hiermit eine Trilogie. Wieder erfindet Meter kaum etwas, sondern greift auf historische Tatsachen zurück. Haarmann gab es ebenso wie die Giftmörderin als auch Karl Denke um den es hier geht. Denke ist vergessen, da es weder einen Gerichtsprozess gab noch eine direkte Aufarbeitung. Zudem war der Ort etwas abgelegen und geriet angesichts der politischen Umwälzungen aus dem Blickfeld. Was umso erstaunlicher ist, da der Kriminalfall an sich schon merkwürdig ist. Denke ermordete an die 30 Menschen, verspeiste sie und bearbeitete deren Fleisch und Haut (und war damit ein Vorläufer von Ed Gein). Nur durch Zufall wurde er überführt und beging in seiner ersten Nacht in Haft Selbstmord. Anzeichen für sein mörderisches Tun gab es zuhauf und da es niemand Denke zutraute etwas Böses zu begehen, ignorierte man das offensichtliche. Was eine spannende Perspektive für eine Graphic Novel ist.

Aber Meter interessiert dieser Aspekt nicht und die Anzeichen, die Indizien werden ignoriert. Was enttäuschend ist, aber dennoch wählt er einen guten Ansatz. Zur Überraschung des Lesers interessiert der Kriminalfall an sich die Schöpfer nicht. Es wird kein historischer Bericht gegeben, wie in Haarmann und Gift, der mit einer psychologischen Studie des Täters und den historischen sowie sozialen Umgebungen zu tun hat. Nein, der Comic spielt fast ausschließlich in der Gegenwart und nur in Rückblenden kommen die damaligen Ereignisse vor. Das mag schon fast erstaunen und enttäuschen, aber dafür wird thematisiert, wie einen die Beschäftigung mit Serienmördern verändern kann.

Insofern ist das Eingangszitat von Nietzsche kongenial gewählt und gibt alle Intention des Autors vor. Die Psychologie des Mörders wird hier ignoriert, aber was macht das mit der Psyche des Forschers, des Ermittlers, der sich in einen solchen Schurken hineinversetzen muss? Dieser Sog in das Böse, der gleichzeitig ängstigt und fasziniert, ekelt und einen anzieht kann einen sich verlieren lassen. Geschickterweise ergeht es nicht nur den Figuren so, sondern auch dem Leser. Denn mit dieser Thematik wird auch auf einer Metaebene der Betrachter selber angesprochen und ihm die Frage gestellt, warum er sich eigentlich mit einem solchen Thema beschäftigt. Was fasziniert einen so daran? Antworten werden nicht gegeben, sondern es wird allein angeregt darüber nachzudenken. Eine Komplizenschaft mit dem Leser der sich wohlig gruseln will, wird damit abgeschafft.
Es ist auch kaum zu glauben, dass hier ein zeichnerisches Debüt vorliegt. Oder besser: es ist die erste Graphic Novel von Bassewitz. Aber die Handschrift ist so sicher und eindrucksvoll, dass man eine langjährige Erfahrung vermutet. Vergleichbar ist der Stil etwas mit Kleist und McKean, wobei Bassewitz doch eigenständig ist. Seine Kohle- und Bleistiftzeichnungen sind sehr düster, manchmal zu düster, in einigen Panels kann man nur noch schwer etwas erkennen, und ziehen den Leser in die Schwärze der Psyche und in das Böse hinein. Der Horror entsteht durch Andeutungen, durch das Auslassen. Zwar geben die Zeichnungen eine Horrorfilmatmosphäre vor aber doch ist alles realistisch. Nur selten sieht man etwas klar und das passt wieder zum Krimi da es ja um eine Aufdeckung geht. Aber auch wenn man die Fakten dann kennen mag, kann man sie doch nicht verstehen. Denn was einen Menschen so zum Bösen zieht ist wohl eine nicht zu beantwortende Frage.


Fazit:
In der Ignorierung einen historischen Krimi zu erzählen wird eine Metaebene geschaffen in der es um die Wirkung der Beschäftigung mit Serienmördern geht. Damit werden der Leser und seine Lesemotivation direkt angesprochen. Ein faszinierender Band.

Vasmers Bruder - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Vasmers Bruder

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 17,90

ISBN 10:
3551729697

ISBN 13:
978-3-551-72969-9

176 Seiten

Positiv aufgefallen
  • hervorragende graphische Umsetzung
  • Metaebene über die Beschäftigung mit dem Reiz des Bösen
  • spannender Kriminalfall
Negativ aufgefallen
  • manche Panel sind zu dunkel
  • kein klassischer Krimi
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Rezension vom: 05.04.2014
Kategorie: One Shots
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