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Comic-Besprechung - Segmente 1

Geschichten:
Segments: Lexipolis
Autor:
Richard Malka
Zeichner: Juan Giménez

Story:
Kriege, Konflikte und Unruhen gehören der Vergangenheit an. Um den Frieden im galaktischen Reich zu gewährleisten, traf die aus sieben unsterblichen Uralten bestehende Führungskaste eine drastische Entscheidung. Gemäß ihren Neigungen wurden die Menschen fortan auf sieben Sektoren verteilt, die ihren Anlagen am ehesten entsprachen. Ordnung, Krieg, Vergnügen, Handel, Spiritualität, Kreativität und Arbeit. Doch nicht nur stößt das in bereits in frühen Kindesjahren ausgeführte Auswahlverfahren auf immer stärkeren Widerstand in der Bevölkerung, sondern das gesamt Reich sieht sich seiner Auslöschung gegenüber. Die Menschen werden unfruchtbar. Kann hier Loth Lundgren der Schlüssel für die Rettung sein. Als Mensch eine Anomalie, dessen Neigungen sich keinem der Sektoren zuordnen lassen kann. Kann der Galaxis etwa nur von jemandem geholfen werden, der dem gesellschaftlichen System widerspricht?


Meinung:
Man freut sich immer wieder, wenn der Splitter-Verlag eine neue Science Fiction-Serie startet. Bereits Perlen wie Universal War One, Die Meta-Barone, Der Schimpansenkomplex oder Der Incal konnten dank des Verlages (wieder) in Deutschland heimisch werden. Aber auch, wenn der Verlag nach eigener Aussage immer ein kritisches Auge auf seine Lizensierungen wirft, ist nicht alles Gold was glänzt. Mit Segmente 1 von Malka und Giménez reiht sich jetzt ein weiterer Titel in das futuristische Portfolio, der gleich zu Anfang zumindest mit einem prominenten Namen glänzen kann.

Juan Giménez ist einer der Altmeister aus der argentinischen Zeichnerszene und durfte zusammen mit Alejandro Jodorowsky bereits an Die Meta-Barone zusammenarbeiten und veröffentlichte ebenfalls Die Vierte Macht. Ein Comic bei dem er sogar als Autor im Pilotensitz Platz nahm und der ebenfalls bei Splitter zu finden ist. Richard Malka ist in der Comic-Szene vermutlich nicht so bekannt, dafür hat er in seinem eigentlichen Beruf sehr bekannte Namen um sich. Malka ist Anwalt und hat unter anderem Dominique Strauss-Kahn und Carla Bruni-Sarkozy vertreten.

Etwas Staatsrechtliches haftet dem Comic auch an und stellt das Grundgerüst für die weiteren Ereignisse. Ein galaktisches Reich, welches die Segmentation betreibt, ein neues Prinzip einer sozialen Organisation. Danach ist die Galaxie in sieben Zonen unterteilt und jeder Mensch wird nach seiner (von der Staatsgewalt festgelegten) Neigung einer Zone verbindlich zugewiesen. Dies soll den Frieden fördern und Konflikte vermeiden. Unnötig zu sagen, dass die Hauptprotagonisten mit ihrer Zuweisung, die bereits in jungen Jahren stattfindet und quasi mit Volljährigkeit vollzogen wird, nicht zufrieden sind und versuchen dem natürlich nicht kompromissbereiten Staat zu entfliehen.

Angesichts des beruflichen Hintergrundes ist es eine verpasste Chance, dass sich Richard Malka nicht mehr und umfassender mit seiner Idee der Segregation auseinandergesetzt hat. Einen kleinen Einblick bekommt der Leser durch den jungen Loth Lungren, der ebenfalls durch das Auswahlverfahren für die Segregation muss und dabei - wie sollte es anders sein - Werte aufweist, die allen Grundsätzen widersprechen. Trotzdem bekommt er seinen Stempel verpasst und flugs springt die Erzählung 14 Jahre weiter. Eine Science Fiction-Geschichte lebt oftmals von einem interessanten Konzept, welches in Segmente 1 aber kaum weiter analysiert und ausgebaut wird. Wie lebt es sich in einer solch geteilten Gesellschaft, wie genau funktioniert die Segregation und welche Veränderungen muss ein Reich durchmachen, welches nach derart starren Prinzipien "funktioniert"? Vor allem, was bedeutet es für den Einzelnen?

Offensichtliche Fragen, die Malka leider nur umreißt, andeutet, ohne ihre tiefer gehende Bedeutung für das Gefühl des Lesers für diese Welt zu erkennen. Dadurch wirkt der Rahmen in dem wir die weiteren Abenteuer von Loth erleben, der später nach Neo Sparta versetzt werden soll und sich dem mehr durch Verschlafen, denn aktiven Widerstand, letztlich entzieht, nicht echt und damit im Endeffekt unglaubwürdig. Manchen Autoren gelingt diese Immersion des Lesers sehr schnell, Malka scheint dagegen wenig darum bemüht und zeigt von seiner Erzählung lediglich die Schaniere und kleinen Teilchen, statt ein Empfinden für das große Ganze zu entwickeln.

Derlei oberflächliche SciFi-Erzählungen kennt man zur Genüge, gerade auch aus der Zeit, als das Publikum mit diesen Stoffen noch nicht so vertraut war. Da konnte einen allein schon eine überraschende Prämisse (hier der Segregation) bei Laune halten. Inzwischen ist aber der Anspruch des Publikums gewachsen und es will nicht nur die Idee, sondern auch in diese fremde Welt schauen und sie verstehen. Hierbei hat Segmente 1 eine erhebliche Schwäche, denn es liest sich wie ein 20 Jahre alter Comic.

Dazu trägt leider auch bei, dass Juan Giménez schon länger im Geschäft ist. Zwar ein unbestrittener Altmeister, doch auch jemand, dessen Stil sich nicht sehr stark wandelt. Die Zeichnungen aus Segmente 1, so gut sie ihm wieder wie immer gelungen sind, hätten auch 1:1 in den Bänden von Die Meta-Barone auftauchen können, von denen der erste Band 1992 erschien. Inzwischen gehören Meister wie bspw. Moebius zum allgemeinen Kulturwissen, ihre Bilder sind stilprägend für ganze Genres auch über den Comic hinaus. Neue und frischere Zeichner liefern derweil weiter spannende SciFi-Geschichten ab und bringen eine zeitgemäßere Vision der Zukunft in die Comics. Ein notwendiger Impuls, denn nichts ist schneller veraltet als die gestrigen Vorstellungen von der Zukunft.

Giménez hat ein gutes Gespür für diesen Stoff, doch seine Ästhetik hängt der Zeit etwas hinterher, was man so einem Könner nicht wirklich vorwerfen kann oder mag. Aber wenn dann zusätzlich die Geschichte die Notwendigkeit eines komplexeren Weltenentwurfes nicht begreift, wirkt alles sehr schnell altbacken.

Ob Segmente den vorhandenen Staub abschütteln kann, werden erst die Folgebände sagen können. Das mehr auf dem Spiel steht, als das Leben der Protagonisten, die sich bald den Rebellen anschließen können, schafft einen größeren Rahmen und verknüpft das Schicksal der Flüchtenden mit dem der Galaxis. Ganz so gut scheint die Segregation nicht zu funktionieren, wenn die Untertanen in ihr von Jahr zu Jahr unfruchtbarer werden. Und so wie bereits bei der Foundation-Saga von Isaac Asimov, wo die Wissenschaftler die Zukunft empirisch vorhersagen können, weiß auch die Führungskaste in Segmente, wann Schluss ist. Gerade mal sieben Monate bleiben Loth und Konsorten, um das galaktische Reich vor dem Untergang zu bewahren. Vielleicht kann hier der Ursprung der uralten Führer die Lösung bringen, um den Untergang der Menschheit zu verhindern.


Fazit:
Eine interessante Idee für eine künftige Welt, die allein nicht ausreicht, um diese fremdartige Gesellschaft vor den Augen des Lesers erstehen zu lassen. Allein das Konzept genügt nicht (mehr), um eine spannende und erlebbare SciFi-Geschichte zu gestalten. So wirkt Segmente 1 wie ein Comic, der vielleicht vor 20 Jahren seinen Platz gefunden hätte, heute aber mit wesentlich ausgereifteren Erzählungen konkurrieren muss.


Segmente 1 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Segmente 1

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 14,80

ISBN 13:
978-3-86869-629-5

48 Seiten

Positiv aufgefallen
  • ausbaufähige Anfangsprämisse
  • klassische Zeichnungen von Ginménez
Negativ aufgefallen
  • Prämisse wird nicht gut ausgebaut
  • Zeichnungen hängen der Zeit hinterher
  • interessantere SciFi-Comics auf dem Markt
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Rezension vom: 02.11.2013
Kategorie: Alben
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