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Comic-Besprechung - Wie ein leeres Blatt

Geschichten:
Wie ein leeres Blatt
Autor: Boulet
Zeichner / Colorist: Penelope Bagieu


Story:
Eloise sitzt mitten in Paris auf einer Parkbank und kann sich an rein gar nichts erinnern. Sie weiß nicht mal mehr wer sie ist. Anhand des Inhalts ihrer Handtasche findet sie zu ihrer Wohnung zurück und macht sich in kommenden Wochen daran herauszufinden, wer sie eigentlich ist. Doch wo arbeitet sie, wer sind ihre Freunde und wo befindet sich ihre Familie?

Meinung:

Wie ein leeres Blatt behandelt ein bekanntes Thema. Zumindest gab es die Ausgangslage schon so oft in den populären Medien, dass man schon eine Erwartungshaltung bezüglich des Themas hat. Und es spricht schon für den Band, das es auch der Protagonistin selber so ergeht.

Sie sitzt nämlich auf einer Parkbank und kann sich an nichts erinnern. Alles was mit ihr selbst und mit ihrem Leben zu tun hat, hat sie vergessen. Da kommen ihr als erstes Erinnerungen an Filme die sie gesehen und Bücher, die sie gelesen hat. Ist sie eine Agentin im Sinne von Jason Bourne, ein Killer wie XIII, wurde sie von Außerirdischen entführt, angegriffen oder hat sie ein Trauma erlitten? Sie weiß es nicht. Sie bemüht sich auch weniger, herauszufinden warum und was mit ihr geschehen ist und warum sie folglich das Gedächtnis verloren hat. Es geht ihr darum herauszufinden, wer sie eigentlich ist.

Die graphische Umsetzung ist dabei äußerst gelungen und die Fantasien bzw. die Träume der Heldin werden nahtlos in das Geschehen eingebaut, so dass bei dem Leser eine hohe Spannung geschürt wird, obwohl hier kein Genreband vorliegt. Sie steht beispielsweise vor ihrer vermeintlichen Wohnungstür und malt sich aus, was sie wohl dahinter finden wird. In jedem Panel gibt es dann erst einmal ein anderes Szenario zu sehen und der Leser fühlt und bangt mit der Heldin. Generell ist der Band abseits aller Action und Krimielemente sehr spannend. Wie findet man sich ohne Gedächtnis zurecht? Wie kann man arbeiten, wenn man alles vergessen hat, was mit dem Job zu tun hat?

Aber diese Sichtweise, die Verlagerung des erzählerischen Schwerpunktes, schürt nicht nur die Spannung, sondern betrifft eben das eigentliche Thema. Der Gedächtnisverlust wird dazu genutzt, dass sich die Person selber von außen betrachtet. Alle Prägungen, Erinnerungen, Gefühle, Vorurteile sind weg. Sie sind vergessen. So bleibt Eloise, der Hauptfigur, nur übrig, sich anhand von Indizien ein Bild von derjenigen zu machen wer sie ist oder vielmehr war. Die Quest betrifft hier die Identität und die Suche nach sich selbst. Das betrifft glücklicherweise keinen esoterischen Sinnsuchefirlefanz, sondern vielmehr ein Resümee dessen, was man erreicht hat und wo die Schwerpunkte im Leben lagen. Hat man eigentlich gelebt?

Eloise wirft also einen Blick von außen auf sich selbst und entdeckt, was das Leben ausmacht und wie sie sich als Persönlichkeit gebildet hat. Das ist bisweilen sehr unangenehm und die Erkenntnisse sind schmerzhaft. Aber für den Leser ist das extrem spannend, bewegend, intelligent und allein schon wegen der sympathischen Figuren sehr witzig.

Dazu kommt noch die hervorragende graphische Umsetzung, wenn man etwa, wie schon erwähnt, die Fantasie nicht von der Erzählrealität unterscheiden kann und erst selber geschockt wird und sich zurechtfinden muss. Dann ergeht es einem wie der Heldin. Es passt, dass der Strich stellenweise sehr ausgespart und reduziert ist, da man sich dann auf das wesentlichste konzentriert. Ähnlich wie die Heldin muss man quasi als Leser alles herausfiltern, um zu dem Kern zu gelangen. Und die Zeichnungen machen es sehr gut, denn der Kern wird zumindest graphisch gefunden. Schließlich weiß der Band nicht nur zu unterhalten, sondern regt den Leser auch dazu an, selber über sein Leben nachzudenken und was es eigentlich ausmacht.

Warum der Band aber unbedingt das Etikett Graphic Novel für Frauen bekommen hat, ist schleierhaft, da das Thema jeden und jede angeht. Jedenfalls eine absolute Kaufempfehlung.



Fazit:
Scheint alles erst ein erneuter Genreband zu sein, überrascht er den Leser mit der unterschiedlichen Zielsetzung. Es geht um die Suche nach der eigenen Identität und was man aus dem Leben gemacht hat. Das ist spannend, witzig, intelligent und voller Charme, wenn sich die Heldin aus Indizien ihr eigenes Selbst zusammenbaut.



Wie ein leeres Blatt - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Wie ein leeres Blatt

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 17,90

ISBN 10:
3551751099

ISBN 13:
978-3-551-75109-6

208 Seiten

Positiv aufgefallen
  • thematische Verschiebung
  • Identitätssuche spannend und voller Charme
  • schöne Ideen
  • sympathische Figuren
  • graphische Umsetzung
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 18.04.2013
Kategorie: One Shots
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