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Comic-Besprechung - Paris

Geschichten:

Paris
Autor
: Maarten Vande Wiele, Erica Raven
Zeichner
: Maarten Vande Wiele, Peter Moerenhout



Story:
Hope ist ein hübsches junges Mädchen, welches schon als Kind mehrere Wettbewerbe gewinnt. So ist es kein Wunder, dass es ihr Traumziel ist, Model zu werden. Doch ein schwerer Autounfall entstellt ihr Gesicht. Dennoch reist sie Jahre später nach Paris, um in der Modewelt arbeiten zu können. Sie findet nicht nur ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft, sondern in ihren Mitbewohnerinnen auch zwei Freundinnen: Chaz, die eine Schickerialebefrau ist und Faith, die Sängerin werden möchte. Alle drei müssen auf ihrem Karriereweg aber so einiges durchmachen.

Meinung:

Der zweite Band in der neuen Special Edition for Ladies des Carlsen Verlages ist etwas überraschend, da er sich so gar nicht als das entpuppt, was man, mit Vorurteilen über die weibliche Leserschaft behaftet, erwartet hätte. Hier geht es nicht (nur) um einen Aschenputteltraum einer äußerlich entstellten aber körperlich attraktiven Frau, die in Paris ihren Weg geht und ihren Traum als Model verwirklicht. Das wäre zuckersüßes Klischee und ganz im Sinne der, Vorsicht wieder Klischee, Fangemeinde von Sex and the City. Beruflicher Erfolg, privates Glück und immer genügend Schuhe im Schrank? Hier nicht.

Ja, es geht um die Modewelt. Ja, es geht um den Traum junger Frauen und wie sie ihren Weg zu dessen Verwirklichung verfolgen. Ja, es geht um Liebe und Leidenschaft. Ja, es geht um Shopping und das materielle Glück und um den Mister Perfect. Aber es ist alles ein Märchen, was sonst so über die Themen bislang erzählt worden ist.

Die ganzen erwähnten Aspekte machen es nachvollziehbar, warum Paris in der neuen Edition erscheint, aber schon auf den ersten  flüchtigen Blick sieht man das andere. Zum einen ist der zeichnerische Stil sehr viel kantiger und eckiger als man erwartet hätte. Er ist alles andere als gefällig und hat schon einen recht expressiven  Charakter, was manche abschrecken dürfte, reiht sich aber ganz in die holländische Schule ein. So kann man leichte Einflüsse von Henk Kuijpers (Franka) bemerken. Aber nur ohne Farbe und sehr viel reduzierter im Strich. Zum anderen ist der Band nicht sehr gefällig, da einige sehr explizite Szenen vorkommen. Nicht nur erotisch, sondern direkt pornographisch. Und hiermit sei es manchen schon klar geworden: die Modewelt wird entzaubert. Nicht nur in dem Sinne von Filmen wie Der Teufel trägt Prada oder Pret a Porter, sondern hier geht man noch einen Schritt weiter. Es geht nicht nur um die karrieristischen Ellenbogen, sondern um Drogen, Sex, Vergewaltigung, Menschenhandel im modernen akzeptierten Sinne, Abtreibungen, Porno, Materialismus, etc. Es kommen sogar einige reale Personen des Modebusiness wie Donatella Versace und Lagerfeld vor. Alles in allem wird ein sehr düsteres Bild gezeichnet, was angesichts der gängigen Schilderungen und der allgegenwärtigen und alltäglichen Verpackung die einem tagtäglich in die Augen fällt, eine Satire ergibt. Ohne das man auch nur ein einziges Mal während des Lesens hätte lachen könnte. Zu dem satirischen Aspekt gehört, das auf jeder Seite angegeben wird, was die Figuren gerade für eine Marke tragen.

Das Make-Up welches hier in Paris aufgetragen wird, ist eine Mischung aus Satire, Sozialkritik, Drama, Erotik, Porno und Krimi. Der Aufstieg und der Fall der drei Mädchen wird schonungslos geschildert. Trotz aller Macken sind einem die Frauen sympathisch, eben weil sie die Macken haben und dadurch menschlich wirken. Die Namen sind dabei Programm: Hope ist die Heldin, die allein durch die Hoffnung alles auf sich nimmt und eine bessere Zukunft erträumt und ihren Idealen nachhängt. Faith will eine Sangeskarriere einschlagen und glaubt an sich und ihr Talent und das sie es allein damit schaffen wird. Chaz, die Kurzform von Chastity, ist die Verkörperung von Partymädchen wie Paris Hilton. Chastity bedeutet auf Deutsch bekanntlich Keuschheit und Reinheit, was ihrem Charakter so gar nicht entspricht. Sie war einmal ein unschuldiges Kind, wurde aber als solches schon benutzt. Wenn man aber Reinheit vorgaukelt kommt man weiter, auch wenn man komplett verdorben ist. Bezeichnenderweise ist die Figur am glücklichsten, wenn sie nichts mehr vorspielen muss, sondern so sein kann wie sie sein will.

Die Entwicklung der drei und ihre Erlebnisse sind sehr spannend und bewegend und können den Leser von Beginn an packen. Sie bewegen sich in einer völlig amoralischen Welt voller Gefahren, Lügen und Enttäuschungen und man wünscht den Heldinnen Fingernägel kauend den Erfolg. Und damit ist der Band ein wahrer Glücksgriff. Letztendlich ist Paris eine bittersüße Satire ohne jemals dabei lachen zu können, aber bei dem man viel mit den Figuren mitleidet. Und vor allem, und das ist noch das erstaunlichste: alles ist glaubhaft.



Fazit:
Ein schonungsloser, düsterer Blick auf die Modewelt mit sehr expliziten und heftigen Szenen. Sieht erst alles nach Klischee aus, wird alles gegen den Strich gebürstet und damit die Modewelt demontiert. Der Zeichenstil ist alles andere als gefällig, sondern sehr expressiv und für eine Satire fehlt zwar der Humor, aber die glaubwürdigen
Charaktere lassen den Leser / die Leserin mitleiden.

Paris - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Paris

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 19,90

ISBN 10:
355172895X

ISBN 13:
978-3551728951

216 Seiten

Positiv aufgefallen
  • schonungslose Demontage der Modewelt
  • trotz aller Macken sympathische Heldinnen
  • bewegend und schockierend
Negativ aufgefallen
  • gewöhnungsbedürftiger Strich
  • für eine Satire gibt es keine Lacher
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Rezension vom: 28.11.2012
Kategorie: One Shots
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