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Comic-Besprechung - Roxanne und George

Geschichten:

Roxanne und George
Autor
, Zeichner: Carolin Walch



Story:
Roxanne und George sind die Kinder zweier ehemaliger Hard-Rock-Stars. Während die Band ihrer beiden Väter schon lange nicht mehr existiert und die beiden Alt-Rocker Crash und Terry heftig zerstritten sind, wurden die beiden Sprößlinge zu Reality-TV-Stars. Da sie bei jeder Gelegenheit von Kameras begleitet werden, erkennen ihre Väter langsam, dass sie selber nicht allzu gut dabei weg kommen. So entschließen sie sich wieder zusammenzuraufen und ihre alte Band wieder zu beleben. Doch was sollen sie mit ihren Kindern machen? Und wie können sie dem Reality-TV entgehen?



Meinung:

Die deutsche Zeichnerin und Autorin Carolin Walch orientiert sich sehr an dem seit mehreren Jahren boomenden Reality-Wahn. Das nicht nur allgemein, sondern sie nutzt die MTV-Serie The Osbournes als Grundlage für ihren Band. Dabei werden nicht die alten Rocker beobachtet, sondern ihre Kinder. Parallelen zu Nicole Ritchie und Paris Hilton und alle anderen, die zunächst nur dafür bekannt waren, dass sie berühmte Väter haben, sind natürlich alles andere als zufällig.

Nun hat aber Caroline Walch ein kleines Problem: Wie kann sie diese Situationen und das Reality-TV persiflieren, wenn es schon längst zu einer Selbstparodie geworden ist (was die Macher offensichtlich noch nicht gemerkt haben)? Wenn man in all den Jahren Ozzy Osbourne beobachtet hat, so war das eine richtige Tragikomödie und die effektivste "No- Drug"-Kampagne die man machen konnte. Da wie gesagt die Satrie schon in dem Format enthalten ist, kann dieser Band in der Hinsicht nicht mithalten. So ist er als Satire, welche noch zusätzlich überspitzen muss, nicht bissig genug. Aber das war es im Grunde auch schon mit den negativen Nachrichten.

Das Leben der Reichen und Schönen ist nämlich sehr gut geschildert. Vor allem ist dieses geprägt von einer großen Leere. Die Väter müssen nicht mehr arbeiten, da sie genug Geld haben. Sie leben in den Tag hinein. Dass sie ihre Band wieder beleben wollen, liegt eher an der großen Langeweile und einem gehörigen Schuss Nostalgie, denn an einer Notwendigkeit.

Roxanne und George, die in ihrem gesamten bisherigen Leben nichts anderes geleistet haben, als berühmten Vätern zu entstammen, haben nichts als die Oberfläche, welche zudem noch von Kameras eingefangen wird. Bei ihnen ist der Schein alles, denn an Sein gibt es nicht viel. Und gerade das müssen sie im Laufe der Zeit feststellen. Es gibt nämlich mehr als Parties, Alkohol, Drogen, Sex und VIP-Verkäufe. Aber was? Und was sollen sie mit ihrem Leben anfangen, das im Grunde jetzt schon  völlig verko(r)kst ist. Mit dieser Oberflächlichkeit können sie immer weniger anfangen, kennen aber nichts anderes.

Mancher potentieller Leser mag sich zunächst über den stark reduzierten Strich wundern, der nur das allernotwendigste zeigt. Bei genauerer Betrachtung spiegelt das aber geschickt die Oberfläche der Charaktere wider. Die Figuren gehen selten in die Tiefe, warum also die Zeichnungen ausschmücken? Wenn die Hintergründe ausgespart sind und nur die allernotwendigste Dekoration eingefügt wird, so ist das gleichzeitig ein Sinnbild für die Leere. Die beiden zentralen Themen, Oberflächlichkeit und Leere, spiegeln sich also gekonnt in den Zeichnungen wider. In der gesellschaftlichen Aussage erinnert der Band bisweilen an die Romane von Dirk Wittenborn (Unter Wilden) und Bret Easton Ellis (American Psycho, Unter Null). Walch verzichtet aber auf bissige Überhöhungen und hat eher Mitleid mit den Figuren, anstatt sie zu verdammen wie es etwa Ellis bisweilen macht.

Während die Kinder Roxanne und George mit ihrer Selbstständigkeit nicht klar kommen und der Leere gewahr werden, weil alles wie im TV auf Oberflächen basiert, finden die Erwachsenen wieder zusammen. Und dieser letzte Aspekt weist Parallelen zur Wirklichkeit auf. Die Ähnlichkeit zu The Osbournes wird noch deutlicher, als Ozzy einen Gastauftritt hat. Generell sind die Altrocker die Stars des Bandes und man erkennt immer wieder Bezüge auf andere Bands die immer wieder mal Reunions machen und anscheinend noch im Rollstuhl rocken werden. Einer der schönsten, weil schrägsten, Charaktere ist übrigens Lemmy von Motörhead nachempfunden. Nicht nur optisch, sondern auch charakterlich ist der bärbeissige Brite als Modell genommen worden, auch wenn er hier anders heisst, Ed, und Schalgzeug spielt, anstatt Baß. Auch die Stammbar ist der realen von Lemmy ähnlich. So können aktuellste Themen mit Nostalgie vermischt werden.

Generell ist der Band schön angenehm zu lesen und auch gut gestaltet mit einigen sehr guten und gelungenen Szenen. Aber gegen Ende muss man sich doch fragen, ob nicht etwas mehr drin gewesen wäre.



Fazit:
Eine Satire auf eine realsatirische Fernsehsendung und eine ganzen Trend? Dafür ist der Band nicht bissig genug überhöht. Aber Walch schildert auf gute Art die Leere und Oberflächlichkeit der Reichen und Schönen und ist mit einigen Gastauftritten eine kleine Hommage an den Hard Rock. Man erkennt die Wirklichkeit immer wieder und entwickelt Mitleid mit den Figuren, die hier, im Gegensatz zu dem Reality-TV, nicht vorgeführt werden.

Roxanne und George - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Roxanne und George

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 17,00

ISBN 10:
3941099779

ISBN 13:
978-3941099777

136 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Gastauftritte
  • graphische Gestaltung
  • Kritik am Reality-Wahn
  • keine Vorführung der Figuren
Negativ aufgefallen
  • für eine Satire nicht bissig genug
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Rezension vom: 12.04.2012
Kategorie: One Shots
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