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Comic-Besprechung - Legenden der Gegenwart

Geschichten:
Legenden der Gegenwart
Die Kreuzfahrt der Vergessenen
Original: La croisiere des iublies, 1975
Das steinerne Schiff
Original: Le vaisseau de pierre, 1976
Die Stadt, die es nicht gab
Original: La ville qui n'existait pas, 1977
Autor: Pierre Christin
Zeichner, Farben: Enki Bilal

Story:
Der Band vereint drei Alben einer kleinen Reihe unter seinem Hardcover-Deckel, die zwar unabhängig scheinen, aber durch einen rätselhaften Fremden miteinander verbunden sind. Die Legenden der Gegenwart wirken zeitlos, auch wenn sie in den 1970ger Jahren angesiedelt sind.

Die Kreuzfahrt der Vergessenen beginnt in einem von der Welt vergessenen Dorf in der Wildnis, in dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Nur durch eine Brücke sind sie mit der Zivilisation begonnen. Eines Tages aber wird das geruhsame Leben der vorwiegend älteren Männer und Frauen auf den Kopf gestellt - denn ihre Häuser befinden sich nicht mehr am Boden. Stattdessen schweben sie schwerelos in der Luft.

Nach dem ersten Schock richtet man sich entsprechend ein und passt sich der neuen Situation an. Zwar fragen sich einige, ob die beiden Fremden, die plötzlich auftauchen, mit der Sache zu tun haben, die meisten Einheimischen aber gehen davon aus, dass irgendetwas im militärischen Schutzgebiet schuld am ihrer Lage ist, vor allem als der Zustand sich nicht aufhebt, sondern immer nur noch schlimmer wird und ihr Dorf in Richtung Meer driften lässt.

Das steinerne Schiff
spielt in einem beschaulichen kleinen bretonischen Dorf. Spekulanten überlegen bereits am Bau eines modernen Hotels und einer Wohnanlage, nachdem sie auch das letzte Land an sich gebracht haben. Doch um ihre Pläne in die Tat umzusetzen muss zunächst ein großer Teil der alten Bausubstanz abgetragen werden - vor allem die Ruinen einer mittelalterlichen Festung und die Steinkreise aus archaischer Zeit. Allerdings haben sie die Rechnung nicht ohne die Geister der Vergangenheit gemacht, die auch noch ein Wörtchen mitzureden haben.

Die Stadt, die es nicht gab ist das Projekt einer reichen Erbin, mit deren Gesundheit es nicht zum Besten steht. Nach dem Tod ihres Vaters beschließt sie den Bewohnern einer kleinen Arbeiterstadt im Norden Frankreichs, etwas von dem Reichtum, den ihre Familie durch deren Arbeit angehäuft hat, zurückzugeben.
Sie will eine Stadt errichten, in der es weder Arm noch Reich gibt und alle Menschen gleich sind. Gegen den Widerstand der Obrigkeit, lässt sie auf Privatland ihre Utopie errichten und lädt alle dazu ein, sich in dem Utopia anzusiedeln, in dem sie tun können was sie wollen und keine Angst mehr vor der Zukunft haben müssen.


Meinung:
Nicht nur der geheimnisvolle weißhaarige Fremde, der mal tatkräftig an der Sache mitarbeitet, mal auch nur Beobachter ist, verbindet die Geschichten, sie haben auch noch mehr gemeinsam. Alle nehmen sie mehr oder weniger Regierung und Wirtschaft auf die Schippe, die Mächtigen und Reichen, die das tun, was sie wollen, ohne Rücksicht auf die Wünsche und das Leben der einfachen Menschen. Die Geschichte spielen mit Merkwürdigkeiten, Mythen und Klischees eines Frankreich, dass in der Zeit der Entstehung gerade im Umbruch war.

Nur der kleine Mann kommt in den Geschichten gut weg, alle anderen werden auf die ein oder andere Weise korrumpiert oder hereingelegt. Rein körperlich ist die Verwandlung der an einem Geheimprojekt arbeitenden Soldaten und Wissenschaftler, die immer mehr zu Monstern mutieren, während sie verzweifelt versuchen, das geheim zu halten, was man ihnen entwendet hat. Denn das fliegende Dörfchen ist der offene Beweis für die Machenschaften der Regierung, die bereit dazu ist, auch über Leichen zu gehen.

Ähnlich sieht es mit dem Auszug der Geister und alten Seelen aus, die den Ort retten, der ihnen seit jeher etwas bedeutet hat. Zwar müssen die Heimat den Spekulanten entreißen, aber sie nehmen der Region auch ihre Seele. Und nicht zuletzt ist die Utopie der Konzernerbin gut gemeint, aber kann sie wirklich die Menschen zufrieden stellen? Ist ein Leben ohne Sorgen und Ängste, in dem man alles tun darf wirklich auf Dauer erstrebenswert?

Die Geschichten mögen vordergründig phantasievoll und magisch wie Märchen wirken, zwischen den Zeilen aber prangen sie Militarismus und Kapitalismus an, wehren sich gegen übergeordnete Autoritäten und zeigen, dennoch, das alles irgendwann einmal seinen Preis hat. Die Menschen stehen im Vordergrund der Geschichten - sie werden zwar alle ein wenig überzeichnet, sind aber markante Typen - allein der geheimnisvolle Fremde bleibt so schemenhaft wie am Anfang.
Man merkt den Geschichten die Handschrift ihrer Macher an. Hier lebt Pierre Christin die Ideen seiner politischen Einstellung aus und nimmt politische Entwicklungen der damaligen Zeit auf die Schippe, um die Menschen aufzurütteln und zum Nachdenken zu bewegen. Enki Bilal gibt den Figuren markante Gesichter und macht sie zu eigenwilligen Typen, stellt auch die Gegensätze zwischen dem Alten und den Neuen gekonnt dar. Die von ihm gewählten erdigen und dunklen Farben passen gut zum Inhalt und vertiefen die Atmosphäre noch.

Alles in allem sind die Geschichten so poetisch wie hintergründig, beziehen ihre Spannung aus dem, was hinter den offensichtlichen Bildern geschieht und nicht durch einfache Action.


Fazit:
Legenden der Gegenwart ist ein Stück Zeitgeschichte, dass sich vor allem älteren Lesern erschließt, die selbst noch ein wenig von der Einstellung jener Jahre mitbekommen haben. Aber auch wenn man mit den damaligen Verhältnissen nicht vertraut ist, kann man das ein oder andere Nachdenkenswerte aus den skurril-phantastischen Geschichten herauslesen, die leise und poetisch daher kommen und ihre Spannung vor allem aus den hintergründigen Aussagen zwischen den Zeilen beziehen.

Legenden der Gegenwart - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Legenden der Gegenwart

Autor der Besprechung:
Christel Scheja

Verlag:
Egmont Comic Collection

Preis:
€ 45,00

ISBN 13:
978-3770435401

174 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Hintergründige Geschichten
  • Zeichnungen mit skurrilem und poetischem Charme
  • Ein Stück Zeitgeschichte in magischen Bildern
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 04.04.2012
Kategorie: One Shots
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