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Comic-Besprechung - Northlanders 4: Die Pest

Geschichten:

Die Pest

Autor: Brian Wood
Zeichner: Leandro Fernandez
Colorist: Dave McCaig


Story:

Im Jahre 1020 bricht in einer kleinen Wikingersiedlung an der Wolga die Pest aus. Durch den harten, früh einbrechenden Winter ist die Siedlung komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Trauer, Hilflosigkeit und Verzweiflung macht sich breit. Der Zusammenhalt des Dorfes wird noch durch die Rivalität zweier unterschiedlicher Männer gefährdet: da ist zum einen der gelehrte Boris, ein Fremdling, Christ und allen neuen medizinischen Ideen aufgeschlossen und der Krieger Gunborg, der seine Chance gekommen sieht, die Macht an sich zu reißen. Beide verwickeln die Dorfbewohner in einen Kampf, den kaum einer gewinnen kann. Zwischen allen Fonten steht die jüngst zur Witwe gewordene Hilda mit ihrer achtjährigen Tochter. Für sie gibt es nur eins: überleben. Um jeden Preis.



Meinung:

Um eines gleich vorweg zu schicken: den vierten Band der Northlanders-Saga von Starautor Brian Wood (DMZ) kann  man auch gut lesen, ohne die vorherigen Bände zu kennen. Jede der Graphic Novels behandelt eigenständige Themen, deren einzige Gemeinsamkeit es ist, dass Wikinger die Hauptpersonen sind. Und die Serie besticht vor allem dadurch, dass die Wikinger ohne die gängigen Klischees geschildert werden.

So ist in Die Pest schon die Wahl des Handlungsortes außergewöhnlich, denn schließlich wissen relativ wenige, dass die Wikinger auch im heutigen Russland ihre Siedlungen hatten. Auch geht es nicht um Raubzüge und Actionszenarien, sondern viel eher darum, wie man mit einer unfassbaren Bedrohung im wahrsten Sinne des Wortes umgeht. Schließlich kann man eine Krankheit nicht mit Schwertern besiegen. Und Wood nutzt die Möglichkeit, eines seiner begehrten Themen, nämlich Macht und ihre Strukturen, zu sezieren, wie er es auch schon in DMZ beizeiten macht.

Im Grunde kann die Kritik kurz ausfallen und in einem Wort zusammengefasst werden: Wow! Wer diesen Band nicht liest, ist selber schuld und gehört eingefroren. Zwar ist der Band grausam und schockierend und dürfte Zartbesaiteten am Nervenkostüm flicken, aber es wird keiner den Band vergessen können, der ihn einmal gelesen hat.

Es ist meisterhaft, wie trotz des größten Elends gezeigt wird, wie das Machtstreben anhält und Egoismen und Gier trotz einer Katastrophe alles nur noch schlimmer machen. Ähnlich hat das nur George A. Romero in seinen Zombiefilmen deutlicher gemacht. Selbst die kleinsten Zeichen von Anteilnahme und Mitmenschlichkeit vermögen hier weder den Horror aufzuwiegen noch den Verdacht der damit eventuell angestrebten Vorteilsnahme zu beseitigen. Zu der Furcht kommt das Mißtrauen, welches sich zu einer wahren Paranoia entwickelt. Und Angst gebiert Gewalt. Das Elend macht hier die Menschen zu rasenden Bestien. Und als ob die
Pest und Feinde vor den Toren nicht genügen würden, fallen die mühsam Überlebenden über sich her. Das ist alles sehr eindrucksvoll und vor allem glaubwürdig geschildert. Manche Charakterisierungen bleiben zwar etwas schematisch bis konturlos, aber die Konzentration auf den Charakter der weiblichen Heldin ermöglicht es Wood die schwache gesellschaftliche Stellung einer Witwe bei den Wikingern herauszustellen. Die gleich mehrfache Hilflosigkeit von Hilda lässt den Leser mit der Heldin mitfiebern und um die Figuren bangen.

Passend zu dem Setting des russischen Winters sind die Zeichnungen von Leandro Fernandez in blau-weiß-graue Töne getaucht. Die Farben von Dave McCaig verdeutlichen auf kongeniale Art und Weise die klirrende Kälte. Auch die spärlich flackernden Feuer verströmen in den Farben keine Wärme und es ist fast so, als ob den Leser ein ständiges Frösteln überkommt. Fernandez arbeitet mit vielen Perspektivwechseln und schafft dadurch eine große Dynamik. Nähe und Distanz wechseln sich sehr häufig ab und lassen den zuschauer nur manchmal zu Atem kommen. Wenn es dann doch einmal sehr arg geworden ist, wird eine Totale
eingeschoben, die nicht nur einen kurzen Überblick erlaubt, sondern auch dem Luft schöpfen hilft. Dann wird der Leser wieder direkt in das Geschehen hineingeworfen. Indem die Gewaltszenen bei der Action sehr nah in das Geschehen gehen, wird der Leser richtig involviert und von dem Geschehen und den Bildern stark beeindruckt.



Fazit:

Harter Stoff, aber den Band wird wohl niemand vergessen, der ihn mal gelesen hat. Zugreifen! In einer packenden, beeindruckenden, brutalen und bewegenden Story, die kongenial in Zeichnung und Farbe übersetzt wurde, gelingt es Machtstrukturen und -bestreben trotz des größten Elends während einer Seuche im Winter herauszuarbeiten.



Northlanders 4: Die Pest - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Northlanders 4: Die Pest

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 19,95

ISBN 10:
3862011682

ISBN 13:
978-3862011681

192 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Story
  • dynamische Zeichnungen
  • kalte Farben
  • Sezierung von Machtstreben
  • viele Perspektivwechsel
Negativ aufgefallen
  • mache Charaktere bleiben etwas konturlos
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 06.05.2011
Kategorie: Northlanders
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