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Comic-Besprechung - Traum von Jerusalem

Geschichten:

Le Reve de Jérusalem Tome 1 - 4

Autoren und Zeichner: Lionel Marty & Philippe Thirault



Story:

Es ist die Zeit des Ersten Kreuzzuges der Christenheit zur Befreiung der Heiligen Stadt Jerusalem. Unter Führung von Karlis Oresund begeben sich die Heerscharen auf einen Weg, der von blutigen Schlachten und grausamen Gemetzeln geprägt ist. Ihnen zur Seite stehen göttliche Kräfte, denn sie werden von Hermance Languedolce begleitet, einem jungen Mann, der Wunder vollbringen kann. Doch seine Kräfte brauchen Führung und Karlis weiß genau gegen wen er die zerstörerische Gabe Hermances wenden soll. Erst als die Prinzessin Isvana Kalia zu den christlichen Horden stößt, entspinnt sich ein unseliger Liebesreigen zwischen den dreien, welches schließlich die ganze heilige Mission gefährdet.




Meinung:
Wenn man das bestimmende Element der Handlung des fast 200 Seiten starken Traum von Jerusalem in ein Wort fassen müsste, wäre keines passender als Wahnsinn in seinen vielen Ausprägungen. Anders als man zunächst erwarten könnte, ist der Comic kein Historienepos oder Geschichte in graphische Form gegossen. Der Einstieg ließe das zunächst beinahe zu. Es ist das Jahr 1076. In der schneebedeckten Auvergne wird man Zeuge der Wundertaten des sechs Jahre alten Hermance Languedolce. Mit Handauflegen heilt er Wunden und ist bald über die Grenzen seiner Heimstatt für seine Kräfte bekannt. Man ahnt das Unglück bereits heraufziehen und denkt vielleicht an das Schicksal, welches die Kirche Glaubensabweichlern, Sektierern, falschen Propheten oder Erlösern in dieser Zeit angedeihen ließen. Noch 500 Jahre später wurden beispielsweise die Anführer der Wiedertäufer, die das Täuferreich von Münster (von ihnen übrigens in Neues Jerusalem umbenannt) errichteten, grausam hingerichtet.

Hermance selbst ist bei den folgenden, verheerenden Ereignissen am Unschuldigsten, da er bald vom Geliebten seiner Mutter, die ihm sonst Richtschnur und Antrieb seiner Taten war, benutzt wird. Dessen Vision ist es, dass die Armen auf Erden herrschen und dieses Ziel will er mit aller nötigen Gewalt durchsetzen, indem seine Anhänger Aufstände gegen ihre Herren und die Geistlichkeit anzetteln. Man fühlt sich an die Dolcinianer erinnert (Der Name der Rose lässt grüßen) und ebenso wie bei diesen nimmt die Sache keine gute Wendung. Zwar können sie dank der Kräfte des Jungen selbst einem Ritterheer widerstehen. Doch als die Mutter des Jungen stirbt, verschwinden auch Hermance Kräfte. Denn sie war es immer gewesen, die seine Gabe in die richtige Richtung lenkte. Ohne diese Führung kann der Junge seine Fähigkeiten nicht mehr einsetzen. Das ist das Ende der aufrührerischen Bewegung, deren Beteiligte bald alle gefoltert und gehängt werden. Für Hermance Languedolce sieht die Kirche aber eine besondere Bestrafung vor. An Händen, Kopf und Füßen wird ihm eine Rüstung angelegt und diese Stellen dann über Flammen gehalten. Als die Schienen an seinen Füßen bereits rot glühen und sein Fleisch anfängt zu schmoren, vollbringt er plötzlich sein erstes eigenes Wunder und kann entkommen. Von da an trägt er das Zeichen seiner Bestrafung, die Brandmale an seinen Beinen. Teufelsfüße!

Soweit ist dieser Handlungsabschnitt seinem zu erwartenden Ende entgegen gegangen. Aber dies war erst der Anfang und es beginnt jetzt die eigentliche Geschichte, die die Protagonisten mitten in die Ereignisse des Ersten Kreuzzuges treiben wird. Wobei eine historisch exakte Wiedergabe überhaupt nicht im Vordergrund steht, sondern die Handlung zwar vor dem Hintergrund des Kreuzzuges spielt, sich aber mehr den Themen Gier, Eifersucht, Neid, Fanatismus, Liebe annähert. Die beschriebenen Emotionen schwanken dabei manchmal an genau der Schwelle, wo der Mensch das Menschliche verliert, weshalb der Comic auch äußerst gewalttätig daherkommt.

Bald findet sich nämlich ein brisantes Trio ein, welches das Geschehen in Traum von Jerusalem vorantreibt, während um sie herum die Welt zu einem wahren Schlachtfest wird. Neben Hermance wäre da einmal der lettische Krieger Karlis Oresund, genannt „Schwarzer Live“, der nach einem Leben voller Mord und Raub den Weg zum Glauben gefunden hat. Und später Prinzessin Isvana Kalia, Anführerin einer legendären Söldnertruppe, den Tafuren, die im Ruf stehen gnadenlos und unbesiegbar zu sein. Zunächst finden diese drei mit der Zeit und durch Zufall zueinander, bis sich dann eine unselige Dreiecksbeziehung entwickelt, die sie alle in den Abgrund trudeln lässt.

Zuerst begegnen sich allerdings Hermance und Karlis. Dank einer göttlichen Segnung, die den lettischen Krieger auf seiner Reise antreibt und schließlich auf den Weg nach Jerusalem bringt, erkennt er die hinter dem inzwischen erwachsenen Languedolce schlummernden Fähigkeiten und nimmt bald die Rolle ein, die zuvor die Mutter ausfüllte. Die einstmals schlummernden Kräfte von Hermance haben wieder eine Führung und im Namen Jesus Christus und seines Vaters, Gott dem Allmächtigen, will Karlis sie zur Rückeroberung des Heiligen Landes nutzen. Mittels dieser Gabe bekommt der Comic eine deutliche fantastische Prägung, die ihn weit von einer geschichtlichen Darstellung davonträgt. Denn jetzt sind es nicht mehr bloß einfache Heilungen, die er vollbringt, sondern er vermag selbst flammende Erzengel herbeizurufen, die seine Feinde niedermetzeln.

Derart mit übernatürlichen Waffen gesegnet, dringt das Kreuzfahrerheer unter dem Banner Bohemunts von Tarent und der Führung von Karlis Oresund immer weiter in Richtung Heilige Stadt vor und hinterlässt auf seinem Weg eine blutige Spur. Nächstenliebe sucht man auf ihrer heiligen und ehrenhaften Mission vergeblich. Einen Gutteil von Traum von Jerusalem machen blutige Schlachten aus. Ganze Regionen geraten unter den roten Mantel von Mord und Gemetzel, Städte werden belagert und geschleift, Ungläubige vom Boden dieser Erde getilgt. Und all das ebenso opulent und bildgewaltig, wie bereits viele Stadtansichten und Landschaftsdarstellungen. Die Zeichnungen sind mehr als überzeugend und haben genau den richtigen Charme von teilweiser Unfertigkeit auf der einen Seite, der sie schmutzig und grob im Sinne der Handlung wirken lässt und enormer Detailtiefe, die sie nahezu plastisch wirken lassen (gerade bei den großartigen Totalen). Nur gelegentlich sind einzelne Gesichter, Haltungen oder Panels nicht so gut ausgeführt und das Grobe wirkt weniger gekonnt, sondern einfach nicht bis zum Ende ausgearbeitet. Insgesamt findet sich dieser Eindruck aber eher sehr, sehr selten bestätigt.

So unbestritten ausgezeichnet die Zeichnungen sind, fällt es außerordentlich schwierig sich über einige Aspekte der Handlung eine Meinung zu bilden. Traum von Jerusalem konzentriert sich sehr stark darauf die Schlächtereien der Christen auf ihrem Kreuzzug darzustellen und zu veranschaulichen zu welchen Taten sie im Namen des Glaubens fähig sind. Auf der anderen Seite sind ihre Gegner oftmals mit deutlich negativen Zügen belegt, die gerade bei den Osmanen (beziehungsweise allgemeiner: Moslems) manchmal ins Monströse übergehen. Diese Einseitigkeit wird noch dadurch bestärkt, dass nur dem Kreuzfahrerheer göttliche Wunder zuteil werden, obwohl die andere Seite (fast) denselben Gott anbetet. Ohne jetzt eine Diskussion über die Unterschiede des Islam und des Christentums loszutreten, sind die Wurzeln unbestritten dieselben und der Gott von dem Mohammed spricht, ist letztlich auch dem Christentum bekannt (und davor wiederum dem Judentum). Gerade weil also die beiden gegeneinander agierenden Religionen in dem Comic zu einer Art Familie gehören, stößt die einseitige Bevorzugung des Christentums sauer auf. Wie gesagt, die Kreuzfahrer kriegen allein schon durch ihre Taten ihr Fett weg, aber dennoch fällt die Diskriminierung der Moslems immer wieder auf.

Was man davon also halten soll, bleibt jedem selbst überlassen. Manche Kleingeister werden diese Art der Darstellung gut finden, andere werden den Machern vielleicht ein wenig Nachlässigkeit, unbewusste Bevorzugung oder bewusste Außerachtlassung attestieren und es dabei belassen. Selbst wenn man dem folgt, sollte ein ungutes Gefühl in der Magengrube bleiben, da es den Autoren hier nicht gelungen ist für den Leser deutlich zu machen, was auf der einen Seite erfundene Handlung ist und auf der anderen vielleicht tatsächliche Rückschlüsse auf ihre eigenen Meinungen zulässt. So bleibt der Zweifel, ob nicht doch Absicht dahinter steckte.

Dieses außen vor lassend, bekommt man bei Traum von Jerusalem einen guten Comic, der sich perfekt für das All in One-Format bei Ehapa eignet. Die Handlung wird weniger von ihrer Erzählung, als von der Darstellung blutiger Schlachten getragen, aber das sollte einen Freund von actionorientierten Comics, die dazu eine Prise Fantasy unter ihrem Cover verbergen, nicht abschrecken.



Fazit:

Traum von Jerusalem bietet ein historisches Setting, durchsetzt mit reichlich fantastischen Elementen. Der Hauptaugenmerk des Comics liegt vor allem auf den großartigen Darstellungen der brutalen Schlachten und den wunderschön eingefangenen Landschaften auf dem Weg nach Jerusalem. Lediglich einige etwas diskriminiernd wirkende Aspekte trüben den ansonsten wirklich guten Gesamteindruck. Ein würdiges All in One, wie es im Buche steht.





Traum von Jerusalem - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Traum von Jerusalem

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Egmont Comic Collection

Preis:
€ 39,95

ISBN 13:
978-3-7704-3410-7

192 Seiten

Positiv aufgefallen
  • hervorragende Zeichnungen
  • blutiger Schlachtenepos
  • perfekte Serie für All in One
Negativ aufgefallen
  • diskriminierende Darstellung der Osmanen
  • einige wenige Bilder entsprechen nicht dem gesetzten Standard
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
Bewertung
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Rezension vom: 10.04.2011
Kategorie: One Shots
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