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Comic-Besprechung - Marvel Exklusiv 90: X-Men Origins 2

Geschichten:

Der Frostige Anfang
Autor: Roberto Aguirre-Sacasa; Zeichner: Phil Noto

Offenen Auges
Autor: Stuart Moore; Zeichner: Jesse Delperdang; Tuscher: Jesse Delperdang; Farben: Matt Hollingsworth

Herkunft
Autor: Adam Freeman, Marc Bernadin; Zeichner: Cary Nord, James Harren; Farben: Chris Sotomayor

Wille und Liebe
Autor: Valeri D’Orazio; Zeichner: Karl Moline; Tuscher: Rick Magyar; Farben: Mary Hollowell

Der Große Kinofilm
Autor: Duane Swierczynski; Zeichner: Leandro Fernandez; Farben: Steve Buccellato




Story:

Fünf neue Origins kann man vom neuen Band der Marvel Exklusiv-Reihe erwarten. Iceman muss sich mit ein paar Schulschlägern herumärgern und gerät durch die Benutzung seiner Kräfte ins Visier der Obrigkeit. Da treten Cyclops und Charles Xavier in sein Leben und bieten ihm an ein X-Man zu werden.

Cyclops soll zum ersten Mal die X-Men anführen und durchlebt noch einmal die wichtigsten Momente seiner Vergangenheit. Der Tod seiner Eltern, die erste Begegnung mit Xavier und der allererste Einsatz gegen Magneto. Jedes Mal musste er sich erneut beweisen und Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für andere übernehmen.

Nightcrawler kennt solche triumphalen Momente noch nicht, während er als Mitglied eines Wanderzirkus durch Deutschland ziehen und die meiste Zeit in seinem Käfig verbringen muss. Er entkommt und wird gejagt. Dank seiner neu entdeckten Fähigkeiten kann er dem Tod noch einmal von der Schippe springen und findet bei einem Pfarrer Unterschlupf. Aber seine Verfolger geben nicht so einfach auf und werden sich von geweihter Erde nicht in ihre Schranken weisen lassen.
Emma Frost musste als Kind viel erdulden und sowohl die eigenen Anforderungen, als auch die ihres Vaters erfüllen. Aber für jeden Menschen mag der Tag des Ausbruchs kommen. Auch für Emma.

Drei Regisseure wollen Wade Wilsons alias Deadpools Lebensgeschichte verfilmen. Aber Deadpool hat so seine eigenen Vorstellungen von der Kinotauglichkeit seiner Origin. Da fangen sich die übereifrigen Regisseure nicht nur Wilsons Kommentare ein, sondern auch ein paar Kugeln. Dabei versteckt Deadpool hinter seiner schwarz-roten Maske und seinem ewigen Klaumauk einen Menschen, der einst vom Vater verlassen wurde und diesen Verlust nie überwinden konnte.



Meinung:

Was für ein Hammer-Cover von Adi Granov. Der Zeichner beeindruckte ja bereits mit seinen Iron Man-Designs, die ebenfalls erster Güte waren. Aber bei seinem Cyclops-Cover stimmt einfach alles, die Komposition, die Farben, die Dramaturgie. Allein schon dafür müsste man eine Kaufempfehlung aussprechen.

Doch allzu vorschnell sollte man nicht zur Kasse rennen. Ab und an mag man nämlich einen Blender in der Hand haben. Außen hui und innen pfui. Wer ist nicht schon einmal auf so eine Mogelpackung hereingefallen (und warum gab es wohl eine Zeit lang immer diese schicken Variant-Cover)? Marvel Exklusiv 90: X-Men Origins 2 knüpft da an, wo die Nummer 83 begonnen hatte. Eine bunte Sammlung von Origin-Geschichten, wobei man Deadpool vielleicht nicht unbedingt bei den X-Men verortet hätte. Iceman, Cyclops, Nightcrawler und Emma Frost sind die weiteren Gesellen des Albums, die in wechselnder Qualität dem Leser vorgestellt werden.

Den Auftakt macht die Geschichte um Iceman, deren Handlung sich allerdings nicht groß von üblichen College-Klischees entfernt, die man zumeist aus Filmen kennt. Die Mutantenproblematik kommt selbstverständlich auch noch hinzu, aber hat man alles irgendwo schon einmal gesehen. Schulschläger, erste Liebe, das eigene Anderssein und die Ängste einer Kleinstadt vor Mutanten, die Geschichte kann man sich dann allein anhand der Begriffe zusammenreimen. Am Zeichentisch für diese erste Episode saß Phil Noto, dessen Beliebtheit sich nicht jedem sofort erschließen mag, zumindest nicht bei Icemans Origin. Die 60er Jahre (oder was man sich darunter vorstellt) hat er gut eingefangen und die Bilder verströmen einen gewissen Retro-Charme. Aber zum einen sind seine Zeichnungen teils lieblos, zum anderen mag sein aseptischer Stil nicht überzeugen. Die Linien sind zu sauber, zu gerade und könnten auch Entwurfskizzen eines Architekten sein; und wer schaut sich die schon gerne an. Farben wurden zu flächig aufgetragen und bei manchen Szenen in denen Bobby seine Kräfte gebraucht, denkt man nicht über das Geschehen nach, sondern darüber, welchen Photoshop-Pinsel Phil Noto eigentlich gerade benutzt hat. Die Panels sind kaum mit Leben gefüllt und bei den Action-Szenen fehlen die Bewegung und die Dynamik. Man kann es nicht anders sagen, die Bilder sind wie eingefroren. Passt zur Hauptfigur, dem Lesevergnügen will es gar nicht passen.

Die nächste Episode um Cyclops (ein guter Anlass, um noch einmal auf das fantastische Cover hinzuweisen) verströmt sogar noch mehr Nostalgie, als es die Geschichte um Iceman allein durch ein paar Designs vermochte. Professor X muss für eine Zeit die X-Men verlassen und Cyclops soll das Team anführen. Anlass genug für Scott Summers, um seine Gedanken ein wenig in die Vergangenheit schweifen zu lassen. Da geht es einmal zurück zum Zeitpunkt, als seine Eltern starben und er für seinen Bruder Alex die Verantwortung übernehmen musste. Dann seine erste Begegnung mit Xavier und die permanente Manifestation seiner Fähigkeiten und natürlich das allererste Abenteuer mit den X-Men gegen Magneto. Und hier kommt dann auch die große Verbeugung vor der Ausgabe, die für die Mutanten alles in Gang setzte: X-Men # 1 aus dem Jahre 1963. Zeichner Jesse Delperdang hat sich gerade bei der letzten Rückblende nahezu perfekt an das Original gehalten. Die Kostüme stimmen, die Figuren (Iceman ist wieder der unförmige Schneemann aus Anfangstagen, Beast noch sein menschliches Selbst), die Posen und die Darstellung der Kräfte. Viel Handlung wird einem aber nicht geboten und einige logische Holper muss man auch in Kauf nehmen. Scotts Erinnerungen führen ihn zu Momenten, wo er Verantwortung übernehmen musste und er Gefahr lief vom Wege abzukommen. Aus mehr besteht die Geschichte letztlich nicht.

Bei Nightcrawler kann man sich als deutscher Leser amüsieren, wie sich amerikanische Zeichner Deutschland vorstellen. Entspricht wohl eher dem, wie sich Deutsche Osteuropa vorstellen. Und wer weiß, wo sich dann dieses ganze Vorurteilskarussell schließt. Das Zeichnergespann kreiert eine stimmungsvolle Atmosphäre und schafft es sogar, trotz des Wechsels ab zwei Drittel der Handlung, einen nahezu einheitlichen Stil beizubehalten. Auch hier ist die Geschichte nicht umwerfend und den Großteil des guten Eindrucks verdankt sie Cary Nord und James Harren. Die Tusche einfach wegzulassen und gleich auf den Bleistiftzeichnungen zu kolorieren gibt nun einmal einen schönen Effekt. Das Finale ist dramatisch und der Endkampf dank Nightcrawlers Teleportationsfähigkeiten dynamisch umgesetzt. Ein paar andere Ereignisse muss man aber einfach abnicken, so wie Kurts Flucht vor den Zirkusbesitzern, die ihm gerade ein Gewehr ins Gesicht halten und abdrücken wollen. Zum ersten Mal nutzt er seine Teleportation und entkommt, jedoch nur um ein paar Meter neben seinen Verfolgern und auch noch in direkter Sichtlinie wieder zu materialisieren. Klar, dass dann die angefixten, unmenschlichen und nach Blut lüsternen Schurken die Verfolgung nicht mehr fortsetzen. Die paar Schritte lohnen da nicht mehr.

Die denkbar schlechteste Origin-Story der gesamten Sammlung bietet dann Emma Frost. Es wird die alte Mär vom Mädchen herausgekramt, das nie den Anforderungen des strengen Vaters gerecht wird, sich gegen ihn auflehnen will und am Ende genau so wird, wie der von ihr so vermeintlich Verhasste. Und in der Schule wird das arme Mädchen auch noch gehänselt. Psychologie auf Grundschulniveau. Die Handlung springt unmotiviert durch die Jahre und weiß eigentlich mit sich selbst nichts so recht anzufangen. Der Hellfire Club wirkt wie ein SadoMaso-Schuppen für Arme und Emma Frost turnt es anscheinend richtig an ihren Kopf auf einen Tisch gebrettert zu bekommen. Der Blick wandert kurz verdutzt zum Namen des Autors. Aha, Valerie D’Orazio, eine Frau. Na, dann wird das mit dem Frauen schlagen wohl so in Ordnung gehen müssen. Seltsame Origin, schnell weiterblättern.

Was bis hierhin gehörig auffällt ist Xaviers recht laxer und etwas fragwürdiger Umgang mit seinen Fähigkeiten. Ohne mit der Wimper zu zucken bietet er an jemandes Erinnerung zu löschen, manipuliert Erinnerungen an bestimmte Vorfälle oder krempelt gleich ganze Persönlichkeiten um. Folgt der Mann keinen ethischen Grundsätzen? War er nicht immer Anwalt für die Rechte der Mutanten und vertrat stets die These, dass diese keine Gefahr für die Menschen darstellten? Und hat er sich nicht immer gegen jene Mutanten gestellt, die ihre Kräfte missbrauchen? Vielleicht sollte er sich mal mit Spider-Man unterhalten, denn der weiß längst, mit großer Macht kommt große Verantwortung.

Man rechnet nach Emma Frosts Stelldichein schon mit nichts mehr Großem, aber dann stellt sich die Deadpool-Geschichte als der heimliche Sleeper-Hit des ganzen Albums heraus. Ausgerechnet der Merc-with-a-Mouth liefert die originellste, tiefschürfendste und trotz allen Humors ernsthafteste Geschichte des ganzen Albums ab. Der Aufbau ist eher unkonventionell und bietet mal ein etwas frischeres Geschmäckle als den sonstigen Origin-Einheitsbrei nach Schema F. Deadpools Origin kommt natürlich nicht ohne Rückblenden aus, aber manchmal ist es eben nicht der Inhalt, sondern das Gewand welches dieser trägt, was den entscheidenden Unterschied ausmacht. Trotz all des Klamauks wird einem eine grundsolide Charakterstudie geboten, die tief blicken lässt und gut zu unterhalten weiß. Marginale Ungereimtheiten, wie das etwas rustikale Austesten von Deadpools Fähigkeiten, nachdem er sich am Weapon-X Projekt beteiligte, sind nicht staatstragend und können den Unterhaltungswert ohnehin nicht ausbremsen. Bei den ersten Seiten vermeint man, der Zeichner Leo Fernandez probiert sich hier an einer Kopie der Eduardo Risso-Ästhetik aus 100 Bullets, was bestimmt kein schlechtes Vorbild aber ein zu großer Fisch zum Schlucken sein könnte. Fernandez schlägt sich aber wacker und setzt sowohl die albernen, wie auch die emotionaleren Momente gekonnt in Szene. Wären nur die anderen Origins genauso geworden, wie die Deadpool-Episode.

Sinn oder Unsinn mancher Origin-Stories mag man lieber nicht hinterfragen. Problematisch wird es meist nur, wenn sie anfangen die Charaktere zu verzerren oder ihre Geschichte zu verbiegen. Mal mehr, mal weniger kann man das auch für die versammelten Origins in Marvel Exklusiv 90 sagen. Da muss jeder für sich entscheiden, ob er das in Kauf nimmt oder die Herkunft der Protagonisten so annimmt, wie sie sich im Laufe der Jahre entwickelt und geformt hat.
Allein Deadpool wäre ein Kaufargument für den Band. Doch man sollte sich überlegen, ob man die 16,95 € dafür ausgibt, um letztlich eine richtig gute, zwei durchschnittliche und zwei magere Geschichten in Händen zu halten. Hatte ich übrigens das Cover erwähnt?



Fazit:

Durchschnittliche Sammlung von Origin-Geschichten, die mit Abstrichen größtenteils zu unterhalten wissen. Das ausgerechnet Deadpool den Gesamteindruck kräftig nach oben verschiebt, überrascht dann aber doch. Wenn die neue Deadpool-Serie dieselbe Qualität erreicht, sollte man sie sich in keinem Fall entgehen lassen. Dagegen sollte man Marvel Exklusiv 90 vor dem Kauf sicherheitshalber erst einmal durchblättern.




Marvel Exklusiv 90: X-Men Origins 2 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Marvel Exklusiv 90: X-Men Origins 2

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Marvel Deutschland

Preis:
€ 16,95

ISBN 10:
4-195163-116951-90

172 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Deadpool-Origin überraschender Sleeper-Hit
  • Zeichnungen von Jesse Delperdang, Cary Nord und James Harran
  • Geschichten abwechslungsreich
  • Leo Fernandez versucht sich an Eduardo Risso
Negativ aufgefallen
  • Origin von Emma Frost liegt wie ein Stein im Magen
  • Geschichten leider auch qualitativ abwechslungsreich
  • Phil Notos Zeichnungen zum Gähnen
  • die Unlogik greift ab und an in die Speichen
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Rezension vom: 03.03.2011
Kategorie: Marvel Exklusiv
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