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Comic-Besprechung - Little Sammy Sneeze

Geschichten:

Originalausgabe

Autor/Zeichner: Winsor McCay

Bonus-Beitrag:

Artikel:  „Er kann es einfach nicht stoppen: Windsor McCay und die meisterhafte Mechanik seines Comic-Strips LITTLE SAMMY SNEEZE“ von Alexander Braun



Story:

Der kleine Junge Sammy mit dem verdrießlichen Gesichtsausdruck spricht nicht viel. Wenn sich sein Mund bewegt, dann öffnet er ihn vornehmlich kurz vor dem Niesen. Und das tut er mit programmierter Regelmäßigkeit. Denn egal wo Sammy ist, er kann es nicht zurückhalten. Das alleine wäre nicht so schlimm, doch sein Niesen gleicht einer explosionsartigen Entladung.

Er niest ins Mehl, wenn gerade Brot gebacken wird oder in den Schornstein, wenn unten jemand vorm Kamin sitzt. Meist sind seine Mitmenschen die Opfer seiner nasalen Eruptionen. Manchmal tut er auch unfreiwillig Gutes, wenn er zum Beispiel einen Einbrecher in die Flucht schlägt.



Meinung:

Der vom Erfolg verwöhnte Bonner Bocola Verlag will es wissen. Die mustergültige Gesamtausgabe von Hal Fosters Prinz Eisenherz verkauft sich blendend, obwohl die Comics in Deutschland schon in mannigfaltigen Varianten mehrfach publiziert wurden. Da verwundert es nicht, wenn 2010 mit einer eigenen Reihe John Cullen Murphys Version der Saga vom edlen Ritter der Tafelrunde und seinem singenden Schwert eine Würdigung erfährt, begleitet von einem Prinz Eisenherz Handbuch.

Doch damit nicht genug. Im Herbst erschien mit Litte Sammy Sneeze ein Frühwerk von Winsor McCay, der mit seinem bahnbrechenden Comic-Strip Little Nemo in Slumberland einen Meilenstein der Geschichte des Medium Comics erschaffen hat. Mit der Veröffentlichung der besten verfügbaren Strips des niesenden Jungen begibt sich Bocola veröffentlichungspolitisch nicht nur abseits der ausgetretenen und sicheren Pfade, sondern auch historisch weit zurück in die Frühzeit des Mediums.  

McCay veröffentlichte die Gags mit meist sechs Panels in den Jahren 1904 und 1907. Richard F. Outcaults The Yellow Kid war noch keine Dekade alt, aber das Phänomen Comic-Strip wurde in den USA immer beliebter. Vieles, was die Zeichner jener Zeit grafisch umsetzten, war für damalige Verhältnisse neu. Ein unheimlich kreativer Künstler wie Winsor McCay, der später mit Little Nemo Maßstäbe setzte, konnte seiner Phantasie freien Lauf lassen.

Die Strips von Little Sammy Sneeze gleichen sich vom Aufbau stets. Es ist der immer wiederkehrende Witz, dass der Junge ab dem zweiten Panel die Augen zusammenkneift, den Mund öffnet und sich ein mordsmäßiges Niesen anbahnt.  Diesen Running Gag variiert McCay beständig und schafft es so, das im Grunde bekannte Thema immer wieder neu zu erzählen. So niest Sammy lodernde Flammen aus, zerfetzt beim Lesen eine Sonntagszeitung oder bringt gar ein Haus zum Einstürzen.

Die Erlebnisse vom kleinen Sammy sind auch eine Zeitreise in die Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts. Seine Mode ist aus heutiger Sicht höchst antiquiert, war damals aber sehr angesagt. Er trägt vorwiegend einen „Fauntleroy Suit“ (wer kennt nicht den Kinderbuchklassiker Der kleine Lord?) mit Mütze, Rüschen an den Ärmeln, eine auffallende Schleife vor der Brust und eng anliegende Reiterhosen. Neben den Äußerlichkeiten gibt der Strip auch Einblicke in das damalige Leben der besseren Gesellschaft. Schwarze Diener und Hausmädchen waren nichts Ungewöhnliches. Fortbewegungsmittel waren Pferde und Kutschen.

Die deutsche Edition von Bocola setzt, wie man vom Verlag fast schon erwarten kann, eigene Maßstäbe. Sie ist keinesfalls ein bloßer Nachdruck der US-amerikanischen Ausgabe von Sunday Press. Diesem deutschen „Best-of“-Band gingen langwierige Recherchen und aufwendige Restaurierungsarbeiten voraus. Zudem wurden alle Strips zum Hochformat ummontiert, weil querformatige Bücher erheblich höhere Buchbindekosten verursachen. Als man mit der Zusammenstellung des Materials für das Buch begann, ging man davon aus, dass im Dezember 1906 die letzten Strips dieser Serie erschienen sind. Durch eine umfassende Sammlung aus der Schweiz konnten Folgen bis zum 26. Mai 1907 nachgewiesen werden. Somit werden in diesem Buch mehr als 100 Jahre alte Strips erstmals nachgedruckt.

Ungefähr die Hälfte der Strips wird in Farbe reproduziert, der Rest in schwarzweiß. Abgerundet wird der schmucke, großformatige Band durch einen äußerst brauchbaren, umfassenden und gut geschriebenen Artikel von Zeitungscomics-Fachmann Alexander Braun.



Fazit:

Ha-ha-ha-hatschi! Little Sammy Sneeze ist nicht nur für Comic-Archäologen interessant. Das Frühwerk von Winsor McCay wird in einer bisher nicht gekannten Zusammenstellung mit einem mustergültig editierten Hardcoverband gewürdigt. Die Gags erfahren aus heutiger Sicht eine andere Lesart und dürften nicht so sehr die Lachmuskeln der Leserschaft strapazieren wie 1905. Doch aus comic-historischer Sicht ist Little Sammy Sneeze höchst interessant, und es bleibt zu hoffen, dass das Experiment des Verlags insofern erfolgreich ist, dass weitere Titel dieser Art möglich werden. 



Little Sammy Sneeze - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Little Sammy Sneeze

Autor der Besprechung:
Matthias Hofmann

Verlag:
Bocola

Preis:
€ 16.90

ISBN 13:
978-3-939625-30-8

80 Seiten

Positiv aufgefallen
  • seltene Zeitungs-Strips
  • Frühwerk von Winsor McCay
  • erstklassiger Begleitartikel von Alexander Braun
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 28.10.2010
Kategorie: One Shots
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