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Comic-Besprechung - Ultimate Enemy Band 1: Der ultimative Feind

Geschichten:

Ultimate Enemy 1 - 4

Autor: Brian Michael Bendis; Zeichner: Rafael Sandoval; Tusche: Roger Bonet ; Farben: Matthew Wilson



Story:

New York hat den Wiederaufbau geschafft, doch verschwanden mit den Wassern der Flutwelle nicht auch die Probleme aus der Stadt. Ein fremdartiger Riesenorganismus greift nacheinander erst ein Gebäude der Firma Roxxon und danach das Baxter Building an. Dort lebt inzwischen Sue Storm alleine, nachdem sich die Fantastischen Vier als Folge der Ereignisse von Ultimatum getrennt hatten. Sie bekommt Besuch von Ben Grimm, der ihr seine wahren Gefühle für sie offenbaren möchte. Kurz darauf wird das Gebäude angegriffen. Aber der riesige Organismus ist nicht der einzige, der die Superhelden auf Trab hält. Außerirdische in mächtigen Rüstungen und mit enormer Feuerkraft greifen an und zwar genau dort, wo es am meisten weh tut. Nicht nur das Heim von Reed Richards haben sie anvisiert, sondern auch Tante Mays Haus wird Ziel ihrer Attacken. So verstreut diese Angriffe auch sind, scheinen sie einen gemeinsamen Hintergrund zu haben. Doch leider tappen sowohl die Helden als auch S.H.I.E.L.D. bei der Lösung dieses Rätsels vollkommen im Dunkeln.

Und was passiert eigentlich mit Ben Grimm, dessen steinerner Panzer mehr und mehr auseinanderfällt? Irgendetwas scheint sich aus seinem Inneren Bahn zu brechen. Dies und der Tod eines ihrer Kameraden wird die Zukunft der Superhelden für immer verändern.



Meinung:
Erschrocken schauen einem die Helden vom Cover entgegen und man mag sich fragen, fürchten sie etwa den Blick des kritischen Lesers? Diese Furcht wäre allerdings unbegründet, denn bis auf ein paar Hänger bietet Ultimate Enemy unterhaltsame und actionreiche Kost, wie es sonst das Popcorn-Kino bietet. Etwas irreführend ist die Aussage, der Band enthalte die komplette Mini-Serie. Komplett ist sie zwar, doch ist Ultimate Enemy selbst nur der Auftakt für einen Dreiteiler, der mit Ultimate Mystery weitergeht und mit Ultimate Doom endet. Bis zum Abschluss des Handlungsbogens ist es also noch ein gutes Stück, weshalb der Comic vorwiegend lose Fäden produziert. Und die vermag uns Autor Brian Michael Bendis gewohnt gekonnt zu präsentieren.

Es passiert viel, aber man wird bis zum Schluss im Unklaren darüber gelassen, warum es überhaupt und gerade diesen Personen passiert. Denn die Angreifer auf New York scheinen ganz genau zu wissen, worauf sie aus sind. Seien es die rosavioletten Außerirdischen im grünen Raumanzug und Hulkformat, die aussehen wie Verwandte von Kilowog (von Green Lantern) oder der, ebenfalls rosaviolette, Tentakelglibber der in bester Akira-Manier das Stadtbild zerstört. Sie alle sindTeile eines größeren Ganzen, eines umfassenden Planes, der die Helden und den Leser vor ein Rätsel stellt. Zusätzlich geschehen mit Ben Grimm merkwürdige Dinge, die mit seinem „Schuppen-Problem“ zusammenhängen. Ist seine steinerne Hülle unter Umständen wirklich nur ein Kokon?

Richtig Fahrt nimmt der Comic ab dem ersten Drittel auf. Die Action-Momente zu Beginn stehen noch für sich und weisen erstmal keinen offensichtlichen Zusammenhang auf. Doch mehr und mehr Personen werden in die Ereignisse in New York verwickelt. Was mit Spider-Womans Entdeckung bei Roxxon begann und schließlich die Fantastischen Vier, Spider-Man und Nick Fury beschäftigt, endet mit der Mobilmachung von S.H.I.E.L.D., die umgehend den Kriegszustand ausrufen. Ab der Mitte verdichten sich die Handlungsfäden schließlich zu einem einzigen Geschehen an dem alle beteiligt sind. Für die Superhelden steht dabei viel auf dem Spiel, denn der Gegner scheint ihre Geheimidentitäten zu kennen. Der vorläufige Showdown findet dann auch beim Haus von Tante May statt, welches seit Ultimate Spider-Man 1 Heimat der Helden-WG um Spidey, Iceman und der Fackel ist.

Brian Michael Bendis konnte beim Erzählen seiner Geschichte von einigen schlechten Angewohnheiten nicht lassen. Die Figuren agieren teilweise so, als gäbe es die Vierte Wand gar nicht. Dass heißt sie stellen sich erstmal persönlich vor, sagen was sie gerade machen und warum sie es tun. Gleich auf Seite eins geht es damit los, indem Spider-Woman in einem gedanklichen Monolog ihre Geheimidentität vorstellt, woher sie eigentlich stammt (geklont nicht geboren) und warum sie das Gebäude der Firma Roxxon beobachtet. Zu Beginn fragt sie noch: Muss ich wirklich? Und man wird ihr und dem Autor leider sagen müssen: Nein, musst du nicht. Das gleiche Spiel folgt dann aber in der nächsten Szene mit Sue Storm. Brian Michael Bendis hätte sich zumindest die Mühe machen können, diese ganzen runtergespulten Informationen über die Protagonisten in einen Dialog zu packen oder, noch besser, Situationen zu schaffen, die genau diese Stimmungslagen und Gedanken herauskehren lassen. So jedoch wird dem Leser gleich zu Anfang das Eintauchen in die Geschichte erschwert, denn er nimmt sich selbst als Betrachter des Comics wahr. Zum Glück ebbt dieser holprige Einstieg in die Figurenpsyche im Laufe des Comics ab, denn dann tritt ohnehin die Action in den Vordergrund.

Bendis Erzählweise ist insgesamt so handlungsbetont und auf die Action ausgerichtet, dass er kleinere Logikfehler in Kauf nimmt. Warum beispielsweise klopfen die übermächtigen Außerirdischen erst bei Reed Richards an die Haustür, bevor sie sein zu Hause angreifen? Auch bei Spider-Woman stehen sie erst artig vor der Tür, während sie sich vorher nicht zu Schade waren bei dem Angriff auf Nick Fury fast einen ganzen Straßenzug einfach wegzupusten. Vielleicht wird aber dieses Verhalten in einem der nächsten Teile noch erklärt (ich glaube es allerdings nicht). Ebenfalls keinen Sinn macht es, wenn Carol Danvers erst lang und breit darüber redet, dass sie entgegen ihrer Spezialisten vermutet, die außerirdischen Angreifer verstünden sehr wohl ihre Sprache. Denn den ebenfalls anwesenden Nick Fury haben die Aliens direkt angesprochen. Also dürfte sie es logischerweise nicht bloß vermuten, sondern tatsächlich WISSEN. Da hat der Autor anscheinend den Überblick über sein eigenes Skript verloren.  

Insgesamt eher albern wirkt die Darstellung von Nick Fury und S.H.I.E.L.D. Es geht schon stark ins karikierende, wie knallhart und abgeklärt die Protagonisten immer dargestellt werden. Carol Danvers, die Nachfolgerin von Fury, hat eigentlich keine Ahnung, was gerade passiert und ist blitzschnell dabei das Kriegsrecht zu erklären. So reflexartig und einseitig auf Krisen reagierte in den USA zuletzt die Bush-Administration. Man würde Brian Michael Bendis jetzt gerne unterstellen, dass er mit der Reaktion von S.H.I.E.L.D. die Politik seines Landes aufs Korn nehmen wollte, allein das Augenzwinkern fehlt dazu leider.

Und dies vor allem deshalb, weil der Comic ganz selbstverständlich von der Legitimität der Folter für Informationsgewinnung ausgeht. Die Art der Darstellung ist das Einzige, was einen davon abhält Bauchschmerzen zu haben (hey, wir reden hier schließlich von einem Comic auch für Kinder), sondern einen nur verwundert die Augenbraue heben lässt. Diese abgebrühte, mit allen Befugnissen und Mitteln ausgestattete Organisation namens S.H.I.E.L.D. benutzt doch tatsächlich für ihr Verhör eines Angehörigen einer technologisch hoch entwickelten Zivilisation einen ... ... Baseballschläger!? Nachdem diese Methode (erwartungsgemäß) nicht greift, prokelt Hawkeye noch ein wenig an den Fortpflanzungsorganen des Außerirdischen herum (keine Sorge, wird nicht gezeigt) und schon verliert S.H.I.E.L.D. in den folgenden Szenen ohnehin die Kontrolle über die Situation. Graphisch halten sich diese Sequenzen zum Glück sehr zurück und deuten nur an. Alles in allem handelt es sich jedenfalls um einen total unnötigen Nebenstrang und man kann dem armen Gefolterten bloß zustimmen, wenn er nach dem Verhör sagt: Eure Moral ist hoffnungslos verdorben.

Passend zu den Erinnerungen an die Präsidentschaft von G. W. Bush gemahnen die von dem seltsamen Organismus zerstörten Gebäude an die rauchenden Türme des World Trade Center vom 11. September 2001. In einer Szene fragt man sich sogar, ob Zeichner Rafael Sandoval nicht sogar ein Foto kurzerhand durchgepaust hat. Auch sonst wird in dem Comic mit genau den Bildern und Ereignissen gespielt, die sich so sehr ins kollektive Gedächtnis gebrannt haben. Wolkenkratzer brechen zusammen, Trümmer regnen herab, Flammen und Rauchwolken allenthalben, brennende Menschen stürzen auf die Straße. Im Übrigen aber können sich die Superhelden über ihre Darstellung durch Rafael Sandoval nicht beschweren. Die Perspektiven sind gut gewählt und die Action bombastisch und detailliert ausgearbeitet. Allein manchmal ist ein Kopf etwas zu groß für die Figur, die Hände zu klein oder ein und dasselbe Bild wird gleich zweimal genutzt. Auch sieht Sue Storms Haar aus, als bestünde es entweder aus glänzendem Stoff oder als habe sie einen flüssigen Helm auf. Mit den langen Haaren der Protagonistinnen hat es der Zeichner insgesamt nicht so. Derlei Fehler sind im ersten Fall selten und im zweiten verschmerzbar und werden durch klasse Action-Shots ausgeglichen. Da wird geklotzt, nicht gekleckert.

Kein Fehler des Zeichners, sondern vielmehr des Druckverfahrens sind die verschmierten lila Farbstreifen an den Rändern der Seiten 80 und 81. Die scheinen da nicht hinzugehören.

Mag man die Foltersequenzen auch in ihrer Selbstverständlichkeit als moralisch fragwürdig ansehen, macht Brian Michael Bendis weiterhin vor, wie man unterhaltsame, temporeiche Geschichten auch ohne Gore-Faktor (nein, diesmal kein amerikanischer Politiker) erzählen kann. Davon kann sich DC mal eine Scheibe abschneiden ... ja, unter anderem ist auch die Blackest Night gemeint.


Fazit:
Der ultimative Kosmos um Spider-Man steht weiterhin für gute Unterhaltung und macht dabei momentan einiges besser als die Vertreter um die Avengers/Ultimativen. Und es ist einmal genau so, wie die Werbung behauptet. Der Band ist tatsächlich die perfekte Ergänzung zu Ultimate Spider-Man. Der abgeschlossene Eindruck darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte Der Ultimative Feind eher als Prolog funktioniert und nicht unbedingt auf eigenen Beinen steht.



Ultimate Enemy Band 1: Der ultimative Feind - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ultimate Enemy Band 1: Der ultimative Feind

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Marvel Deutschland

Preis:
€ 12,95

ISBN 10:
4-191933-812955

100 Seiten

Positiv aufgefallen
  • temporeiche, actionlastige, spannende Geschichte
  • dynamische Zeichnungen
Negativ aufgefallen
  • Bendis lässt Figuren erzählen statt zeigen
  • Folter zu selbstverständlich
  • Logikfehler
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Rezension vom: 11.09.2010
Kategorie: Ultimative Helden
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