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Interview mit dem Autor Jens U. Schubert

jens_uwe_schubert1. Zur Vorbereitung des Projektes mussten Sie sich durch einen großen Berg an Materialien zum Völkerschlachtdenkmal arbeiten. Wie groß war folglich der Rechercheaufwand und waren sie im Rahmen des Projektes selber beim Denkmal?

Bei der Recherche wurden wir von Herrn Steffen Poser, dem Direktor des Völkerschlachtdenkmals, sehr unterstützt. Wir wurden gezielt auf entsprechende Schriften hingewiesen, so dass sich das umfangreiche und komplexe Material zu diesem Thema eingrenzen ließ. Steffen Poser hat ja selbst Arbeiten zu diesem Thema veröffentlicht. Sein umfangreiches Wissen fand nicht einmal ansatzweise Platz in unserem schmalen Heftchen. Aber darum ging es natürlich auch nicht. Die Idee dieses speziellen Mosaiks ist es, auf spielerische und unterhaltsame Weise an die Themen Völkerschlacht und Völkerschlachtdenkmal heranzuführen. Wobei besonders die Geschichte des Denkmals weniger bekannt ist. Es geht also eher darum, Interesse zu wecken, als alle Aspekte im Detail auszuleuchten.
Das Denkmal selbst in Augenschein zu nehmen war ganz wichtig für uns, um überhaupt ein Gefühl für das Projekt zu bekommen. Andererseits war es sicher für die Geschichte nötig, da sich die Abrafaxe ja im und um das Denkmal bewegen.  

2. Das Abenteuer findet inhaltlich zu zwei verschiedenen Zeitpunkten statt, welche durch einen Zeitsprung miteinander verbunden sind. Warum haben Sie sich für diese Teilung entschieden?

Völkerschlacht und Völkerschlachtdenkmal sind zwei verschiedene Geschichten. Schon der zeitliche Abstand der Schlacht und des Denkmalbaus macht das einsichtig. Im Heft geht es in erster Linie um das Denkmal, das bis heute ein weithin sichtbarer Teil der Leipziger Geschichte ist. Uns schien es aber wichtig, auch die Schlacht, die ja der Grund für den Bau des Denkmals war, zu zeigen.

3. Sie haben sich stark auf die Rollenverteilung der drei Abrafaxe konzentriert, wohingegen in der regulären Serie diese Faktoren oftmals aufgeweicht werden. Warum haben sie die unterschiedliche Charakteristik so stark betont?

Das Völkerschlacht-Mosaik ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, in der die Abrafaxe die Hauptfiguren in einem überschaubaren Figurenuniversum sind. Das macht es einfacher, die Charaktere auszudifferenzieren. Ähnliches gilt übrigens auch für die One-Pager, wo es – zu mindest in den von mir verantworteten – fast nie Nebenfiguren gibt. Dort ist es nötig, die unterschiedlichen Temperamente der Abrafaxe auszureizen.
In der regulären Serie haben wir stets eine Hauptfigur (in der Barockserie war das Baldo), dazu eine sehr große Anzahl von Nebenfiguren. Da rücken die Abrafaxe oft etwas enger zusammen. Die Handlung wird dann nicht von den Reibungen der Abrafaxe untereinander vorangetrieben, sondern wir folgen den historisch belegten Gegebenheiten.

4. Die Abrafaxe reisen wieder durch die Zeit, benutzen dafür aber ein sogenanntes Zeitfernrohr. Warum haben sie diesen Gegenstand zeitfernrohrmit in die Handlung einbezogen? In der regulären Serie reisen die Abrafaxe doch mittels Zusammenlegen der Hände.

Die Zeitsprünge per Handschlag waren nur eine relativ kurze Episode im Leben der Abrafaxe. Ihre Zeitreisen haben heute verschiedene, nicht von ihnen beeinflussbare Ursachen. Für das Zeitfernrohr im Völkerschlacht-Heft haben wir uns entscheiden, weil sich der Zeitsprung aus der Geschichte ergeben sollte. Das Heft ist ja in erster Linie für Besucher des Völkerschlachtdenkmals gemacht. Und, so bedauerlich und unverständlich das scheinen mag, es gibt ein paar Menschen, die mit der Geschichte und den Fähigkeiten der Abrafaxe nicht vollständig vertraut sind. Für die haben wir das Zeitfernrohr eingebaut. Das übrigens so auch in einer regulären Geschichte auftauchen könnte.

5. Parallel dazu startete in diesem Monat die neue Abenteuer-Serie im Mosaik. Zuallererst die einfache Frage: Warum Australien?


Für die Abrafaxe war Australien bis jetzt eine Terra incognital, genau wie für die Besatzung der „Investigator“ in der aktuellen Serie. Die Redaktion hat sich entschieden „dorthin vorzudringen, wo noch nie ein Mosaik-Leser zuvor gewesen ist“.

6. Wie weit sind ihre Planungen bezgl. der aktuellen Serie fortgeschritten. Haben Sie bereits den kompletten Ablauf ausgearbeitet oder gestalten Sie die Story quasi von Heft zu Heft?

Der Plot für die gesamte Australienserie steht bereits fest und wurde in der Redaktion besprochen. Das heißt aber nicht, dass Ideen, die erst im Laufe der Geschichte wachsen, keinen Weg ins Heft finden würden.

7. Califax betätigte sich in den letzten Heften oftmals als Tierschützer, während er früher den gebratenen Hähnchen hinterher gejagt hat. Geht das Mosaik hier mit dem Zeitgeist, oder ist dies lediglich eine notwendige Weiterentwicklung der Figur?

Die Abrafaxe sind ja als lebendige Comic-Figuren in einem guten Alter. Sie haben schon mehrere Autoren und verschiedene Gesellschaftssysteme ausgehalten. Ich denke, die drei sind im besten Fall immer Figuren, die in ihrer Zeit einen Platz haben. Und die Zeiten ändern sich. Das soll aber nicht der Beliebigkeit das Wort reden. Die Abrafaxe in ihren Grundwerten müssen erhalten bleiben, auch wenn sich der konkrete Ausdruck dieser Werte ändert. Nehmen wir Califax: Er war schon immer der Mitfühlende unter den Abrafaxen. Jedenfalls habe ich ihn so verstanden. Daher rührt auch seine Liebe zu den Geschöpfen der Welt. Aber dass deswegen sein Appetit gelitten hat, glaube ich eher nicht.

8. Welche Punkte an der Story sind für Sie persönlich sehr interessant? Die geschichtliche Wissensvermittlung oder eher der humorvolle Teil?

Die Erzählweise der Abrafaxe-Abenteuer beruht genau auf den beiden genannten Säulen: Die Vermittlung historischer Zusammenhänge auf eine unterhaltsame Art und Weise. Wobei der Lesespaß immer im Vordergrund steht. Die Tatsache, dass Personen und Begebenheiten aus dem Mosaik einen wahren Hintergrund haben, bemerken unsere Leser im besten Falle hinterher. Es geht uns darum, Interesse an fremden Ländern, fernen Zeiten und anderen Menschen zu wecken. Unsere Welt ist fantastisch genug. Ist sie immer gewesen. Das wollen wir erzählen. Und wenn es uns gelingt, macht das den Lesern sogar Spaß.

Mosaik_430_ausschnitt9. Das Australien-Abenteuer, beginnt dieses Mal quasi mittendrin. Die Abrafaxe scheinen schon eine Zeit lang in Sydney zu arbeiten und zu Beginn wird eine Vielzahl neuer Personen eingeführt. Warum arbeiten sie mit diesem offensiven Start? Im Grunde genommen stellt dies einen starken Kontrast zu den bisherigen Serienstarts dar, wo sich die Story nach und nach entwickelte.

Jede unserer Serien hat ihre Eigenarten, thematische und formale. Das ist für uns immer ein Weg gewesen, auszuloten, was unsere Leser interessiert, wie weit wir gehen können. Ich finde es wichtig, auch in einem so festen und überlieferten Erzählschema wie es im Mosaik tradiert ist, an die (doch eher engen) Grenzen zu gehen. Sonst würde es langweilig, für uns und für die Leser. Wie gut uns die Balance zwischen Experiment und Tradition gelingt wissen wir vorher natürlich auch nicht. Aber das ist ja das Aufregende am Geschichten erzählen.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.


Jens-Uwe Schubert (* 1963 in Forst/Neiße) ist Autor des MOSAIK.
Jens kam 1986 zum MOSAIK-Team. Bis 1990 arbeitete er hier als Zeichner, aber seine schriftstellerischen Ambitionen waren der Auslöser, dass er nach dem Abschied von Lothar Dräger bis 1993 Co-Autor neben Walter Hackel wurde. Danach war er zunächst alleiniger Autor der MOSAIK-Hefte, bis Jens Fischer sein Co-Autor wurde. Daneben textete er Strips für die SUPER!-Zeitung, für Tele-Lotto und für die SUPER-Illu. Er wirkte auch am Drehbuch für den Abrafaxe-Trickfilm mit. Während er daran arbeitete, übernahm für die Orient-Express-Serie Yousif Al-Chalabi seine Aufgabe als MOSAIK-Autor. Während der anschließenden Amerika-Serie war er Co-Autor neben Hubertus Rufledt. In der zweiten Japanserie war er erneut nicht als Autor tätig. Aber seit Beginn der Weltreise-Serie ist er wieder dabei.

Quelle: http://www.mosapedia.de/

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Special vom: 09.10.2011
Autor dieses Specials: Christian Recklies
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Bildergalerie zur Pressekonferenz am 12.09.2011
Die Präsentation
Wie entsteht eine Seite im Sonderheft
Rezension Mosaik 430
Rezension Mosaik - Kaiser, Krieger, Löwenjäger
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