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Grand Prix - Intro zur neuen Rennfahrer-Serie
Es scheint dem Menschen im Blut zu liegen, sich schnell fortbewegen zu wollen. Nimmt man Carl Benz’ Patentanmeldung für einen Motorenwagen am 29. Januar 1886 als offizielle Geburtsstunde des Automobils, dann dauerte es nur knappe 8 Jahre, bis 1894 das erste Autorennen veranstaltet wurde.

Röhrende Boliden, jubelnde Zu-schauer, Chamapgnerfontänen auf dem Siegertreppchen und unglaubliche Siegerprämien und Fahrergehälter be- stimmen das Bild des modernen Formel 1-Zirkus’. Die Comic-Serie Michel Vailant, die seit 1957 – acht Jahre nach dem ersten Formel 1-Rennen – erscheint, bildet den Wandel der Zeit sehr anschaulich ab.
Aber was war davor?
Kaum hatte man den vierrädrigen Wagen erfunden, hatte die Menschheit nichts Besseres zu tun, als ihre PS-Kräfte auf einer Rennstrecke zu messen. In kaum gefederten, heißen Fahrzeugen bretterten die Fahrer über unbefestigte Straßen von Stadt zu Stadt, und nicht selten wurde das staunende Publikum in Unfälle verwickelt, die meist mit tödlichem Ausgang endeten.
Das führte ab 1904 dazu, dass Rennen nur noch auf abgesperrten Rundstrecken durchgeführt wurden.1906 fand der erste Grand Prix statt, und die Rennwagen erreichten schon Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h. Der erste Weltkrieg setzte der Raserei dann erst einmal ein Ende. Kaum aber hatte das Kräfte messen auf dem Schlachtfeld ein blutiges Ende genommen, wurde der Wettkampf ab 1919 wieder mit Rennwagen aufgenommen. In den 1920er Jahren ließen die Rennorganisatoren bekannte Strecken wie Monza, Spa-Francorchamps oder den Nürburgring bauen. Alfa Romeo und Bugatti waren die erfolgreichsten Marken, und die Rennen waren spannend und abwechslungsreich.
Erst Adolf Hitler und seine braunen Schergen veränderten das Bild des Grand Prix nachhaltig.
Da der Apparat sich der Wirgrandprix_1kungskraft massentauglicher Bilder von „deutschen“ Siegern bewusst war, unterstützten die Nationalsozialisten die beiden Autobauer
Mercedes-Benz und Auto Union mit ungeheueren finanziellen Mitteln. Aber das allein hätte für die Erfolgsserie der deutschen Wagen nicht gereicht.
Geniale Konstrukteure, draufgängerische Fahrer und die Wirtschaftskraft der Automobilindustrie waren gleichermaßen an den Erfolgen beteiligt.
Und genau zu diesem Zeitpunkt setzt die dreiteilige Serie Grand Prix des Autors/Zeichners Marvano ein. Mark van Oppen, so Marvanos bürgerlicher Name, hat genau recherchiert und verknüpft den Aufstieg der Nazis mit den Ereignissen im Rennsport.
Eng verbunden sind damit auch die Schicksale der verschiedenen Rennfahrer wie Hans Stuck, Rudolf Caracciola oder Bernd Rosemeyer, die von den Nazis zu Heroen der Zeit hochstilisiert wurden.Marvano wertet nicht, hat weder Sympathien noch Antipathien. Er versucht, ein neutraler Berichterstatter zu bleiben. Ein Chronist der Zeit, der noch nicht die Weitsicht der Gegenwart besitzt. Und dass die ganze Welt sich damals geirrt hat, zeigen die Aussagen deutscher Juden oder das (historisch verbürgte) Cover des Time Magazine mit Hitler als „Man of the Year“ …
Der 1953 in Belgien geborene Marvano ist in Deutschland ein noch eher unentdeckter Künstler.
Außer Dallas Barr, Der ewige Krieg (beide bei Carlsen) und dem ersten Band seiner Berlin-Trilogie (Speed Comics), die allesamt in den 1990er Jahren veröffentlicht wurden, sind seine Comics dem deutschen Leser nicht zugänglich. Dabei ist sein Stil von den klaren Linien der belgischen Schule und dezenten Farben geprägt und erinnert manchmal an E.P. Jacobs. Womöglich sind es seine komplexen Geschichten, die einiges an Aufmerksamkeit erfordern, die den großen Durchbruch in Deutschland bisher verhindert haben.

Text & Zeichnungen: Marvano
Farben: Bérengère Marquebreucq
Übersetzung : Fritz Walter

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Special vom: 25.06.2011
Autor dieses Specials: Christian Recklies
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Editorial von Georg F.W. Tempel
Interview mit Philippe Aymond
Feeling History mit Hauptmann Veit: Interview mit Lutz Nosofsky
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