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„Die Chronik der Unsterblichen“: Der Kampf geht weiter

Das Interview führte Michael Hüster

Das Warten – sieben Jahre – auf den zweiten Band von Die Chronik der Unsterblichen war lange, hat sich aber gelohnt: Mit Am Abgrund – Teil 2 findet die faszinierende Comic-Adaption des erfolgreichen Fantasy-Epos’ von Wolfgang Hohlbein in der Ehapa Comic Collection ihre Fortsetzung. Die Publikation des ersten Teils, der auf der Frankfurter Buchmesse 2005 mit dem "Sondermann" ausgezeichnet wurde, erfolgte bereits 2004. Zu diesem Band wurde auch ein Making of (2006) veröffentlicht, das mit einer Vielzahl von Abbildungen (Modelsheets, Bewegungsstudien, Kostümentwürfe, architektonische Designs, Landschaftsentwürfe etc.) eindrucksvoll die visuelle Entwicklung des Comics dokumentiert.
Im nachfolgenden Interview geben Thomas von Kummant (Zeichnungen) und Benjamin von Eckartsberg (Text) u. a. Einblick in die Entstehungsgeschichte der Comic-Adaption, schildern ihre Arbeit rund um Die Chronik der Unsterblichen und nehmen natürlich auch ausführlich dazu Stellung, warum die Veröffentlichung des zweiten Bandes so lange auf sich warten ließ.


chronik_2Ein Blick in die Vergangenheit: Wie entstand die Idee, Hohlbeins Roman Chronik der Unsterblichen für den Comic zu adaptieren, und wann und von wem habt ihr erfahren, dass ihr die Adaption umsetzen sollt?
Benjamin von Eckartsberg:
Thomy und ich hatten seit 1999 durch unsere Zusammenarbeit an dem Comicalbum Goethe Bd. 2 – Zum Schauen bestellt Kontakt zum Ehapa Verlag. Als Thomy 2001 auf der Suche nach einem Stoff für einen weiteren Comic war, fragte er Michael Walz, den damaligen Chefredakteur von Ehapa, ob er nicht Autoren aus dem Egmont Verlag, zu dem Ehapa gehört, mit deutschen Zeichnern zusammenbringen könnte. Der Vorschlag kam an und so machte Michael Walz ihm das Angebot, Die Chronik der Unsterblichen von Wolfgang Hohlbein als Comicversion zu zeichnen. Nachdem Thomy die Bücher gelesen hatte, war er von deren visuellem Potential sehr angetan und sagte zu. Zunächst war geplant, dass Wolfgang Hohlbein das Comic-­Skript selbst schreibt. Aus zeitlichen Gründen wurde diese Idee aber verworfen. Außerdem ist er kein großer Comicleser und daher mit dem Medium nicht allzu vertraut. Aufgrund eines Comic­Szenarios, dass ich für mich selbst geschrieben hatte, traute Thomy mir zu, den Stoff auf eine Art zu adaptieren, die ihm zusagen würde. Alsoschlug er mich vor, und so kam das Projekt zustande.

Wie war die Vorgehensweise, um aus dem Romanstoff ein Comic­Szenario zu machen?
BvE: Bei einer Adaption in ein anderes Medium ist es einfach nicht möglich, alles genau wie im Buch wiederzugeben. Das würde immer den gegebenen Rahmen sprengen, egal, ob es sich um einen Film oder einen Comic handelt. Jedes Medium hat seine eigenen Gesetze, seine eigenen Stärken und Schwächen. Es war uns wichtiger, die Konflikte der Hauptfiguren und die spezielle Stimmung der Geschichte herauszuarbeiten, als sklavisch dem Handlungsverlauf der Romane zu folgen.
Wir wollten einen Comic kreieren, der den Namen Hohlbein in der Welt der Comics würdig vertritt, aber auch für sich selbst stehen kann.
Zuerst einmal habe ich eine Storyline vom kompletten Roman erstellt, d.h. von jedem Kapitel eine knappe Zusammenfassung geschrieben, um einen besseren Überblick über die Handlung zu bekommen. Wir hatten uns für eine epische und filmische Erzählweise entschieden, und die braucht sehr viel Raum. Also habe ich alle Handlungsstränge rausgekürzt, die für den Hauptverlauf der Handlung nicht dringend notwendig sind. Vor allem im Hinblick auf die nachfolgenden Romane.
Für die durch die Kürzungen entstandenen Handlungslücken habe ich neue Übergänge und neue Szenen geschrieben. Außerdem habe ich emotionale Straffungen durchgeführt und einigen Figuren neue Handlungsfunktionen zugewiesen.
Ich habe das Ganze in Drehbuchform geschrieben, d. h., ich habe die Szenen so knapp wie möglich mit Handlungen und Dialogen beschrieben, aber nicht festgelegt, wie viele Panels eine Szene braucht und was in welchem Panel passiert. Die „Regie“, also das Seitenlayout, blieb Thomy vorbehalten.
Das Skript habe ich an Wolfgang Hohlbein zur Abnahme geschickt, der glücklicherweise keine Änderungswünsche hatte.

chronik_2_panel

Welche Quellen wurden genutzt, um die Welt Transsylvaniens des 15. Jahrhunderts visuell umzusetzen?
Thomas von Kummant: Zunächst hatte ich geplant, eine Recherchereise nach Rumänien zu unternehmen, aber der Verlag hätte das wohl kaum finanziert. Also hat sich meine Recherche aufs Internet konzentriert.
Bei der Umsetzung der Architektur habe ich mich teilweise von der Formensprache rumänischer Bildhauer inspirieren lassen. Für Kostüme habe ich im Münchner Kostümforschungsinstitut “von Parisch” recherchiert, doch was aus der entsprechenden Zeit zu finden war, hat Benjamin und mich nicht sonderlich überzeugt. Deswegen sind die Kostüme hauptsächlich frei erfunden.

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Special vom: 23.05.2011
Autor dieses Specials: Michael Hster
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Editorial von Georg F.W. Tempel
Interview mit Stephan Hagenow
Nick Knatterton: Ein Freiherr als Detektiv
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