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Der Mann, der 12 Jahre lang NICK zeichnete
In der letzten SB wurden Wäschers Nachfolger bei NICK – textlich wie graphisch – interviewt. Sie boten hochinteressante und überraschende Einblicke in die diversen Produktionen (Hethke als Autor!), doch über Miguel Bulto-Just (so der bekannt gewordene Name), jenen von der Fanszene nicht gerade übermäßig geschätzten NICK-Zeichner, war praktisch nichts in Erfahrung zu bringen. Und das, obwohl der Spanier den Weltraumfahrer von 1992–2004 zeichnete – zunächst für 6 NICK-Sonderbände (Nr. 6–11) und danach für 168 NICK Piccolos (Nr. 141–308).

Doch kaum war die SB erschienen, erhielt ich eine Nachricht von Peter Wiechmann, die mich elektrisierte: „NICK wurde lange Jahre von COMICON mit dem Zeichner Miquel Bultó Just produziert!“ Natürlich rief ich sofort bei Peter an. Hier ist der Bericht.

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Peter Wiechmann und der schlechteste Deal seines Lebens


Anfang der 90er Jahre, als Peter Wiechmann in Barcelona gemeinsam mit Pepe Ferré das Comic-Service-Studio COMICON betrieb, erreichte ihn eines Tages der Anruf eines Deutschen, der ihm anbot, eine „weltberühmte Serie“ zu übernehmen. Da Peter schnell merkte, dass die Person nur eine Art „Strohmann“ war, verlangte er, den Auftraggeber zu sprechen. Es war Norbert Hethke, den er auf diese Weise kennenlernte. Wiechmann und Hethke führten in der Folge lange Telefonate, die zu dem damaligen Zeitpunkt noch viel Geld kosteten. Es ging um die Weiterführung von NICK. Norbert drängte darauf, dass über den Inhalt der Gespräche strengstes Stillschweigen gewahrt bleibt.

Allerdings war der Preis, den Hethke pro Albenseite bot, für ein gutgehendes Studio, das viele Fixkosten hatte, so „unsittlich“, dass Wiechmann im Normalfall jedes weitere Gespräch abgebrochen hätte (etwa DM 80.- pro Seite, üblich waren damals ca. DM 250.-). Doch dieser Bursche, der Manuskripte von den besten Schreibern der Welt ankündigte, war Peter in seiner gnadenlosen Beharrlichkeit irgendwie sympathisch, er mochte den unverschämten Kerl.

So ließ sich Peter breitschlagen und Artdirektor Pepe Ferré bemühte sich um einen geeigneten Zeichner. Das war gar nicht so einfach, denn der gesuchte Künstler musste ziemlich schnell sein, nicht zu teuer und sich einigermaßen gut mit Science Fiction auskennen. Er fand ihn in dem sehr bescheidenen, knapp 50jährigen Miquel Bultó Just.

Bultó Just fertigte zunächst Probezeichnungen an, die Hethke anständig bezahlte. Danach kamen die „tollen“ Storys an, die zunächst bloß aus einem „Exposé” von einer halben Seite bestanden. Auf Wiechmanns Meutern hin wurden die Manuskripte länger, hatten aber immer noch den Haken, dass sie auf Deutsch verfasst waren.

Peter war nun bereits soweit in die Sache hineingezogen, dass er Bultó Just in mehreren Sitzungen die mageren Plots mündlich ins Spanische übersetzte – für Gottes Lohn, denn bei der lausigen Bezahlung wollte und konnte das Studio dem Zeichner nicht auch noch die übliche Studio-Provision abknöpfen.

Weiter geht es in der Sprechblase 220...


Special vom: 14.01.2011
Autor dieses Specials: Gerhard Frster
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Firuz Askin – Der große Unbekannte
Taschens Mammut-Buch: 75 YEARS OF DC COMICS - Ein Interview mit Paul Levitz
Bonusbeitrag: Fenrir und die Türme der Weisheit
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