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Wie können wir Mensch bleiben?
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“Die Kernfrage von SURROGATES – MEIN ZWEITES ICH ist: Wie kann man in dieser unerbittlichen und zunehmend technologischen Welt Mensch bleiben?” Mit diesen Worten fasst Regisseur Jonathan Mostow den Film perfekt zusammen.

Welche Auswirkungen hat unsere wachsende Abhängigkeit von Technologien auf unsere Gesellschaft? Unsere Kommunikation stützt sich anstatt auf direkte persönliche Begegnungen oder wenigstens Telefongespräche immer mehr auf Technologien, wie z.B. Blackberrys, E-Mails, SMS, Instant Messaging, Facebook und Twitter. Werden wir Tag um Tag mehr wie Roboter und weniger wie Menschen? Wie bewahren wir den Respekt voreinander? Sind die zunehmenden Kriminalitätsraten ein Ausdruck der Tatsache, dass, während unsere Kommunikationsmethoden immer ausgeklügelter werden, wir auf einer ganz anderen, weniger persönlichen Ebene miteinander kommunizieren? Der angesehene Psychotherapeuten Dr. Andrew Samuels wurde nach seinen Ansichten zu diesem Thema befragt:

Als Gesellschaft verlassen wir uns zur Kommunikation immer mehr auf Technologien anstatt auf unsere eigenen sozialen Kompetenzen. Warum, glauben Sie, ist das der Fall?

„Jüngere Menschen sind so daran gewöhnt, emotional über Technologien zu kommunizieren, dass sie bei echten Interaktionen ins Schwimmen geraten. Deshalb finden es Arbeitgeber so schwierig, mit der Generation Y, den 21- bis 31-Jährigen, umzugehen, die gelernt haben, per SMS oder auf Facebook zusammenzukommen oder miteinander Schluss zu machen. Ein Gesichtspunkt, den man oft übersieht, ist, dass echte Begegnungen heutzutage oft als viel ernsthafter und wichtiger betrachtet werden als sie es eigentlich sind. Wir haben die Orientierung verloren.“

Warum, glauben Sie, finden wir es einfacher zu kommunizieren, wenn wir den anderen nicht direkt vor uns haben?

„Die Zurückhaltung und Zwänge, auf denen eine zivilisierte Gesellschaft beruht, haben sich durch persönliche Beziehungen zwischen Menschen entwickelt. Technologisch angetriebene Beziehungen benötigen diese Art  von Diplomatie nicht. Heutzutage fangen wir viel schneller Krieg miteinander an.“

Meinen Sie, dass sich Leute im Allgemeinen lieber einen Roboter als einen Menschen zum Gehilfen im täglichen Leben nehmen würden? Zum Beispiel als Putzfrau? Oder als Sekretärin? Was würden Sie sagen, wären da die Vor- und Nachteile?

„Die Frage hinter dieser Frage betrifft die Bedeutungslosigkeit unserer aller Leben heutzutage, nicht nur in Bezug auf die Hausarbeit. Das ganze Thema von SURROGATES ist insofern wichtig, als es ein Licht auf alles in der modernen Welt wirft, nicht nur auf das, was im Film sichtbar ist. Oder, um es anders auszudrücken, wir sind alle schon in vielen Bereichen unseres Lebens roboterhaft. Uns wird gesagt, was wir denken, was wir fühlen sollen. Emotion nach Zahlen. Werfen Sie nur einen Blick in die Zeitschriften.”

Glauben Sie, dass wir aufgrund der Nutzung von so viel Technologie bei der Kommunikation weniger Respekt vor unseren Mitmenschen haben?

„Ich glaube, die Sehnsucht der Menschen nach einer echten Verbindung und nach gegenseitig respektvollen Beziehungen ist so stark wie eh und je. Ich sähe gern eine Gegenreaktion gegen die Reglementierung so großer Teile unseres Lebens, einschließlich unseres Innenlebens. Die Leute realisieren es vielleicht nicht, aber sie tun oft das, was sie zu tun programmiert worden sind.“

Können Sie sich eine Zeit vorstellen, in der das Konzept von Stellvertretern (wie im Film dargestellt) Realität wird?

„Also wissen Sie, der Film ist doch nicht bloß futuristisch. In ihm geht es um UNS HEUTE! Wir sind von unserem echten Selbst abgetrennt worden – eigentlich gibt es sowieso kein echtes Selbst. Wir alle spielen ständig Rollen. Natürlich sind die Leute, die wir im Fernsehen oder im Kino sehen, ebenfalls Surrogates – Stellvertreter. Aber in jedem von uns steckt auch ein innerer Stellvertreter. Wie gesagt, es ist eine Metapher für unser heutiges Leben, und der Film ist eine starke politische Anklage gegen die Welt, die wir geschaffen haben.“

Wenn unsere Handlungen keine Konsequenzen hätten, in welche Richtung würde unsere Gesellschaft dann gehen?
„In der Gesellschaft hat es schon immer einen Konflikt zwischen verantwortungsbewussten und zügellosen Menschen gegeben. Ich glaube nicht, dass sich das ändern wird. Da draußen gibt es viel Gutes und Tugendhaftes. Aber, wie schon oft bemerkt wurde, das ist nicht glamourös oder sexy. Um Ihre Frage wörtlich zu nehmen: Natürlich hat es einen Rückgang von persönlicher Verantwortlichkeit gegeben. Aber man muss vorsichtig sein, denn Leute, die so etwas sagen (dass es einen Rückgang von persönlicher Verantwortlichkeit gegeben hat) sind oft traditionsbesessene Nostalgie-Freaks, und sie verfolgen eine Tagesordnung, die darin besteht, dass alle konform gehen sollen.“

Mehr über Dr. Samuel finden Sie auf seiner Website http://www.andrewsamuels.com.


Special vom: 25.01.2010
Autor dieses Specials: Walt Disney Studios Motion Pictures, Germany
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