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Robert Platzgummer – Derbleck’n in Comicform
Fragen Sie mal auf der Straße willkürlich ausgesuchte Passanten, welche drei Begriffe ihnen zu München einfallen. Garantiert werden da u. a. „Oktoberfest“, „1. FC Bayern München“ und „Der Kaiser“ genannt. Je nach Alter des Befragten könnte „Der Kaiser“ auch durch „Sportfreunde Stiller“ ersetzt werden. Leider wird völlig vergessen, dass München – neben Berlin, Düsseldorf und Mainz – schon immer eins der Zentren deutschen Humors war und sich mit Namen wie Karl Valentin, Dieter Hildebrand, Django Asül oder Michael Mittermaier schmücken kann. Zwar ist Robert Platzgummer kein Comedian und auch nicht in die Liga der oben genannten einzureihen, aber der Humor, den er mit seinem Comic Mingamanga verbreitet, enthält genau die Aufmüpfigkeit und Respektlosigkeit, die auch besagte Humoristen ihr Eigen nennen. Mit ein Grund, Mingamanga in Zack zu veröffentlichen und dem Schöpfer von Bini, Bo, Staffie und Vinnie einige Fragen zu stellen.

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Platzgummer wird 1975 in München geboren und lernt  bereits vor dem Kindergarten das Lesen anhand von Comics. Nach der Schule beginnt er 1997 ein Graphik- Design-Studium an der Blocherer Schule in München. Seit 2001 arbeitet er als selbstständiger Graphiker und Illustrator. Erste professionelle Comic-Erfahrung sammelt er als Reinzeichner und Tuscher für Frederique Schwebel am Comic Sauschwobe und Gälfiaßler, der 2002 in der Ehapa Comic Collection erscheint. Nach eigenen Aussagen war das Ergebnis „überwiegend grauenhaft“.

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Zack: Was hat Sie veranlasst, die Mingamanga zu zeichnen?

Robert Platzgummer: Direkt „veranlasst“ hat mich eigentlich nichts, es hat sich nach und nach so ergeben. Zum ersten Mal habe ich die vier vor ungefähr sechs, sieben Jahren gezeichnet. Danach sind die immer wieder mal in meinen Skizzenbüchern aufgetaucht, aber ich hatte einfach keine Geschichten dazu. Zunächst hatte ich mich nämlich mehr auf einen eigenen Fantasy-Comic - vom Stil her irgendwas zwischen Loisel und Arthur Qwak (Das Gesetz der Wölfe) - konzentriert, konnte aber keinen Interessenten dafür finden, weil zu der Zeit bei den Verlagen nur noch Manga gefragt war. Etwa um 2006 hat dann die Redaktion eines neu gegründeten Comic-Magazins (Gecko) nach Zeichnern gesucht, also habe ich ein paar Skizzen von den vieren eingereicht. Man hatte jedoch keine Verwendung dafür, weil das Heftkonzept eine Zielgruppe von Kindern zwischen vier und acht Jahren vorgesehen hat. Allerdings hatten sie in ihrer Antwort gemeint, dass sie die vier Buam interessant fänden und gerne nochmal darauf zurückkommen würden, falls sie einmal ein Heft für Acht- bis Zwölfjährige konzipieren wollen. Für mich war das eine recht ermutigende Resonanz ... eigentlich war‘s überhaupt das erste Mal, dass es von Verlegerseite her Interesse für meine Sachen gab. Die vier sind dann, wenn ich Skizzen rumgereicht habe, auch allgemein gut angekommen, also bin ich nach und nach weg vom Fantasy und hin zum Funny.

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Zack: Ich denke, „Minga“ ist der Münchner Ausdruck für „München“. Also „Münchner Manga“. Wieso gerade Manga?

R.P: Es ist ein schönes und einprägsames Wortspiel, und ich hatte nicht die geringste Lust, diesen genialen Einfall der Manga-Fraktion zu überlassen.

Zack: Mit welchen Comics sind Sie aufgewachsen?

R.P:: Der erste Comic, den ich überhaupt je gelesen hatte, war Winki und Flinki von Bob Heinz (erschien 1979 - 1984 in der Fernsehzeitung TV Hören & Sehen). Dann kam vor allem YPS, außerdem,  unvermeidbar, Asterix und Lucky Luke, auch Clever & Smart, später dann Spirou, Gaston, Tim und Struppi, Akira etc. Fast ausschließlich also franko-belgische Sachen.

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Zack: Welche Comics lesen Sie heute?

R.P: Immer noch Spirou und Gaston (Franquin kann ich immer wieder lesen). Außerdem Vagabond von Takehiko Inoue, 20th Century Boys von Naoki Urasawa und Battle Angel Alita von Yukito Kishiro. Und dann noch Loisel (aber nur die von ihm gezeichneten Sachen) und Frank (Zoo, Jonas Valentin). Von den zeitgenössischen Comics interessiert mich ansonsten eigentlich eher nichts so brennend.

Zack: Was können Sie uns über die Entstehungsgeschichte der „Buam“ erzählen?

R.P: Die Buam entstanden aus einer Laune heraus; am Anfang waren aber nur Bini, Vinnie und Bo da. Staffie kam erst ein bisschen später dazu, als mir auffiel, dass bei Serien mit Figuren verschiedener Herkunft eigentlich immer nur Weiße, Schwarze und Asiaten zu sehen sind (vgl. etwa Die Rasselbande oder auch Der kleine Spirou). Von Barus Arbeiten (Die Sputnik-Jahre, etc.) mal abgesehen, kommen in  solchen Serien aber so gut wie nie Türken oder Araber vor. Die werden einfach nicht zur Kenntnis genommen, was schon ziemlich bemerkenswert ist, nachdem sie in Westeuropa seit Jahrzehnten mit deutlichem Abstand die größte ausländische Minderheit stellen.

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Allerdings ist mein Staffie trotzdem nicht der erste Deutschtürke in tragender Rolle bei einer Comicserie. Diese Ehre gebührt wahrscheinlich Hakan aus der kurzlebigen Serie Die Weltenbummler (Carlsen 1993) von Alfred Neuwald und Heiner Lünstedt. Am stärksten hat sich Bini verändert, der bei den ersten Skizzen noch normalen Haarschnitt und normale Kleidung hatte. Weil er allerdings irgendwie farblos und unscheinbar rüberkam, habe ich ihn dann ganz landeimäßig zum Heavy Metal-Fan mit schwarzen Klamotten, langen Haaren und bayrischem Dialekt mutieren lassen, wodurch er dann in seiner Schulklasse unter lauter Preißn, die alle eher Hiphop hören und Hochdeutsch reden, prompt selber wie ein Ausländer wirkt. Man muss dazu anmerken, dass in München inzwischen 80% der Einwohner Nichtbayern (sog. „Isar-preißn“) sind. Sic transit gloria urbis. “Korbinian Panikowski” heißt er übrigens auch noch nicht lange; der Nachname “Panikowski” geht dabei auf Franz Gerg zurück. Anfangs liefen die vier noch unter dem Arbeitstitel “Die Rainbowkids”, nach den “Regenbogenkindern” von Josephine Baker. Davon hatte ich einmal einen Grafitti-Schriftzug gemacht, den Franz Gerg dann immer als “Die Panikowskis” gelesen hat - und fertig war Binis neuer Nachname, hinter dem sich im Grunde auch wieder eine Migrations- und Integrationsgeschichte verbirgt. “Panikowski” ist nun mal ein preußisch-polnischer und ansonsten ein absolut unbayrischer Name.

Weiter geht es in Zack 128...

Und die ersten drei Seiten des Comics im Zack finden sich hier...


Special vom: 23.01.2010
Autor dieses Specials: Georg F.W. Tempel
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Editorial von Georg F.W. Tempel
Blue Space
Mingamanga Leseprobe
Die Surrogates
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