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Berserker, Sex und Ratten

Akkordzeichner Stephan "Psycho" Hagenow aka Opa Joe, der die Welt bisher mit "Joe Darling", "Rattenmeute", "Samurella" und "Tumba" beglückte, wirft mit "Berserker" seine mittlerweile fünfte Serie auf den deutschen Comic-Markt. Und als ob das nicht genug wäre, folgt Ende des Jahres mit "Jana Bonda" gleich noch sein sechster Streich. Da wurde es doch mal wirklich Zeit, den derart rotierenden Comicmacher in einem Interview auf seinen Geisteszustand zu überprüfen...

Splash: Dann legen wir mal los... Stephan, was hat Dich dazu gebracht, eine weitere Comic-Serie auf die Beine zu stellen? Waren Dir vier laufende Serien nicht genug? ("Joe Darling", "Rattenmeute", "Samurella", "Tumba"). Hast Du etwa zuviel Freizeit?

Stephan Hagenow: Zuviel Freizeit? Jetzt nicht mehr. (grins) Dass sich da jetzt inzwischen sechs Comicserien aus meiner Feder zusammentummeln hat sich aus der Situation heraus ergeben, denn die sehr flippigen, hippen Funny-Pornoserien "Samurella" und "Jana Bonda" [dazu später mehr] waren eigentlich gar nicht eingeplant gewesen. Aber inzwischen bin ich froh darüber, da ich mich durch die Hardcore-Schiene endlich mal von meiner lockeren, humorigen, niveauvollen Seite zeigen kann. Denn der Stoff ist herrlich lesbar, was man ja nicht grad von vielen Pornos behaupten kann...

Splash: Worum geht es in "Berserker"?

Stephan Hagenow: Der Berserker alias Brad Pain ist ein düsterer, maskierter Verbrechensbekämpfer, der meist zu nächtlicher Stunde in der Stadt Goddamn City in seinem mit einigen Specials ausgerüsteten Henkerkostüm mit ähhh... ausgesprochen unkonventionellen Methoden aufräumt. Zur Seite stehen ihm da der väterliche Freund Kommissar Gortock und der amateurhafte Hobbymechaniker Robino.


Splash: Ähnlichkeiten mit einem gewissen Mitternachtsdetektiv aus Gotham City liegen ja auf der Hand. Woher genau kam die Inspiration für die neue Serie?

Stephan Hagenow: Eigentlich durchs Lesen. Ich hab mein altes 70er Jahre - Idol Jim Aparo für mich wiederentdeckt und grad die ganzen alten Sachen von ihm nachgekauft, die mir noch fehlten. Das waren erfreulicherweise eine ganze Menge. Jim hat in den 70ern neben Neal Adams stark den Look von Batman und Co geprägt. Sein eleganter Zeichenstil und seine grimmigen Gesichter waren sein unverkennbares Markenzeichen. Da ich sehr ehrgeizig bin - mit 40 noch viel mehr als mit 20 - suche ich mir Künstler heraus, von denen ich noch viele Tricks und Kniffe lernen kann.


Splash: Da kann ich nur zustimmen, Aparo ist wirklich einer der ganz Großen. Ebenfalls ein Klassiker ist das Format, in dem der Comic erscheint. Warum wurde für "Berserker" (wie auch Deinen Horror-Comic "Tumba") das Piccolo-Format und nicht die gewöhnliche Heft-Form gewählt?

Stephan Hagenow: Das klassische Piccolo-Format zu reaktivieren war meine Idee. Auf diesem Weg können wir neue Serien von mir drucktechnisch gesehen preisgünstig herstellen und bei den Fans antesten.... Das passiert jetzt grad mit "Tumba" und "Berserker". Bei Erfolg haben dann auch diese zwei Serien Aussicht auf eine eigene 72 Seiten-Paperbackreihe.

Splash: Neben Berserker kommt Ende des Jahres noch ein weiterer neuer Comic von Dir raus: "Jana Bonda". Erzähl mal was dazu...

Stephan Hagenow: Ja, der Comic wird die Überraschung schlechthin werden. "Jana Bonda " ist meine zweite Hardcore-Serie. Der Humor ist ähnlich gelagert wie bei "Samurella", nur spielt hier alles im Agentenmilieu, sozusagen die perfekte 007-Parodie. Alles ist auf modisch schick gestylt und in meinem werbemäßigen Storyboard-Look angelegt. Erscheinen wird das Teil zu Weihnachten als Doppelheft mit 52 Seiten oder als Hardcoveralbum. Wir haben die endgültige Präsentationsform noch nicht entschieden. Fans meiner düsteren Werke a la Rattenmeute werden schon zweimal hingucken müssen um mich hier wiederzuerkennen. Auch ein hartes Los für meine zahlreichen Feinde unter den Kritikern, die mich gerne auf ein gewaltverherrlichendes Individuum reduzieren möchten. Jana dürfte Ihr verzerrtes Weltbild reichlich durcheinander bringen. (grins) Stephan Hagenow ist künstlerisch eben extrem wandlungsfähig, wer hätte das gedacht? Da werden sich in Zukunft noch einige Leute wundern...

Splash: Die Erstauflage der Nummer 1 Deines Porn-Comics "Samurella" ist ja mittlerweile ausverkauft. Wie schaut es mit den übrigen Serien aus? Alles im grünen Bereich?


Stephan Hagenow: Auch die Nr. 2 von "Samurella" ist fast vergriffen und das Heft ist gerade erst erschienen. Samurella 3 erscheint im September in höherer Auflage. Bis jetzt haben wir den 3-monatigen Erscheinungsrhythmus eingehalten, was uns auch das Vertrauen einiger Händler eingebracht hat. Denn mit Hagenow-Comics kann man richtig Geld verdienen. Einige Ladenbesitzer geben mir sogar schon ein eigenes Regal. Sie werden bald ein Zweites brauchen. (grins) Joe Darling hat sein festes Publikum... Lediglich bei " Rattenmeute " hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass auch diese Sache als Serie angelegt ist. Aber auch hier häufen sich langsam die Vorbestellungen für Buch 2. Buch 3 liegt übrigens in den Bleistiftvorzeichnungen auch schon fertig vor, wieder stolze 96 blutgetränkte Monsterseiten.

Splash: Apropos "Rattenmeute"... die Serie liegt Dir ja, soweit ich weiß, ganz besonders am Herzen. Warum?

Stephan Hagenow: Weil mit den Ratten meine Karriere damals Ende der 80er begann. Ich versuche zwar alle meine sechs Serien mit der gleichen Liebe zu behandeln, aber die Rattensache ist ganz eng mit meinen Gefühlen verwurzelt. Außerdem handelt es sich hierbei um meine kompromissloseste und somit ehrlichste Arbeit. Hier kann alles passieren. Garth Ennis hätte es nicht härter und zynischer erzählen können. Ab Buch 2 [erscheint Ende Oktober 04] kommt auch die Handlung voran. Bei Buch 1 musste ich erst mal alle Charaktere vorstellen. Da geht viel Platz drauf bei so einer Odyssee voll von kaputten Typen - allen voran Bachus.

Splash: Allem Anschein nach Dein Lieblingscharakter. Was genau hat es mit dieser Figur auf sich?

Stephan Hagenow: Bachus ist ein Geniestreich. So eine Idee hat man nur einmal im Leben. Das ist in etwa so, als hätte ich das Marsupilami erfunden. Ich hab in den letzten 25 Jahren bestimmt über 200 Charaktere entwickelt, aber keine ist auch nur annähernd so charismatisch wie Bachus. Dabei ist Bachus noch nicht mal real, sondern nur eine Vision. Eine Art Fata Morgana sozusagen, die versucht ihr Gegenüber - in diesem Fall Zyklop, die arme Sau - durch geisteskranke Gespräche in den Selbstmord zu treiben, was ihm zu 99% auch gelingt. Dadurch ist Bachus auch eine sehr gewagte Figur, da sie Tabugrenzen sprengt und absolut unmoralisch ist und jedes Mittel erlaubt ist. Man könnte auch behaupten, Bachus ist wie eine unheilbare Krankheit, die man nicht mehr los wird. Das trifft es wohl am besten. Hannibal Lecter ist jedenfalls der reinste Waisenknabe gegen Bachus.

Splash: Deine Dauerbrenner-Serie "Joe Darling" wurde mit Ausgabe 7 jetzt von Heft-Format auf Prestige-Album umgestellt. Warum die Änderung?

Stephan Hagenow: Weil ich profan ausgedrückt... einfach mehr Platz brauche um meinen vielen interessanten Charakteren gerecht zu werden. In Heften kann ich mich erzählerisch einfach nicht frei entfalten. Immer wenn es grad spannend wird, ist das Heft zuende. So was ist auf Dauer frustrierend. Auch für den Fan. Besonders wenn das nächste Heft erst sechs Monate später erscheint. Ab Joe Darling 7 haben wir uns darum für abgeschlossene 72 Seiten Abenteuer entschieden. Buch 8 erscheint im November, hab grad gestern die letzte Seite fertig gestellt. Ab diesem Buch zeichne ich auch die Babes selbst da mein Babe-Zeichner Olli [Wünsch] mit den Terminen nicht mehr hinterher kam, musste ich ihn vor die Tür setzen. Die Cover wird er aber auch weiterhin betreuen. Geplant sind ab jetzt zwei Joe Darling Bücher pro Jahr. Also 144 Seiten, ufffff.

Splash: Von "Joe Darling" 7 ist auch eine Limited Edition mit Variant-Cover erschienen. War das Deine Idee oder ein Vorschlag der Gringo-Leute?

Stephan Hagenow: Das hatte sich durch die Heft auf Buchumstellung so ergeben , da wir auf einmal ein Cover über hatten. Das Cover war einfach zu Schade für den Papierkorb, also hatte mein Verleger Holger die Idee mit dem Variantcover, was von den Fans dankend angenommen wurde. Aber sucht bitte nicht nach der durchnummerierten Nr. 1 denn die befindet sich in meinem Besitz.

Splash: Neben Deinen Comic-Projekten zeichnest Du ja auch für die Werbe-Industrie. Ist das ein eher ungeliebter Broterwerb für Dich oder kannst Du auch dieser Art von Auftrags-Arbeit etwas abgewinnen?

Stephan Hagenow: Nun, vor ca. drei Jahren hab ich endlich den Schritt zum Vollprofizeichner vollzogen. Ich sehe somit in jeder Form des Zeichnens eine Herausforderung. In der Werbung musste ich nur lernen auf Anleitung zu zeichnen, z.B. mit Regisseuren, was mir sehr liegt. Der Werbefilm könnte somit genauso gut ein Kinofilm sein, die Mechanismen sind die selben. Man braucht hierfür nur Talent und eine schnelle Auffassungsgabe. Ich besitze beides, womit ich mir inzwischen auch einen ziemlichen Namen auch außerhalb der Comicszene gemacht habe. Ein Bild sagt eben mehr als 1000 Worte .

Splash: Für welche Firmen/Produkte schwingst Du zur Zeit den Zeichenstift?

Stephan Hagenow: Die typischen, die man eben aus der Glotze kennt.

Splash: Ich merke schon, zu dem Thema willst Du Dich lieber in mysteriöses Schweigen hüllen... Dann zu etwas anderem: Du warst dieses Jahr am Gringo-Stand beim Comic-Salon in Erlangen mit dabei und hast laut Ober-Gringo Holger Bommer pausenlos signiert. Hast Du trotzdem noch was von der Veranstaltung mitbekommen?
Stephan Hagenow: Leider nein, ich war völlig in Trance und hab über drei Tage geackert wie ein Ackergaul. Aber auch Martin Frei ["Superbabe"] und Holger Bommer ["Fack, die Henne"] waren alles andere als untätig.

Splash: Stehen noch weitere Signier-Termine für dieses Jahr an?

Stephan Hagenow: Wohl eher nicht. Meine Zeit ist verdammt knapp geworden bei sechs Serien und vielen Werbejobs. Meine Fans müssen mich wohl alle zwei Jahre in Erlangen abfangen. Das war ein schönes Déjà-vu-Erlebnis, all die vertrauten Gesichter nach so langer Zeit wieder zu sehen. Hagenow-Fans halten einem eben auf ewig die Treue...

Berserker #1 und Jana Bonda #1 erscheinen Ende November / Anfang Dezember 2004. Tumba #1, Rattenmeute #2, Samurella #3 und Joe Darling #7 sind beim Comichändler Eures Vertrauens oder direkt bei Gringo Comics [www.gringo-comics.de] erhältlich.



Special vom: 06.10.2004
Autor dieses Specials: Andreas Völlinger
Kategorie: Allgemein
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