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Lescheks Flug - Interview mit Sebastian Stamm
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Vor kurzem erschien bei Rotopolpress mit "Lescheks Flug" ein turbulentes Weltraumabenteuer mit witzigen und hochspannenden Szenen. Wir haben den Autor und Zeichner Sebastian Stamm einige Fragen zu seinem Comicwerk gestellt und präsentieren Euch in diesem Special die ausführlichen Antworten, neben der Rezension und einer umfangreichen Leseprobe. Viel Spaß!

Sebastian_StammHallo Sebastian, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung von "Lescheks Flug".
Der Comic bildet deine Abschlussarbeit an der Kunsthochschule Kassel. Hast Du Dir die Story erst zu diesem Zeitpunkt ausgedacht oder spukte die Idee schon lange vorher in deinem Kopf herum?

Als ich mit der Arbeit an Lescheks Flug anfing, hatte ich ein riesiges Set an verschiedenen Figuren und an die acht mögliche Szenarien für Geschichten. Einzige selbstgewählte Prämisse von vorne herein war, das der Comic eine inhaltliche Verbindung zu dem Indiegame Tiny & Big: Grandpa’s Leftovers haben sollte. Das Spiel hatte ich als Creative Director des Spielstudios Black Pants im Sommer 2012 veröffentlicht. In einer frühen Phase der Ideensammlung für den Comic zeichnete ich den Großvater aus dem Videospiel. Da dieser seinen Lebensunterhalt mit dem Sammeln besonderer Steine verdienen sollte, fand ich es passend, ihm einen Robotergehilfen zur Seite zu stellen. Danach spielte ich viele Situationen und Grundgeschichten mit diversen Charakteren durch. Letztendlich blieb nicht der Großvater, sondern der Roboter als Hauptfigur übrig und bekam am Ende den Namen Leschek.

Wie lange hast Du insgesamt an "Lescheks Flug" gearbeitet? Wurde der Comic für die Veröffentlichung noch einmal überarbeitet?
Ich habe ungefähr ein halbes Jahr über die Geschichte und die Figuren nachgedacht und an Storyboards gearbeitet. Die eigentliche Zeichenarbeit dauerte dann weitere 6 Monate.

Vor der Veröffentlichung wurde das gesamte Buch intensiv vom Verlag Rotopolpress und befreundeten Illustratoren lektoriert. Zusammen haben wir die Dialoge geschliffen, was dem finalen Buch sehr gut getan hat. Hierfür bin ich Rotopol und allen anderen sehr dankbar.

leschekWie ordnest Du die Hauptfigur Leschek ein? Als Loser oder als verkannter Held?

Für mich war Leschek schon immer eher der normale Angestellte, der unzufrieden mit seinem Job ist. Durch einen glücklichen Zufall erhält er die Chance, alles zu ändern. Wichtig war mir, dass er das Abenteuer nur mit der Hilfe eines anderen Charakters bestreiten konnte.

Sein menschlicher Pilot Faarman ist hingegen ein extrem unterbezahlter Landarbeiter. Kann man hier eine sozialkritische Komponente herauslesen oder passt diese Einstufung bloß gut zur Story?
Ich hatte weniger die sozialkritische Komponente im Sinn, als einen ähnlichen Ausgangspunkt beider Hauptfiguren. Leschek und Faarman sind mit ihrer anfänglichen Situation unzufrieden und haben beide einen gemeinsamen Traum. Aus eigener Kraft können sie diesen nicht erreichen. Leschek ist stur und weltfremd, seine Flucht von seinem Heimatasteroiden wird erst durchführbar mit dem naiven Vertrauen, das ihm Faarman entgegen bringt.

Du gibst den Figuren viel Platz für ihre Emotionen. Dadurch wirkt Leschek beispielsweise gleich zu Beginn sympathisch. Wie wichtig ist Dir der Bezug der Figuren zum Leser?

Für die Geschichte, die ich erzählen wollte, sind Lescheks Emotionen sehr wichtig. Ich wollte, dass er möglichst menschlich und unperfekt wirkt. Sein Erscheinungsbild ist eher gemütlich, er hat eine Delle am Kopf und trägt als Zeichen seiner Individualität einen Hut. Faarman sieht ihn dadurch auch nie nur als Roboter, sondern als Freund.

Auf deiner Homepage ist eine Zeichnung mit dem Titel "Ultimate Disaster Machine" zu sehen, welche starke Ähnlichkeiten mit dem fertigen Cover hat. Aus welcher Phase des Projektes entstammt diese Grafik?
Die Zeichnung entstand, als das Buch fast fertig war und ging als Beitrag zu einer Gruppenausstellung bei Rotopol. Ich war gedanklich tief in Lescheks und Faarmans Welt und wollte die beiden in ein anderes, vom Buch unabhängiges Szenario setzen. Im Grunde ist die Zeichnung eine Skizze für ein noch bevorstehendes Abenteuer.

leschek_staunt

Anfangs ungewöhnlich sind die kleinen Grafiken, welche hin und wieder als Textersatz in den Sprechblasen vorzufinden sind. Welchen Anreiz gab es für Dich dieses Stilmittel zu verwenden?
Am Anfang der Geschichte beispielsweise spielt der Banjospieler (der auch der Besitzer der lokalen Bar Kiesel ist) ein Lied über den Asteroiden Neulins. Ich wollte, dass in dieser Sequenz das Lied im Zentrum steht. Es dient als Einführung in die Welt, in der die Geschichte stattfindet.
Diesen Soundtrack wollte ich nicht mit weiteren Sprechblasen mit Text stören, da diese zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Die Sprechblasen mit Piktogrammen sind wie das natürliche Hintergrundrauschen.

raumschiffWie viele Versionen des "Würfelrhumpler" ­Raumschiffes hast du entworfen, bis es zum fertigen Modell des ziemlich unorthodoxen Modells gekommen ist?
Als Kind habe ich mit meinem Großvater, der Feinmechaniker war, vielen Stunden in seiner Werkstatt verbracht. Ich glaube wegen dieser ganzen Zeit zwischen Zahnrädern und alten Radioröhren habe ich ein Faible für Mechanik und Maschinen entwickelt. Das Raumschiff sollte im Sinne der Geschichte alt, klobig und möglichst unsexy aussehen. Wie ein Traktor mit Cadillac Rücklichtern. Nach groben Skizzen habe ich das ganze Schiff aus Klötzchen in 3D gebaut und am Ende die Details wie die Klappen an der Seite hinzugefügt.

Schon beim ersten Durchblättern fallen die sehr komplexen Grafiken auf. Wie sieht deine Arbeit an den Zeichnungen aus? Entwickelst Du die kleinen Details, die sich überall finden lassen, erst im Nachhinein, oder gehört dies schon zu deinem Grundkonzept?

Zeichnerisch war meine Neigung zu Details schon immer da. Entwickelt werden sie aber meist bei einem Projekt erst während des Zeichnens. Es gibt also am Anfang keinen großen Masterplan, der jedes Detail vorgibt. Sobald die grobe Komposition eines Panels steht, gehe ich relativ schnell dazu über, das Bild rein zu zeichnen. Da an diesem Punkt schon klar ist, an welchen Stellen sich was befindet, fülle ich die Leerstellen nach und nach mit immer mehr Details. Nach der vorangegangen Plan­ und Strukturierungsarbeit ist diese Phase für mich immer die Belohnung.

Der One­Shot bietet viel Platz für mögliche Fortsetzungen. Ist etwas in dieser Richtung geplant?
Definitv ­ ich kenne Leschek und Faarman ja erst seit einem Buch. Ich will die beiden unbedingt noch besser verstehen und bin gespannt, was sie als nächstes machen. Gerade überlege ich, den nächsten Teil als kleines Spiel umzusetzen, da ich die letzten Jahre hauptsächlich an Spielen gearbeitet habe. Das wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

pilotwanted

Bekommt der Leser den wackeren Weltraumhelden Bafoonious noch einmal zu Gesicht?
Ich denke schon, er ist ja schließlich der Schutzheilige von Leschek und Faarman.

Noch mal zum Thema Abschlussarbeit: Da es immer mal wieder wirklich sehenswerte Diplomarbeiten auf den Comicmarkt schaffen, stellt sich mir die Frage, wie viel Potential in den Hochschulen noch steckt. Wie sind deine Erfahrungen in Bezug auf Comics an Hochschulen?
Für mich persönlich waren die Rahmenbedingungen an der Hochschule für meine jetzige Arbeit ausschlaggebend. Meiner Meinung nach benötigt man, um inhaltlich und stilistisch eine eigene Sprache zu finden, zwei Dinge: möglichst viel frei verfügbare Zeit und gute inhaltliche Betreuung.
All das war in meiner Zeit an der Kunsthochschule Kassel mehr als ausreichend gegeben. In einem solchen Umfeld, in dem man nicht nur Scheinen hinterherrennt, entwickeln sich spannende Sachen. Ich sehe die Entwicklung zum Mastersystem eher kritisch und für ein Fach wie z.B. Illustration eher ungeeignet.

Was kann man in Zukunft von Dir erwarten? Welche (Comic­)Projekte erfordern deine Aufmerksamkeit?
Aktuell arbeite ich mit fünf Kollegen in unserem vor zwei Jahren gegründeten Indie Game Studio Black Pants. Im kommenden Jahr steht für mich also erst einmal die Produktion unseres neuen Videospiels im Fokus. Nebenbei arbeite ich zeichnerisch an kleineren Illustrationen und Geschichten, wobei ich kontinuierlich Stoff für den zweiten Leschek sammle.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

neulins


Homepage Sebastian Stamm
Lescheks Flug @ Rotopolpress
Lescheks Flug @ Black Pants
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Special vom: 18.10.2013
Autor dieses Specials: Christian Recklies
Kategorie: Interviews
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Leseprobe
Rezension - Lescheks Flug
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