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Mäcke Häring - Interview mit Michael Schröter
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Der Berliner Künstler Michael Schröter hat mit seinen Privatdetektiv Mäcke Häring einen mittlerweile auf zwei Bände angewachsenen Mikrokosmos geschaffen, der den Leser tief in das Berlin der 1920iger Jahre hineinzieht. Im Folgenden präsentieren wir Euch ein ausführliches Interview mit dem Autor und Zeichner, sowie die Rezensionen der beiden Mäcke Häring-Comics.

michaelschr__terHallo Michael, vor kurzem ist das zweite Abenteuer von Mäcke Häring erschienen. Dieses Mal ist er auf okkulten Festen, im kriminellen Untergrund und in zwielichtigen Etablissements unterwegs. Zudem wird der Konflikt zwischen der damals frisch gegründeten SS und SA, sowie der Übergang vom Stumm- zum Tonfilm behandelt. Ganz schön viel Stoff für eine Ausgabe, oder?
Ja, sehr viel Stoff. Ich komme zum  Teil ja aus dem Animationsfilm, da will ich maximale Unterhaltung. Es wird Leute geben, denen das zu viel ist. Ich habe es so gemacht, wie ich es auch gern lesen würde.

Besonders markant an Mäcke Häring ist der starke Berliner Dialekt. Hast Du die Abenteuer bereits in Mundart geplant, oder wurde Dir erst während der Arbeit daran klar, dass die Geschichte evtl. nur so funktioniert?
Komischerweise merkt man so ein wenig die Geister dieser Stadt. Und ich nehme das Texten in diesem Jargon nicht so wichtig. Ist eher ein überraschender Nebeneffekt. Außerdem wäre es ja auch dumm, dieses Mittel zu vergeben, wenn man echter Berliner ist. Zudem sind mir dabei die ganzen Redensarten aus der Kindheit wieder eingefallen. So konnte ich sie ein wenig festhalten. An manchen Tagen fühle ich so richtig, wie mich Berlin aufgesogen hat.

In beiden Bänden wird kurz das Weltkriegstrauma der ehemaligen Soldaten behandelt. Wie beherrschend war diese Thematik noch Ende der zwanziger Jahre und warum findet sie Eingang in beide Geschichten?

Über den ersten Weltkrieg wurde sich literarisch mehr auseinander gesetzt (Remarque, Renn, Hesse usw.). Es gab danach einen Aufschwung in den Köpfen, der auch eine Ursache der riesigen künstlerischen Kreativität in dieser Zeit war. Nach dem Zweiten Weltkrieg war dann der absolute Neuanfang. Da fiel so viel durch die Raster. Ich denke, dadurch fehlt uns heute etwas. Dass wir wenig über die Freuden unserer Vorfahren wissen, hat mit den Kriegen zu tun.

Ey_HaeringNeben dem Privatdetektiv Mäcke Häring spielt Franz Kain eine wichtige Rolle in beiden Abenteuern. Dabei wechselt er die Position vom trinksüchtigen Schläger zum cleveren Frauenheld. Wie kam es zu dieser Wandlung? War Dir von vornherein klar, dass die Figur einen weiteren Auftritt bekommt?
Das war so geplant. Der unberechenbare Franz sollte Garant fürs Abenteuer werden. Im zweiten wurde er zahm. Zu wenig Alkohol. Aber das kann sich ja wieder ändern.

Mäcke Häring trifft in seinen Abenteuern auf einige hochkarätige Persönlichkeiten. Obwohl der Hintergrund ziemlich real ist, arbeitest Du hier mit fiktiven Personen. Warum verzichtest Du auf die Verwendung von damaligen Künstlern?
In diesen Geschichten soll nicht alles ganz genau stimmen. Es ist eine Improvisation über die Endzwanziger. Vor lauter Recherche könnte ich mir sonst keinen mehr ausspinnen.  Außerdem waren die meisten Schicksale auch einfach zu traurig und ungerecht. Ich markiere lediglich das Revier; wer mehr wissen will, soll nachschlagen. Da gibt es viel entdecken,  es war richtig was los in der Zeit.

In den Veröffentlichungen sind in vielen Szenen Werbeschilder von alten Marken zu finden. Was hat es damit auf sich?
Diese alte Reklame war großartig und sie sprengt meine eigene Grafik.

Maecke_Auto

Wie viel Rechercheaufwand war für die beiden Detektivgeschichten notwendig?
Anfangs war Heinrich Zille meine Quelle. Inzwischen kommt aber eins zum anderen. Ein kleines Zitat führt zu einem ganz neuen Thema. Interessanter Nebeneffekt dabei ist, dass sich herauskristallisiert,  wie oft in Deutschland die öffentliche Meinung gebogen wurde. Da lacht der Ostler in mir.
Es ist schon so, als würde doch ein großer Betonklotz über den alten Zeiten liegen. Unsere Altvorderen haben da nicht viel rübergeholt für uns. Also, sehr viel Recherche. Aber dieses Berlin hat mich sozusagen geschluckt.

Beide Comics wurden von Dir quasi im Eigenverlag herausgegeben. Hast Du erfolglos einen Verleger gesucht oder war es von vornherein geplant, dass die Bände in Eigenregie veröffentlicht werden?
Lustiger Weise hat sich das immer im Vorfeld ergeben. Die Verlage haben sich nicht so richtig entscheiden können, und währenddessen ergaben sich andere Optionen. So schwer fällt das ja auch nicht, weil wenn Du irgendwann davon leben willst, musst Du schon volles Risiko fahren. Geht auch nur durch die Mithilfe meiner Freundin.Maecke_fete

Wie lange hast Du am aktuellen Band gearbeitet? Gerade die vielen ganzseitigen Grafiken sind ziemlich detailliert und aufwendig gestaltet  ...
Ein Jahr.

Band 2 erscheint im großen Album-Format und während die erste Ausgabe vollkommen in schwarz/weiß gedruckt wurde, wird der Leser nun mit einer bunten Farbgebung überwältigt. Welche Hintergründe hat der Layoutwechsel?
Die Jungs vom Groben Unfug und die Formate der Versandtaschen sind der Hauptgrund. Farbig zu zeichnen ist auch eindeutig plastischer. Aber ich mag beide Varianten der Alben. Das erste sollte einfach so sein, wie bei einer Oma unterm Küchenschrank gefunden.

Wie sieht der Entstehungsprozess von der Idee zur fertigen Seite aus?
Die Idee wird einen Tag oder länger mit sich herumgetragen, gärt so ein bisschen vor sich hin, denn nehme ich den Stift und dann passiert es oder auch nicht. Da ich die Messlatte aber für mich sehr hoch ansetzte, wird viel radiert oder rausgeschnitten.

Beim Zeichnen arbeitest Du offensichtlich viel mit Tusche und Pinsel, bist folglich überwiegend ohne digitale Bearbeitung unterwegs. Welche Vorteile bietet Dir dieser Stil?
Keine Ahnung. Ich habe es noch nie anders gemacht. Eines glaube ich aber, da Du weniger die Chance hast, zu probieren, musst Du mehr zum Punkt kommen.

Sind weitere Teile mit dem Privatdetektiv Mäcke Häring geplant?
Bis schon auf Seite 30 des nächsten Mäcke.

An welche Projekte arbeitest Du sonst so?
Bleibt ja kaum Zeit. Für einen Job ähnlicher Art würde ich aber auch mal kurz unterbrechen. Im Frühling kommt aber ein Hippie-Comic „Der Roch’n Roll in Ostberlin“ heraus, Text von Henning Rabe, Zeichnungen von mir.

Vielen Dank die Beantwortung der Fragen.


Homepage von Michael Schöter
BerlinComics.de
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Special vom: 26.09.2013
Autor dieses Specials: Christian Recklies
Kategorie: Interviews
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Leseprobe
Rezension Mäcke Häring 1
Rezension Mäcke Häring 2
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