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Specials Eventspecials

Interview mit Stephan Hagenow
Stephan Hagenow

Stephan Hagenow aka Opa Joe ist seit fast 30 Jahren im Comic-Business unterwegs und nach eigener Angabe "Europas produktivster Comic-Zeichner". Seine Serien, u.a. "Joe Darling" und "Rattenmeute", erscheinen bei Gringo Comics (www.gringo-comics.de).

SPLASH:
    Okay, Opa Joe, mach´s Dir an der virtuellen Bar gemütlich, greif Dir einen Drink Deiner Wahl und lass die Splash-Inquisition über Dich ergehen... "Europas produktivster Comiczeichner" - ist das eher augenzwinkernde Selbstpromotion oder hast Du Dir den Titel Deiner Meinung nach wirklich verdient?
Opa Joe:
    Nun, bei inzwischen fünf Serien, wo ich Autor und Zeichner bin, und bei einem Jahresoutput von ca. 300 Seiten (Pencils + Inking) bin ich neben Jack Kirby und John Buscema wohl ein würdiger Anwärter auf den "Guiness Buch der Rekorde"-Titel, oder? (grins) Das fällt nur leider nicht so auf, da mein Verleger mit meinem Tempo nicht so recht mithalten kann. Aber ich hoffe, das ändert sich mit steigendem Erfolg in den nächsten Jahren.
Joe Darling SPLASH:
    "Joe Darling", "Rattenmeute", "Samurella", "Tumba" ...Erzähl doch mal ein wenig zu den einzelnen Serien. Worum es geht, was bisher erschienen ist oder was in nächster Zeit erscheinen wird.
Opa Joe:
    "Joe Darling" ist eine Science Fiction-Serie mit Italo-Western-Elementen und erfreut sich immer größerer Beliebtheit ...Autorenmäßig ist das meine Experimentierserie, die dem klassischen Stan Lee-Schreibstil am nächsten kommt, obwohl hier keine Superhelden vertreten sind, aber jede Menge Ironie und Anspielungen. Neulich hat mir ein Fan sogar erzählt, dass "Joe" zu seinen Lieblingsserien zählt. (Gibt es ein schöneres Kompliment?)

Rattenmeute
    "Rattenmeute" ist ein Endzeitcomic, der ebenfalls mit Italo-Western-Elementen bestückt ist. Die Helden sind eine Bande aus schäbigen Plünderern, die sich mit riesigen Mutantenratten um die letzten Dinge fetzen, für die es sich noch zu sterben lohnt. Ein Serienkiller und eine Vision ("Bachus") mischen auch mit und sind schon jetzt Kultfiguren. Selten war mein Humor so krank und böse wie hier. (Rattenmeute erscheint als 96 Seiten-Paperback. Buch 2 hab ich grad abgeliefert. Erscheint zum Comicsalon in Erlangen ´04 ...und ab dann einmal pro Jahr.)

    "Samurella" ist ein Porno der humorigen, sehr schrägen Art. "The Munsters" meets Porno wäre die passende Beschreibung. Für mich noch ein relativ neues Terrain. Macht mir sehr viel Spaß, da es mal eine Serie von mir ist, wo nicht gekillt wird. Die Vorbestellungen laufen gut und ich hab grad Heft 2 gepencilt. (Heft 1 erscheint im Februar ´04 neben Blue Panels 4, welches auch zur Hälfte aus "Samurella" besteht.)

    "Tumba" kennen vielleicht schon ein paar Leser aus "Menschenblut" Nr. 36. Auch die Figur ist jetzt bei Gringo, meinem Hausverlag, gelandet. Tumba ist ein Horrordetektiv, der mit merkwürdigen Geschehnissen konfrontiert wird. Eine Mischung aus Splatter und Science Fiction. Dario Argento meets Jack Arnold wäre hier die passende Definition. (Die erste Story bei Gringo handelt von mutierten Riesenspinnen und erscheint in Kürze als Piccolo-Heft ...ist sozusagen eine Hommage an meine "Utopische Welt"-Zeit. (Die älteren Leser werden sich in einem Déjà-vu-Anfall erinnern, grins.)  
SPLASH:
    Wer so produktiv ist, hat bestimmt irgendein Motivationsgeheimnis. Was treibt Dich an? Die Hoffnung auf relative Berühmtheit und Sex mit Groupies? Das Verlangen nach Anerkennung? Oder bist Du einfach süchtig danach, die Auswüchse Deiner Fantasie in Comic-Form zu Papier zu bringen?
Opa Joe:
    Nein, so ein Quatsch wie Promi-Ruhm hat mich nie interessiert, dafür bin ich zu uneitel. Woran ich wirklich immer geglaubt habe und noch glaube, ist Bestimmung. Ich mache die Geschichten in erster Linie für mich und erst dann fürs Publikum. Ich tauche richtig ab in andere Welten beim Schreiben. Das ist immer wieder spannend, da ich meine Figuren an der langen Leine lasse. Fast alles kann also passieren, außer dem Tod der Titelhelden. Das ist nun mal der Fluch bei Endlosserien, aber damit komm ich klar.
SPLASH:
    Kannst Du von Deinen Comics leben und wenn nicht, wie hältst Du Dich finanziell über Wasser?
Opa Joe:
    Nun bin ich inzwischen ein alter Sack von 40 ...und bin somit wesentlich motivierter als mit 30 meine Ziele konsequent zu verfolgen und zum Erfolg zu führen. Wenn einem so was nach fast 3 Dekaden in diesem Business nicht gelingt, wird man meiner Meinung nach unglaubwürdig. Aber es sieht gut aus. Die Hälfte meiner Einnahmen kamen im letzten Jahr aus der Comicschiene. Tendenz steigend.
SPLASH:
    Brauchst Du bestimmte Arbeitsbedingen beim Zeichnen? Hörst Du z.B. Musik dabei und wenn ja, was für welche?
Holy Moses Cover Opa Joe:
    Ohne Mucke geht bei mir gar nix, auch beim Schreiben nicht... Das geht bei mir von Enigma bis zum härtesten Trash-Metal, je nach Stimmung. Für Metal-Kultsängerin Sabina von "Holy Moses" mach ich seit der letzten CD sogar die Plattencover. (eine besondere Ehre)
SPLASH:
    Kurzer Rückblick: Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Kontakt mit Comics erinnern. Wie alt warst Du und um was für einen Comic handelte es sich?
Opa Joe:
    Das ist wohl die Frage der Fragen, die ja sozusagen mein Schicksal besiegelt hat. Hmmmmm... das war wohl ZACK im Jahr ´72 mit "Commanche". Das war die Story, wo Red Dust mit der Postkutsche in die Stadt kommt und seinen ehemaligen Freund "Kenntucky Kid" trifft. Hermann und Jose Ortiz ("Zendo Der Hai") hatten mich damals am stärksten durch ihren dreckigen Realismus beeindruckt. Mit Kinder-Funnys konnte ich damals wie heute nix anfangen.
SPLASH:
    Wie bist Du dann später in die Comicszene gerutscht und was war Deine erste Profi-Arbeit?
Opa Joe:
    Meine erste Veröffentlichung war in "Comic Reddition" ...das war ´85. (Gott, ist das alles lange her.) Aber als Profi-Arbeit würde ich das nicht unbedingt bezeichnen. Auch damals war mein Held schon ein Kopfgeldjäger (wie Joe Darling). Ich hab mich also Gott sei Dank nicht wesentlich weiter entwickelt, grins.
Joe 7 SPLASH:
    Zurück in die Zukunft: Von Deiner Serie "Joe Darling" erscheint in Kürze Nummero 6 und ich glaube, die Nummern 7 bis 9 sind auch schon in Arbeit. Ist die Serie als Endlos-Story angelegt oder hast Du eine bestimmte Heftnummer im Auge, bei der Schluss ist?
Opa Joe:
    Na, da sind wir ja auch schon wieder bei dem guten, alten Joe, grins. Ja, im Februar erscheinen Joe 6+7 zusammen. Mit der Nr. 6 endet die Heft-Ära ...und ab der Nr. 7 erscheint Joe als Paperback mit dreimal soviel Seiten ...also richtig viel Lesestoff. Mit der Nr. 7 startet auch ein neues Abenteuer, welches diesmal unter Wasser spielt ...eine ziemlich coole Sache. Alle meine Serien sind als Endlosserien konzipiert. Schluss ist also, wenn ich abkratze ...aber das dauert hoffentlich noch ein wenig, denn ich hab noch ´ne Menge zu erzählen.
SPLASH:
    Deine Arbeit scheint sich nicht nur auf den Comic-Sektor zu beschränken. Stimmt es, dass zu Deinem Horror-Comic "Tumba" auch ein Film produziert wird?
Tumba
Opa Joe:
    Ja, es stimmt, aus "Tumba" soll ein Film gemacht werden ...mit Italowesternlegende Peter Martell, der witzigerweise genau wie meine Figur nur ein Auge hat. Einen ersten Auftritt hatte Peter als Tumba bereits in einem Musikvideo mit der Gruppe Tanzwut. Neben der Augenklappe trägt er da einen schwarzen Ledermantel. Sah schon recht überzeugend aus ...war aber auch irgendwie entfremdend, wenn auf einmal die eigene Kreation auf der Mattscheibe auftaucht.
SPLASH:
    Inwieweit bist Du in die Produktion involviert und wann soll der fertige Film erscheinen?
Black Water Moon Opa Joe:
    Mein Regisseur hat erst mal das Horror-Projekt "Tears of Kali " mit Peter Martell und Mathieu Carriere vorgezogen. Er macht in diesem Fall die Produktion, Regie führt Ex-Comiczeichner Andreas Marschall. Das "Tumba"-Filmprojekt kann sich noch in die Länge ziehen. Das ist in dieser Branche ja nicht unüblich. Mein Anteil an der Arbeit wäre natürlich das Shootingboard. Peter Martell hatte da schon was von mir gesehen und fand das super. Die Story wäre natürlich auch von mir und das Drehbuch vom Regisseur ...aber das kann noch dauern.
SPLASH:
    Es liegt ja auf der Hand, dass Du selbst ein großer Fan von Horror- und Trash-Filmen bist. Was sind Deine persönlichen Lieblingsstreifen?
Opa Joe:
    Da jetzt welche rauszugreifen, unter mindestens 3000 Streifen, würde der Sache wohl nicht gerecht werden, aber "Dawn of the Dead" von Romero (der im Kaufhaus) zählt immer noch zu meinen Favoriten wegen der echt geilen Vision . Ansonsten haben es mir hauptsächlich die italienischen Italo-Western, Polizeifilme und Giallos [ital. Thriller mit einer ordentlichen Portion Sex & Violence] angetan ...die gehen voll zur Sache ...besser gesagt: Worin unterscheiden sich ein italienischer und ein amerikanischer Horrorfilm? In einem amerikanischen Horrorfilm werden die Teenager nur umgebracht wenn sie Sex hatten. In einem italienischen Horrorfilm werden die Teenager auf jeden Fall gekillt ...gefällt mir, grins .
SPLASH:
    Im Online Shop auf der Gringo-Homepage steht unter Deinen Comics so schön "Nur für Erwachsene - Altersnachweis erforderlich". Hast Du Dich auch schon mal an einem All Ages-Comic versucht oder liegt Dir das einfach nicht?
Opa Joe:
    Lies meine Comics, dann weißt Du, warum ich so was nie machen werde. Es gibt Leute, die behaupten, ich wäre rüde. Diese Leute haben recht, grins.
SPLASH:
    Bei der Art von Comics, die Du machst, hattest Du 100 % schon ein paar Zusammenstöße mit den Jungs und Mädels von der BPJS. Gab es erzählenswerte Erlebnisse mit den Jugendschützern?
Opa Joe:
    Eigentlich bin ich eher verschont worden ...oder besser gesagt " Gott sei Dank". Zum Album "Rattenfalle" (Alpha Verlag) gab es damals in einer Jugendsendung einen Bericht. Ich dachte nur "Ohhh Gott, jetzt machen die mich fertig." Aber das Gegenteil war der Fall ...die hatten fetzige Bilder von mir mit geiler Rockmusik untermalt und eher noch Werbung für mich gemacht.
SPLASH:
    Bei Deinem Comic-Output ist es zwar nur schwer vorstellbar, aber ich habe gehört, Du hättest noch ein weiteres Projekt in Planung. Eine 007-Parodie oder so... Fakt oder Gerücht?
Samurella Opa Joe:
    Stimmt, die 007-Parodie soll meine zweite Pornoserie werden ....kann da aber im Moment noch nix zu sagen da es mit meinem Verleger noch nicht abgeklärt ist. Da er aber schon von einem Samurella-Crossover spricht, ist eine Veröffentlichung ziemlich realistisch. (Mehr dazu in unserem nächsten Interview, grins.)
SPLASH:
    Bist Du 2004 irgendwo live zu begutachten?
Opa Joe:
    Vermutlich signier ich auf der nächsten Hamburger Comicbörse und natürlich in Erlangen ´04 am Gringo-Stand.
SPLASH:
    Gibt es noch etwas, das Du den Leuten da draußen gerne mitteilen möchtest?
Opa Joe:
    An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass die Vorbestellungen für uns als Independent-Verlag überlebenswichtig sind, denn ohne Vorbestellungen wird gar nicht erst gedruckt. Die Fans von mir, die meine Sachen erst im Laden kaufen wollen, sollten also lieber dazu übergehen, meine Serien zu abonnieren. Das garantiert den Serien eine beständige Langlebigkeit, thanks.

Andreas Völlinger


Special vom: 28.02.2004
Autor dieses Specials: Andreas Völlinger
Kategorie: Allgemein
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