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Comic-Besprechung - Jonas Fink – Gesamtausgabe 1

Geschichten:
Kindheit
Die Lehrjahre
Text und Zeichnungen: Vittorio Giardino


Story:
Jonas Fink ist ein intelligenter Junge, der in Prag kurz nach dem 2. Weltkrieg groß wird. Er hat es nicht leicht, denn sein Vater, der Arzt Dr. Arthur Fink, gerät in das Visier der politischen Polizei der Tschechoslowakei. Stalins Unterdrückungspolitik reicht bis in die Metropole an der Moldau. Als dann Arthur Fink inhaftiert wird und gleichzeitig Jonas die Höhere Schule nicht besuchen darf, scheint sich das Leben gegen die Finks verschworen zu haben. So muss der Junge durch Botengänge und Arbeiten auf einer Baustelle mit dazu beitragen, sich und seine Mutter über Wasser zu halten. Aber der soziale Verfall ist nicht aufzuhalten. Das Blatt wendet sich erst und die Lage scheint sich zu stabilisieren, als Jonas beim Buchhändler Pinkel eine Anstellung findet. Aber mit dem neuen Aufgabengebiet gerät er auch in neue Kreise, studentische Kreise, die sich aus dem Klammergriff Stalins befreien wollen.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Zwischen 1997 und 1998 erschienen bei Carlsen drei Bände der Serie „Jonas Fink“: „Eine Jugend in Prag“, „Lehrjahre“ und „Verdachtsmomente“ – wobei Bände zwei und drei eigentlich ein Band sind, der nur aufgrund der Albumlänge zweigeteilt wurde. Mit dieser Veröffentlichung war der erste Zyklus der Serie abgeschlossen und kaum einer ahnte, dass der Italiener Vittorio Giardino 2018 noch einen einbändigen zweiten Zyklus nachschieben würde. Das erscheinen eben jenes zweiten Zyklus in Italien veranlasste Salleck Publications eine zweibändige Gesamtausgabe herauszubringen. Der erste Teil beinhaltet die ehemals bei Carlsen erschienenen Bände.
Mit der Arbeit von Giardino wurde ich das erste Mal 1985 konfrontiert, als der Band „Ungarische Rhapsodie“ erschien. Der Comic faszinierte mich von Anfang an. Vor allem seine historische Authentizität und seine Komplexität machten für mich den Band zu einem Lesegenuss, der sich auch bei den anderen Bänden um Max Friedman fortsetzte. Leider habe ich später nie bei den Bänden von Jonas Fink zugeschlagen. Und das ist für mich jetzt unbegreiflich, denn die Geschichte um den jungen Buchhändler, der die Tschechoslowakei kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges erlebt, steht dem Spionagethriller um Friedman in nichts nach.
Giardino nennt seine Serie im Vorwort der Gesamtausgabe einen Erziehungsroman im Comic. Bei einem Erziehungsroman wird der Protagonist durch eine Abfolge von Ereignissen zu einem besseren Menschen erzogen. Stets beginnen die Geschichten im Kindes- oder Jugendalter. 
So auch bei „Jonas Fink“. Der Held in der Serie von Giardino erfährt am eigenen Leib, wie es ist, in einer Diktatur groß zu werden. Er erlebt Verrat, Intrigen und Angst in der stalinistischen Tschechoslowakei. Seine Kindheit ist beendet, mit dem Zeitpunkt, als er die Schule verlassen muss und zum Einkommen der nun kleinen Familie beiträgt. Erst als er in der Buchhandlung anfangen kann, macht Jonas nach und nach Entwicklungsschritte durch. Diese „Erziehung“ schreitet fort als er sich parallel dazu den Studenten in der so genannten Gruppe „Odradek“, einem Zirkel von Jugendlichen, der sich mit verbotener Literatur auseinandersetzt, anschließt. Hier lernt er die Liebe kennen und die Macht des geschriebenen Wortes. 
Giardinos klare Bildsprache als Vertreter der „Ligne claire“ sorgt dafür, dass sich der Betrachter ganz auf den Verlauf der Geschichte konzentrieren kann. In fesselnden Bildern beschreibt er die Naivität, mit der sich die Gruppe „Odradek“ gegen den Staat auflehnt. Klassische Seitenarchitektur mit gerade so vielen zeichnerischen Details, wie sie für den Verlauf der Geschichte von Nöten sind – das zeichnet seine Arbeit aus.
Auf der anderen Seite erweist sich der italienische Künstler bei „Jonas Fink“ einmal mehr als grandioser Erzähler. Mit viel Liebe zum Detail führt der italienische Künstler seine Leser durch die 1950er-Jahre in Osteuropa. Dabei nimmt er sowohl im Vorwort, als auch im Verlauf der Geschichte Bezug zum Slánský-Prozess. Bei diesem Schauprozess wurden 14 Mitglieder – darunter elf Juden – der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei 1952 wegen politischer Verbrechen abgeurteilt – darunter u.a. Zionismus. Elf Verfahren endeten mit Todesurteilen, die auch vollstreckt wurde. Dieser Prozess, obwohl gar nicht maßgebend für den Plot der Geschichte, steht über den Alben. Denn er verdeutlicht die ganze Barbarei und Willkür, die nach 1945 in Osteuropa herrschte. Gekonnt webt Giardino äußere politische Rahmenbedingungen und eine persönliche Geschichte zusammen. Das ist nicht nur überaus spannend, sondern weitet den Geist des Lesers. Mehr kann man von guter Literatur nicht erwarten.



Fazit:
Eine spannende Geschichte aus Prag während der Stalinzeit. Giardino entwirft einen authentischen Plot, der dem Leser die Ängste und Sorgen der Menschen vorführt. Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite.



Jonas Fink – Gesamtausgabe 1 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Jonas Fink – Gesamtausgabe 1

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Salleck Publications

Preis:
€ 29,90

ISBN 13:
978-3-89908-690-4

160 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Authentizität
  • Charaktere
  • Spannend
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 04.06.2019
Kategorie: Alben
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