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Comic-Besprechung - Abe Sada 2

Geschichten:
Abe Sada 2
Autor: Hideo Okazaki, Zeichner: Kazuo Kamiura, Masako Togawa


Story:
Abe Sada hat es vermeintlich geschafft, ihrem Leben als Geisha, Edelprostituierte und Konkubine zu entkommen, als sie als Kellnerin in einem Restaurant anfängt. Doch als sie eine Affäre mit dem Besitzer des Ladens, Kichizo, anfängt, wird die Leidenschaft der beiden ihnen zum Verhängnis und das vermeintliche Glück wird blutig enden.

Meinung:
Im ersten Band der zweiteiligen Mangareihe Abe Sada, wurde versucht ein Psychogramm der Titelheldin zu erstellen. Dabei ging es vorrangig darum, einen Blick auf die Vergangenheit der Frau zu werfen, ihre Erfahrungen zu schildern und das Umfeld zu erforschen in dem sie aufwuchs, um die spätere Mordtat wenigstens ansatzweise erklären zu können. Es ist sehr lobenswert das der Mord nicht einfach hingenommen wird und ihn mit einer niederen Gesinnung oder gar einfach einem vermeintlich angeborenen bösen Charakter erklärt, sondern die Umwelteinflüsse in Form von sozialen Gefügen und daraus resultierender Erfahrungen hinzuzieht. Man bekam Einblick in das Leben einer Frau die im japanischen Patriarchat nichts zählt und Schuldgefühle wegen ihrer Lebenslust hat. Sie fühlt sich fremd und krank und im zweiten Buch sucht sie sogar einen Arzt auf, weil sie sexuelle Lust verspürt was nach Meinung der männlich geprägten Gesellschaft ein Tabu ist und nicht sein darf. Sie leidet an sich und hat durch die herrschenden Normen ein gestörtes Körpergefühl. Aber leider kam man dem Charakter im ersten Band nicht wirklich näher.

Im zweiten Teil des Klassikers, im Original erschien er schon 1976, welche auch die Erzählung abschließt, ist dann der Mord geschildert und wie es zu ihm kam. Auch wenn man hier scheinbar minutiös vorgeht, so wird die Tat dadurch nicht erklärbarer. Vielleicht ist sie das auch nicht, aber vielleicht hatten die Macher Kazuo Kamimura, Masako Togawa und Hideo Okazaki auch gar nicht im Sinn, eine Erklärung zu liefern. Man kann den Verdacht entwickeln, dass sie sich bewusst zurückhalten, denn schon direkt nach der Verhaftung wurde Abe Sada zu einer Projektionsfläche und gewann recht schnell ihren Platz in der japanischen Popkultur. Mal wurden sie, ihr Leben und ihre Tat sensationslüstern aufgegriffen und der Sex und die Gewalt in den Mittelpunkt gestellt. Mal wurde ihre Handlung und ihr Leben feministisch gedeutet, denn anhand der Frau konnte dargestellt wie ein Patriarchat den Charakter und das Körperempfinden stören kann. Mal war der Blickwinkel abwertend indem sie als verkommene Person geschildert wird deren Lust nur zu Mord führen konnte. Mal entdeckte man in Abe Sada rebellische Züge welche sich gegen die gesellschaftlichen Zustände, verkörpert in Form des Geliebten, auflehnte. Indem hier im Comic nun Leerstellen bleiben, bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück, aber gleichzeitig Raum für die eigene Interpretation und es ist schon ein guter Kniff, dass man alle oben genannten Aspekte hier durchaus erkennen kann und versteht wie der reale Kriminalfall so eine Faszination auslöste und  zu einer  Projektionsfläche wurde.

Das ist eindeutig eine Stärke, genauso wie die spannungsgeladene Atmosphäre, da man ja weiß, dass es zu einer Bluttat kommen wird, wie auch die teils surrealen Elemente. Aber wirklich spannend ist es nicht. Man kennt schließlich den Ausgang, der „Titanic“-Effekt: man weiß dass das Schiff untergehen wird, und die meiste Zeit über liest man über den selbstzerstörerischen Sex zweier Personen die einem nicht näher kommen und einem auch nicht sonderlich sympathisch sind. Das teils surreale Ende, verknüpft mit Zitaten aus der historisch realen gerichtlichen Untersuchung, erhöht dann wieder Abe Sada zu dem Mythos zu dem sie geworden ist und schildert damit sowohl den Mythos als auch warum sie zu ihm geworden ist. Intellektuell ist somit die kurze Reihe durchaus ansprechend, aber emotional bleibt einem vieles zu sehr auf der Strecke.



Fazit:
Eine durchaus interessante Annäherung an den realen Mordfall. Zwar bleiben einem die Personen fern und man ist auch emotional wenig beteiligt, aber die Leerstellen zeigen gut die Interpretationsmöglichkeiten auf und wie eine Mörderin zu einem Mythos werden konnte.

Abe Sada 2 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Abe Sada 2

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 14,99

ISBN 10:
3551717478

ISBN 13:
978-3551717474

216 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Interpretationsmöglichkeiten
  • spannungsgeladene Atmosphäre
  • surreale Elemente
Negativ aufgefallen
  • Personen bleiben einem fern
  • keine emotionale Beteiligung
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Rezension vom: 14.03.2019
Kategorie: Mangas
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