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Comic-Besprechung - Der Himmel ist blau, die Erde ist weiss

Geschichten:
Der Himmel ist blau, die Erde ist weiss
Autor: Hiromi Kawakami, Zeichner: Jiro Taniguchi


Story:
Tsukiko ist eine alleinstehende Frau Ende dreißig und führt ein unaufgeregtes Leben. Sie lebt vor sich hin und hat sich mit dem Allein-Sein arrangiert. Eines Abends trifft sie in ihrem Stammlokal zufällig ihren alten Lehrer wieder, der schon länger in Pension ist. Nachdem sie in ein Gespräch gekommen sind, treffen sie sich immer wieder und langsam entsteht zwischen ihnen eine Freundschaft. Oder ist es sogar mehr?


Meinung:
Der Manga Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß ist schon einmal im selben Verlag erschienen. Nur wurde er damals in zwei Bände aufgeteilt, wohingegen die vorliegende Ausgabe die gesamte Geschichte in einem voluminösen Hardcover  zusammenfasst und man nun in westlicher Leserichtung die Geschichte in einem Stück lesen kann. Welche übrigens laut der FAZ eine der schönsten Literaturadaptionen im Comic sei.

Und wohl kaum ein anderer Mangaka als Jiro  Taniguchi, der leider letztes Jahr verstorben ist, konnte diesen Roman der japanischen preisgekrönten Schriftstellerin Hiromi Kawakami umsetzen. Schließlich geht es hier zwar um eine Liebesgeschichte, aber vor allem um eine vorsichtige Annäherung zweier grundverschiedener Personen die nicht nur durch das Alter getrennt werden. Die Frau, Tsukiko, ist Ende dreißig und trifft zufällig ihren alten Lehrer für Japanisch wieder. Immer wieder treffen sie sich mehr oder weniger zufällig in ihrem gemeinsamen Stammlokal bis eine Freundschaft entsteht die sich immer weiter vertieft. Das entrückt sie zunehmend von anderen Menschen, worauf sich der Titel bezieht, denn der Ausspruch „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ stammt, laut Manga, von Skifahrern, die sich zwischen Himmel und Erde befinden, also in einem Zwischenstadium und zu keinem Element richtig dazugehörend. So empfinden es auch die Personen die sich der Gesellschaft nicht richtig zugehörig fühlen, ohne wirklich Außenseiter zu sein, aber es trifft auch das Verhältnis zueinander das lange ungeklärt bleibt.  Diese vorsichtige Annäherung, wozu natürlich auch der erhebliche Altersunterscheid gehört, findet zunächst durch Gesten und Blicke statt. Und gerade Taniguchi, der ja oft die kleinen Dinge feiert, ist dafür der richtige. Schließlich wird sowohl in seinen eigenen Mangas wie auch in diesem Roman der Alltag mit seinen sinnlichen Genüssen zelebriert. Fans bekommen also wesentliche Merkmale von Taniguchi geboten, da hier viel Raum für Spaziergänge, Essen und Trinken gegeben wird.

Manchmal schon fast zu viel, da es seitenlang nur um die einzelnen Gerichte geht, welche die Protagonisten gerade zu sich nehmen. Und der Alkoholkonsum in dieser verdichteten Erzählung ist nahezu bedenklich, wenn  sich nicht alles über mehrere Monate hinziehen würde und viele zeitliche Aussparungen vorhanden wären. Aber die Geschichte geht keine Nebenpfade, sondern behandelt eigentlich nur das Verhältnis der Protagonisten zueinander. Ein anderes Date der Heldin dient einzig als Kontrastpunkt und schildert ihre Beziehungsunfähigkeit.

Gerade diese Aspekte können einem auch viel Geduld abverlangen, aber da die kleinen Dinge gefeiert werden, wird einem deutlich gemacht, dass man das auch selber machen kann und zeigt zudem, das Glück auch im kleinen liegen kann und man nicht alles sofort erreichen muss, sondern der sinnliche Genuss auch zu einem Glücksgefühl gehört.

Leider ist die Liebesgeschichte etwas flach ausgefallen und wird durch das sanfte Einlullen der Eindrücke verdeckt. Das Verhalten der Heldin Tsukiko ist nicht immer nachvollziehbar. Ist ihre Liebe zum Sensei eine Art ödipaler Natur? Ihr eigener Vater wird nie erwähnt und so bleibt unklar ob der Sensei vielleicht nicht eine Art Vaterersatz ist. Oder ist die Liebe ehrlich? Erstaunlicherweise kommt ein Generationenkonflikt kaum vor. Nur manchmal bricht die altmodische Sichtweise des Sensei hervor, aber ein Streit entsteht deswegen nicht und auch die Moralvorstellungen führen zu keinem Konflikt. So bleibt einem doch etwas schleierhaft was der eine jeweils im anderen sieht. Auch die dramatischen Aspekte fallen ziemlich unter den Tisch, als ob man alles Negative ausblenden wollte. Stattdessen nimmt man zwei merkwürdige Kapitel als Ende, in dem eine Rückschau auf die Kindheit Tsukikos und ihre damaligen imaginären Freunde geworfen wird, die wohl nur die Einsamkeit kaschieren sollen. Diese Szenen kommen zwar auch im Roman vor, aber als Ende taugen sie nicht, sondern wären etwa in der Mitte besser aufgehoben worden. So ist der Band zwar ein schöner und man fühlt sich in ihn hinein versetzt, aber es bleiben einem doch die Charaktere seltsam fern, weswegen die Empathie nur bedingt aufgebaut werden kann. Dennoch empfehlenswert, da er ein angenehmer Kontrastpunkt zu dem immer schneller, lauter, hektischer und bunter ist. Man nimmt sich einfach Zeit füreinander. Und das ist gut so.



Fazit:
Ein schöner Band, der die kleinen Dinge des Alltags feiert. Leider bleibt die Liebesgeschichte etwas unterkühlt und so wird die Empathie verhindert.

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiss - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiss

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 28

ISBN 10:
3551754497

ISBN 13:
978-3551754493

440 Seiten

Positiv aufgefallen
  • realistische Zeichnungen
  • Feiern der kleinen Dinge des Alltags
  • Vertiefung einer Beziehung minutiös aufgezeichnet
Negativ aufgefallen
  • dramatische und konfliktreiche Aspekte werden ignoriert
  • Charaktere bleiben einem fern
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Rezension vom: 19.04.2018
Kategorie: Mangas
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