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Comic-Besprechung - Gilgamesch

Geschichten:
Gilgamesch
Autor / Zeichner / Colorist: Jens Harder


Story:
In Uruk, dem Königssitz im Zwei-Stromland zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, herrscht Gilgamesch mit unbarmherziger Faust. Erst als ihm mit Enkidu ein ebenbürtiger Gegner entgegengestellt wird, erkennt Gilgamesch seine Fehler und sucht zusammen mit seinem Freund seine Fehler zu sühnen. Fortan durchstreift er die Länder  und will sie von Monstern befreien.


Meinung:
Jens Harder wusste schon mit seinem Mammutprojekt Alpha und Beta zu beeindrucken in dem er nichts Geringeres als die Evolution der Welt und der Menschen beleuchtet. Als kleine Pause von diesem riesigen Unterfangen legt er nun eine Adaption des Gilgamesch Epos vor. Diese Erzählung um einen alt-babylonischen König und Helden ist wohl der älteste bekannte Roman der Menschheit. Harder hütet sich davor, dem Stoff eine Modernisierung angedeihen zu lassen und insofern passt dieser Band auch gut zu Alpha und Beta da er eine Entwicklungsgeschichte aufzeigt, indem er den Ursprung späterer Entwicklungen schildert.

Indem Harder sich einer Modernisierung enthält macht das die Lektüre zwar etwas sperrig, da er sich die gelehrte Übersetzung von Universitätsprofessoren zu Eigen macht was etwas obskur anmuten mag. So klingt die Sprache sehr gestelzt und unnatürlich. Aber es ist schwer zu sagen inwieweit das dem Originaltext oder der Interpretation der Übersetzer zuzuschreiben ist. Denn wer kann schon die antike Keilschrift lesen, um sich selber ein Bild davon zu machen? Auch sind die vielen Redundanzen eher störend, aber das ist nicht Harder anzulasten, sondern kommt in den Originaltexten so vor. Was vor allem an der wohl ursprünglichen mündlichen Tradierung liegt, denn Wiederholungen und immer wiederkehrende Zirkelschlüsse und Elemente machten es dem Erzähler leichter, sich den Stoff anzueignen und in der Wiedergabe weniger zu verfälschen. Lücken im Originaltext, weil die zugehörigen Passagen bislang von den Archäologen noch nicht entdeckt worden sind, werden in Harders Adaption beibehalten und nicht mit selbst erfundenen Momenten ausgefüllt. Ebenso wenig werden logische Brüche geglättet. Und wenn, dann nur ganz leicht, wie Harder im Nachwort zugibt. So taucht auf einmal wieder eine Figur auf, die eigentlich verstorben ist und der Zeichner umgeht das Logikproblem recht geschickt, indem er die Figur als eine Art Geist zeichnet.

Für eine Heldensage ist es übrigens überraschend, dass hier erstaunlich wenig Tatenbeschreibungen vorkommen, sondern eher Dialoge und Introspektionen. Die eigentliche Action ist meist recht kurz und kommt eigentlich nur in den Bildern und kaum im Text vor. Stattdessen wird in Dialogen immer wieder Bezug auf die Kämpfe genommen und eher dort beschrieben als in einem dramaturgischen Ablauf.

Der Einfluss des Gilgamesch-Epos ist enorm und allein schon deswegen lohnt sich die Lektüre, da man hier eben auch Bilder dazu bekommt. Gilgamesch hatte großen Einfluss auf die Kulturgeschichte. Unübersehbar wirkte sich das Epos nicht nur auf die Bibel aus, man denke hier nur an die Sintflut und an das Erbauen einer Arche, sondern der Titelheld ist ein Ur-Held ohne den es weder legendenhafte Helden wie Herkules oder moderne Superhelden gegeben hätte. Dabei überrascht, dass Gilgamesch kein strahlender Held ist, sondern ein zerrissener Charakter der mit seinen Taten eigentlich seine Untaten sühnt und immer wieder an sich und seiner Bestimmung zweifelt, was ihn sehr modern wirken lässt.

Die Zeichnungen wissen zu beeindrucken, da Harder sie wie Reliefs gestaltet hat und nicht in einer modernen Form. Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, verzichtet er auf gängige Darstellungsmittel von Comics. Nur ab und an macht er den Zorn seiner Figuren deutlich indem über deren Köpfen eine dunkle Wolke schwebt. Ansonsten herrscht eine Plastizität vor, welche die Zeichnungen geradezu haptisch wirken lassen. Man also den Eindruck bekommt sie wie die Reliefs anfassen zu können. Und das ist wirklich beeindruckend.


Fazit:
Wer sich auch nur ansatzweise für die Kulturgeschichte interessiert, kommt um diese Adaption des ältesten Romans der Menschheit nicht herum. Zwar ist die Sprache sperrig und die vielen Lücken  erschweren die Lektüre, aber zeichnerisch ist das sehr beeindruckend.


Gilgamesch - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Gilgamesch

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 24,99

ISBN 10:
3551763097

ISBN 13:
978-3551763099

144 Seiten

Positiv aufgefallen
  • werkgetreue Adaption
  • kulturhistorisch interessant
  • gute Zeichnungen
Negativ aufgefallen
  • sperrige Sprache
  • altertümliche Eigenheiten sorgen für anstrengende Lektüre
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Rezension vom: 11.02.2018
Kategorie: Alben
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