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Comic-Besprechung - Torpedo 1972

Geschichten:
Torpedo 1972
Autor: Enrique Sanchez Abuli, Zeichner / Colorist: Eduardo Risso


Story:
Nachdem ein Journalist zusammen mit seiner Freundin im Kino den Film "Der Pate" gesehen hat, möchte er eine Reportage über einen Killer aus der Ära der Prohibition machen. Es gelingt ihm, Luca Torelli ausfindig zu machen. Doch das Interview und der anschliessende Fototermin geraten außer Kontrolle, was eine Spirale der Gewalt enstehen lässt.

Meinung:
Dieser Comic ist eine kleine Sensation. Torpedo ist ein Klassiker des spanischsprachigen Comics und konnte auch hierzulande einen großen Fankreis aufbauen. Trotz mancher Anfeindungen angesichts des Zynismus der Hauptfigur, einem Auftragsmörder im Amerika der 1930er. Luca Torelli ist ein unsympathischer, völlig amoralischer Möchtegern, dessen Waffen locker sitzen, ihm kein Auftrag zu schade ist und der schon vor dem Frühstück Frauen vergewaltigte. Doch war diese Serie nie bloß um die Schauwerte bestellt und wollte nicht zwangsläufig provozieren. Vielmehr war es eine knallharte Hommage an den Pulp und den Film Noir welche gleichzeitig in der Übersteigerung einiger Erzählmittel eine Parodie war. So war hier am laufenden Band ein schwarzer Humor zu finden und neben den spannenden Kurzgeschichten, die durchaus blutig waren, so musste der Anti-Held doch oft einstecken und seine intellektuelle Beschränktheit kontrastierte wunderbar mit dem Auftreten eines weltmännischen Mannes. Hier war der Schein mehr als Sein und entsprach durchaus den Charakteren von heutzutage als Legenden geltenden Gangstern der Prohibitionsära. Neben dem grimmigen Witz und den pointenreichen Storys waren es die Zeichnungen von Abuli welche einen großen Reiz ausmachten.

Nun ist Torpedo in einem einzelnen Band zurück. Der Ur-Autor Enrique Sanchez Abuli konnte niemand geringeren als Eduardo Risso für die Zeichnungen gewinnen, einen der besten lebenden Comiczeichner überhaupt. Dabei ist es auffällig wie harmonisch der Stil in der Nachfolge von Bernet sich eingliedert. Dabei arbeitet auch Risso mit harten schwarz-weißen-Kontrasten die hier weniger stark ausfallen aufgrund der Kolorierung welche puristische Fans enttäuschen dürfte. Aber ebenso wie Bernet kann Risso wunderschöne Frauen zeichnen, übertrumpft aber bei den geschickt aufgebauten Panelfolgen, den gewählten Perspektiven und der Anordnung von Hinter-und Vordergründen noch Bernet. Risso ordnet sich also stilistisch sowohl ein, kann aber auch seinen ganz eigenen Stil und seine Markenzeichen einbringen. Dabei blendet er bei schrecklichen Begebenheiten, wie der Vergewaltigung, geschickt ab, zeigt in einem Panel nur die Soundwörter und wie sich einem Papagei vor Schreck das Gefieder aufstellt. Es ist ein kleiner Gag der das Geschehen nicht verharmlost, sondern mit einem Schmunzeln die Monstrosität deutlich macht.

Überhaupt geht es hier ja um ein Monster. Leider sieht sich Abuli genötigt ein Vorwort zu verfassen, was im Grunde schon die ganze Handlung und die Aussagen vorwegnimmt. Es wäre schöner gewesen, es als Nachwort zu lesen, aber da gibt es immerhin noch einige Skizzen und eine kleine Kurzgeschichte. Leser sollten jedenfalls das Vorwort zunächst überspringen.

Worum geht es hier? Der Titel sagt es schon sehr schön: Torpedo 1972. Es ist nicht mehr Torpedo 1936 (so der offzielle Titel der Reihe), sondern die Story spielt über dreißig Jahre später. Abuli untersucht wie es um einen Gangster, wie man ihn  aus der Serie kennt, im Alter bestellt ist. Was macht ein solcher Mann, der alt geworden ist, verarmt, an Parkinson leidet, nichts gelernt hat und dessen Amoralität sich nicht geändert hat? Er lebt, oder versucht es zumindest, von seinem Ruf, den er im wahrsten Sinne des Wortes verkauft. Seine Treffsicherheit nutzt er für die Jagd nach Tauben, die dann gegrillt werden. Als ihn eines Tages ein Journalist aufstöbert eskaliert eine Situation die einige Toten nach sich ziehen wird. Es ist eine düstere Geschichte voller Sex und Gewalt, aber ähnlich wie die Spätwestern der 1960er und 1970er Jahre ein Abgesang auf ein ganzes Genre. Eine Reflektion darüber, was alternde Revolverhelden später tun, wenn die Epoche die sie hervorgebracht hat, unwiderruflich vorbei ist. Es ist mehr als ein Element des Zeitkolorit wenn sich die Figuren den Film Der Pate im Kino ansehen, in dem ja schon in den 1970er Jahren die Gangster eindeutig aus der Legende heraus geholt wurden und aufgezeigt worden ist das sie auch nur Menschen, wenngleich bar jeder Moral, sind.  Torpedo ist da etwas überhöht, überspitzt, aber das war er schon immer und es ist ein fortwährender Grund zum Schmunzeln wenn dieser alte Mann anzügliche Witze reißt, sich aber selber durch die Unwissenheit demontiert. Was nicht heißt, das sein Kampfgeist erloschen ist. Es gibt nur nichts mehr zu gewinnen, als die Deutungshoheit über sein Leben und das seine Legende am Leben bleibt. Ein intelligenter, spannender, witziger und unbedingt empfehlenswerter Band bei dem der Leser alles richtig machen kann wenn er ihn kauft.


Fazit:
Ein Klassiker ist zurück und schafft nicht nur das Andenken an die Serie  zu würdigen, sondern verpackt in eine packende und lustige Story eine intelligente Metaebene. Und die Zeichnungen von Risso sind wie immer ein Genuß.


Torpedo 1972 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Torpedo 1972

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Cross Cult

Preis:
€ 16

ISBN 10:
3959815417

ISBN 13:
978-3959815413

48 Seiten

Positiv aufgefallen
  • düster schwarzhumorige Story
  • Abgesang auf Legenden
  • Metaebene
  • Zeichnungen
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 08.01.2018
Kategorie: Torpedo
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