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Comic-Besprechung - Mutter Krieg

Geschichten:
Aus dem Französischen „Notre mére la guerre – Intégrale
Autor: Kris
Zeichner und Farbgebung: Mael

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet In vielen Ländern ist der 1. Weltkrieg noch stark im kollektiven Gedächtnis verankert. In Deutschland wird meistens lediglich über dessen Auswirkungen, also die Grundlage für den 2. WK, diskutiert. 2014 jedoch jährte sich der Massenexodus zum 100. Mal, was zahlreiche Verlage dazu veranlasste verschiedene Publikationen zu diesem Ereignis auf den Markt zu bringen. Splitter veröffentlicht anlässlich dessen zum einen den Kultroman "Im Westen nichts Neues" und zum anderen die hier vorliegende Graphic Novel "Mutter Krieg".

In dieser beschreibt der Autor Kris drei Mordfälle im Hinterland der Frontlinien. Ein Leutnant übernimmt die Ermittlungen. Angesichts von Hunderttausenden von Toten mögen drei Leichen nicht viel Gewicht haben. Doch die Toten waren Frauen, Zivilistinnen.
Im Laufe seiner Ermittlungen begibt sich der Leutnant unter die Soldaten. Er befindet sich stellenweise unmittelbar an vorderster Front, befragt Soldaten, gerät in Kriegshandlungen und landet im Lazarett. In den Wirren der Kämpfe noch einen Mörder zu finden gestaltet sich dermaßen schwierig, dass die Ermittlungen kaum vorwärts kommen. Immer wieder schlägt der Krieg zu und stoppt alle Fortschritte.

Der Autor nutzt den Plot folglich nicht nur um eine Kriminalgeschichte zu erzählen, sondern auch um den Krieg in all seinen Facetten zu zeigen. Dadurch erfährt der Leser neben den Kämpfen zwischen den Franzosen und den Deutschen auch, wie es im ruhigen französischen Hinterland zugeht und wie die Stimmung dort ist. Zudem legt Kris den Fokus durchgängig auf die Soldaten. Ganz Frankreich scheint voll mit Militär zu sein. In langen Episoden lässt er die Männer zu Wort kommen. Nicht die großen Generäle, sondern die einfachen Soldaten. Alles natürlich im Rahmen der Ermittlungen, denn diese setzen nun bei einer kleinen Gruppe an, die sich aus kriminellen Jugendlichen zusammensetzt, die nur aus dem Gefängnis entlassen wurden sind, um anschließend in den Schützengräben zu sterben. Irgendwo hier muss sich der Mörder befinden. Bei all dem Gefechtslärm, dem stündlichen Sterben und der verlorenen Hoffnung ist natürlich die Stimmung auch durchweg gedrückt. Es gibt in diesem Buch also kein lustiges Karten-kloppen oder ein sagenumwobenes Fußballspiel zwischen Deutschen und Franzosen zu Weihnachten, es gibt nur den Krieg.

Der Leser muss bei den vielen Geschichten, Szenenwechseln und Zeitsprüngen durchaus aufpassen, dass er den Überblick nicht verliert. Die Story ist sehr komplex und die Ermittlungen werden ständig mit Kampfhandlungen vermischt, so dass oftmals nicht klar ist, ob der Leutnant noch seine Aufgabe erledigt oder schon wieder als Soldat im Feld aktiv ist.
Glücklicherweise setzt der Autor die wichtigen Ermittlungserfolge markant in Szene, so dass sie zwischen den ganzen Gefechten und langen Gespräche nicht vom Leser übersehen werden können. Es geht also Stück für Stück vorwärts, wobei der Krieg oftmals für viele Seiten im Mittelpunkt steht. Stellenweise philosophisch angehaucht wird aus Frontbriefen zitiert oder den Hoffnungen der Soldaten ein Ohr geliehen.

Durch diese Mischung bekommt der Leser einen sehr intensiven Einblick in die Gefechte des ersten Weltkriegs. Besonders weil der Autor wirklich nah an die einfachen Truppenteile herangeht erfährt man einiges über deren Vorstellungen vom Krieg. Der vielbeschworene Patriotismus ist hier nirgends zu finden. "Mutter Krieg" bietet folglich mit den drei Frauenmorden einen interessanten Ansatz, der im weiteren Verlauf in eine tiefgründige Darstellung des Krieges mündet. Nicht von oben herab, sondern direkt aus den Schützengräben. Immer im Gespräch mit den Soldaten oder, im weiteren Verlauf, mit deren zurückgebliebenen Verwandten.
Aufgrund der zahlreichen Unterbrechungen der Ermittlungen flacht der Spannungsbogen immer mal wieder ab. Oftmals ist der Wechsel zwischen den Situation aufgrund fehlender Textboxen nicht ganz klar und man fragt sich, ob die Suche nach dem Mörder noch von Erfolg gekrönt sein wird.

Die voluminöse Ausgabe im Überformat wartet also nicht nur mit einer dichten Story, sondern auch mit einer beeindruckenden Grafik auf. Mael, eventuell von Knesebecks „In der Strafkolonie“ bekannt, setzt die Handlung mit detaillierten Zeichnungen um, welche die Schützengräben als schlammige Löcher darstellen und die Verzweiflung in den Gesichtern der Soldaten erkennen lässt. Außerhalb der Kriegsfelder werden die Städte und Dörfer gekonnt in Szene gesetzt. Wirklich markant ist die Darstellung mittels überwiegend erdfarbenen Pasteltönen. Dabei sind die Pinselstriche klar erkennbar, was natürlich keine klaren Kanten zulässt. Gerade in Kampfszenen ergibt sich dadurch ein schier unüberschaubares Gemisch aus roter und brauner Farbe, was angesichts der immensen Zerstörungen, vielen Toten und dem ganzen Chaos gut zur Umgebung passt.

„Mutter Krieg“ ist folglich keine einfache Literatur. Es benötigt volle Konzentration, gibt dem Leser dafür aber einen tiefen und fesselnden Eindruck über die Geschehnisse im ersten Weltkrieg zurück. Hierbei gibt es keine Beschönigungen, keine Oberflächlichkeit, sondern wirklich nur die Grausamkeit des Krieges. In Kombination mit der geschilderten Verzweiflung der Soldaten, aber auch der Zivilisten, stellt dieses Werk ein besonderes Plädoyer gegen Krieg im Allgemeinen dar.

Mutter Krieg - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Mutter Krieg

Autor der Besprechung:
Christian Recklies

Verlag:
Splitter

Preis:
€ 39,80

ISBN 13:
978-3-86869-757-5

256 Seiten

Positiv aufgefallen
  • gelungene Mischung aus Kriminalfall und Kriegsdarstellung
  • Fokus liegt auf den kleinen Mann und der Bevölkerung
  • Schrecken des Krieges werden eindrucksvoll dargestellt
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 20.03.2016
Kategorie: One Shots
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