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Comic-Besprechung - Sarajevo

Geschichten:
„Der Fixer – Eine Geschichte aus Sarajevo“
„Soba“
„Weihnachten mit Karadzic“

Autor und Zeichner: Joe Sacco

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Kann es genug Bücher über einen Krieg mitten in Europa geben, der bis heute von vielen nicht ansatzweise verstanden wird? Reguläre Armeen, Warlords, paramilitärische Einheiten, Söldner, die NATO, allesamt mischten sie hier mit. Jeder gegen jeden. Während Joe Sacco in "Bosnien" bereits über den Ursprung des Krieges und über die Belagerung von Pristina berichtet hat, wendet er sich nun der bosnischen Hauptstadt Sarajevo zu.
Hier erzählt er rückblickend von seinen Treffen mit einem Fixer, einer lokalen Person, die Journalisten durch die Stadt führt und ihnen Interviewpartner verschafft, Kriegsschauplätze zeigt und sich um alles kümmert, was verlangt wird.

Neven, so der Name des Serben, der auf bosnischer Seite Sarajevo verteidigt hat, steht im Mittelpunkt des Buches. Joe Sacco schildert mehrere Treffen und beginnt eigentlich immer mit einem Café, einer Hotellobby oder einer Kneipe. Nach kurzem Händeschütteln, schweift die Story schnell in den Krieg ab. Neven erzählt über die wichtigsten Anführer bei der Verteidigung von Sarajevo, ergeht sich in brenzlige Details und lässt natürlich auch keine Kriegsverbrechen aus. All dies zeigt dem Leser wie komplex selbst dieser Kampf um eine Stadt Mitte der 90iger Jahre gewesen sein muss. Die Anführer der paramilitärischen Einheiten werden erst von der Regierung gefördert, dann bekämpft und schlussendlich bei Seite geschafft. Da der Autor die Geschichte immer wieder unterbricht und die Person des Fixers näher beleuchtet, wird in diesem Band nicht nur die Geschichte des Balkans behandelt, sondern es wird auch gezeigt, wie sich die bosnische Bevölkerung seit dem Kriegsende entwickelt hat. Neven als Bestandteile der Gesellschaft ist quasi das perfekte Spiegelbild. Er schwankt zwischen Euphorie und Resignation, starke Gegensätze, die zwischen jedem Treffen wechseln. Sacco hat es folglich nicht leicht mit seinem Gegenüber und der Leser begleitet diese Zwangsehe voller Neugier, denn Nevens Erzählungen fesseln von Beginn an. Natürlich kann der Journalist Sacco die Berichte nur schwer auf den Wahrheitsgehalt hin überprüfen und wenn man den Fixer so erlebt, wird sicher auch die ein oder andere Übertreibung dabei sein, dennoch wirken die Erzählungen schlüssig und nachvollziehbar.

"Sarajevo" bietet folglich einen tiefen Einblick, quasi aus erster Hand, in die Zeit der Belagerung der Stadt durch serbische Truppen. Dabei wechselt der Autor, wie aus seinen anderen Werken bekannt, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, was interessante Einblicke in die Kämpfe, aber auch in die Nachkriegszeit zulässt. Die Figur Neven steht hier voll im Mittelpunkt und bereits nach einigen Szenen ist der Fokus des Lesers klar auf den Fixer ausgerichtet. Was macht er, was weiß er und vor allem, wie geht es ihm? Damit sorgt Sacco für ein gelungenes Gleichgewicht zwischen den kalten Kriegsfakten und der heutigen Bevölkerung, welche die Gräuel gerne verdrängen will.

Zwei weitere Kapitel haben in "Sarajewo" noch Platz gefunden. Zum einen schildert der Autor ein Interview mit der untergetauchten serbischen Ministerpräsident "Karadzic", welches er mit zwei weiteren Kollegen an einem Weihnachtstag irgendwo im Nichts führt, und zum anderen wirft er einen Blick auf den Musiker Soba, der ebenfalls die Belagerung von Sarajevo miterlebt hat und an vorderster Front gekämpft hat. Schwer traumatisiert erzählt er von kniffligen Einsätzen beispielsweise beim Entschärfen von Tretminen (seiner Spezialität). Immer wieder wird hier auch auf die Gegenwart geschaut, wo Soba ein bekannter Künstler in der Stadt ist und ausschweifende feiern an der Tagesordnung sind. Dennoch merkt der Leser auch hier deutlich, dass der Krieg seine Spuren hinterlassen hat. Soba ist sprichwörtlich fertig mit der Welt, was sich in der exzessiven Lebensweise widerspiegelt.

Zwei Schicksale und unzählige Erlebnisse aus der krisengeschüttelten Region bilden den Stoff, der diese Graphic Novel zu einer unterhaltsamen Lektüre macht. Dass Sacco die Geschichten mit aufwendigen Grafiken versieht, die kein Detail aussparen, dürfte kaum noch der Rede wert sein. Die grafische Seite bietet folglich einen beinah fotorealistischen Eindruck von dem Szenario. Dies ist besonders hilfreich bei der Darstellung der handelnden Personen ist, da hier eine große Verwechslungsgefahr besteht, die der Zeichner aber durch bewusst gesetzte Details und markante Gesichtszüge zu verhindern weiß. Besonders sehenswert sind wieder die zahlreichen Darstellungen des urbanen Sarajevos. Zerstörte Gebäude, Autowracks, matschige Schützengräben, lebendige Fußgängerzonen, vollbesetzte Cafés, rauchige Kneipen, der komplette Gegensatz meistens nur ein Panel entfernt.

Fans von Saccos Arbeiten werden hier sicherlich zugreifen. Allen anderen sei ebenfalls angeraten, sich diese Lektüre nicht entgehen zu lassen, gerade weil der Autor hier Vergangenheit und Gegenwart gekonnt gegenüber stellt und daraus einen interessanten Bericht über die Belagerung von Sarajevo verfasst hat. 

Sarajevo - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Sarajevo

Autor der Besprechung:
Christian Recklies

Verlag:
Edition Moderne

Preis:
€ 26,00

ISBN 10:
3037311339

176 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Belagerung von Sarajevo wird quasi aus erster Hand geschildert
  • Schwerpunkt auch auf das Leben im heutigen Sarajevo
  • wieder zahlreiche großformatige Zeichnungen voller Detailverliebtheit
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 12.11.2015
Kategorie: One Shots
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Alfonz 4/2015
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