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Comic-Besprechung - Können wir nicht über was anderes reden?

Geschichten:
Können wir nicht über was anderes reden?
Autor / Zeichner / Colorist: Roz Chast


Story:
Die Eltern von Roz Chast, George und Elizabeth, leben seit Jahrzehnten in einer symbiotischen Ehe und weigern sich immer über das Altern und Krankheit zu sprechen. Doch auch sie müssen erkennen, dass sie mit über neunzig Jahren nicht mehr alleine klar kommen. Ihre Tochter muss die starrköpfigen Erzeuger nun langsam mit der Realität konfrontieren. Als sich dann der gesundheitliche Zustand von George erheblich verschlechtert kann man die letzten Stationen nicht mehr verdrängen.


Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Der Tod an sich ist ein immer vorkommendes Thema. Es gibt kaum eine fiktionale Erzählung in der er nicht eine Rolle spielt. Sei es das jemand von ihm bedroht wird, jemand trauert oder das Kämpfe ausgetragen werden. Selbst in der Kinder- und Jugendliteratur spielt er eine Rolle da es oft auch darum geht, das die Kinder im Laufe der Zeit verlassen werden. Zum Beispiel wenn ein  Großelternteil stirbt. Pädagogisch gesehen ist das dann ein erstes Heranführen an eines der zentralsten Themen der Menschheit. Der Tod ist allgegenwärtig. Und doch mit einem Tabu belegt. Denn über den Tod spricht man  nicht und man versteckt vor allem den Prozess des Sterbens und alles was damit zu tun hat. Dann ist die kulturelle Bearbeitung etwa in Comics immer auch ein Weg den Tod zu verarbeiten und damit in gewisser Hinsicht auch zu bannen.

Gerade einer der schmerzhaftesten Prozesse überhaupt wird dabei oft ausgeklammert. Nämlich das Sterben an sich. Ein Prozess der einen so nahe geht wie kaum etwas anderes und wofür man große Kunst braucht um alle widerstreitende Erlebnisse und Gefühle in Worte oder in Bilder zu fassen. Zudem muss man da sehr ehrlich sein und gerade das ist mit den unterschiedlichen Gefühlen die Schuld, Gewissensbisse, Trauer, Verzweiflung, Liebe und viele andere betreffen und sich im Sekundentakt abwechseln, sehr schwer zu transportieren. Vor allem ist es nicht nur der Verlust eines geliebten Menschen an sich, sondern auch der Zerfallsprozess der bei seinen Verwandten traumatisch wirkt.

Die amerikanische Cartoonistin Roz Chast hat eben daraus ein autobiographisches Buch gemacht. Können wir nicht über was anderes reden? ist nicht nur eine Chronik des Alterns und den Prozess der Akzeptanz dessen, sondern eben auch eine schonungslose und detaillierte Chronik des Sterbens. Chast ist dabei ehrlich und verschweigt auch nicht ihre eigenen widerstreitenden Gefühle als sie den Verfallsprozess ihrer Eltern begleitet. Vor allem das Verhältnis zu ihrer Mutter war zu Lebzeiten immer sehr angespannt und mit dem Tod wird nicht alles verziehen. Es gehört zu den großen Pluspunkten das Chast hier ehrlich ist und nicht alles in eine kitschige Versöhnung münden lässt. Weil sie eben nicht stattgefunden hat. Zudem kommen neben der Trauer ja auch noch andere Emotionen vor wie etwa die finanziellen Sorgen aufgrund des Pflegeaufwandes.

Es gerät zum Vorteil, dass sie ihren Band nicht mit dem Sterben beginnt, sondern zunächst die Eltern und ihre symbiotische Ehe näher vorstellt mit all ihren Eigenarten und Neurosen. Was teilweise dramatisch aber auch sehr komisch ist. Gerade zu Beginn kann man sich köstlich amüsieren und die Selbstironie verhindert, dass man den Eindruck bekommt, das sich die Autorin über ihre Eltern lustig macht.
Dann tritt der langsame Verfall aber immer mehr hervor und es wird eher tragikomisch. Vor allem da die Eltern sich immer geweigert haben über das Altern, die Krankheit und vor allem den Tod zu sprechen und auch keine Vorkehrungen getroffen haben. Selbst als ihr Ehemann George im Sterben liegt, schreit Elizabeth ihre Tochter Roz an, das sie sich weigere über den Tod zu sprechen. So gerät das Buch teilweise auch zu einem Erfahrungsbericht wie man mit dieser Situation umgeht. Sprich: den elterlichen Haushalt auflöst, Patientenverfügungen erstellt, sich um Pflegeheime kümmert, etc. Hier wird aber deutlich, dass es sich um ein amerikanisches Buch handelt, da viele Aspekte grundverschieden zu den deutschen Verhältnissen sind und nicht einfach übertragen werden können. Am deutlichsten wird das am Ende wenn es um die Urnen der Eltern geht. So wie hier geschildert, wäre es in Deutschland nicht möglich da es eine Friedhofsverordnung gibt. So ist auch manches hier geschilderte etwas befremdlich. Auch die Struktur der Heime und die Aspekte der Kranken- und Pflegeversicherung sind gegenüber hiesigen Verhältnissen ganz anders. Was der emotionalen Wucht der Erzählung aber keinen Abbruch tut. Man tue jedenfalls gut daran, sich mit Taschentüchern zu wappnen. Diese Erzählung wird an niemandem spurlos vorüber gehen.

 Man merkt Roz Chast den beruflichen Hintergrund der Cartoonistin an, da zeichnerisch wenig linear erzählt wird und in dem Sinne keine gängige Dramaturgie vorliegt. Es gibt viel reinen Text der mit Zeichnungen schlaglichtartig beleuchtet wird oder es werden beispielgebende Episoden für generelle Aussagen auf einer Seite dargestellt. Das ist an sich nicht störend, sei hier aber nur vermerkt, da es die typische Form einer Graphic Novel formal aufbricht.

Es sind aber auch gerade diese kleinen zeichnerischen Gags welche den schweren Inhalt erleichtern. Schonungslos, offen, ehrlich, mit Humor, Verzweiflung, Liebe wird über das Sterben berichtet und wie erniedrigend das für die Betroffenen ist. Es wird wieder einmal deutlich, dass jeder alt werden möchte, es aber beileibe kein Spaß ist, alt zu sein. Die beginnende Demenz von George etwa ist ein gutes Beispiel dafür. Sie sorgt durchaus für Komik wenn er Sachen durcheinanderbringt oder wilde Geschichten erzählt. Andererseits ist das natürlich wegen des Hintergrundes der Krankheit sehr tragisch und Chast verschweigt nicht wie sehr ein demenzkranker Angehöriger nerven kann.

Können wir nicht über was anderes reden? ist ein trauriges, wichtiges und auch lehrreiches Buch.  Es geht dem Leser sehr nah und vermag ihn in das Innerste zu erschüttern. Und doch ist es eine Pflichtlektüre.

Fazit:
Roz Chast rührt an einem Tabu, indem sie ehrlich und schonungslos den Sterbeprozess ihrer Eltern schildert. Das ist lustig, tragikomisch, dramatisch, bewegend und zutiefst traurig. Ein wichtiges Buch.

Können wir nicht über was anderes reden? - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Können wir nicht über was anderes reden?

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Rowohlt

Preis:
€ 19,95

ISBN 10:
3498009443

ISBN 13:
978-3498009441

240 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Thema
  • Ehrlichkeit und Schonungslosigkeit der Schilderungen
  • Humor ohne sich über die Betroffenen lustig zu machen
  • Erfahrungsbericht hilfreich für Betroffene
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 31.10.2015
Kategorie: Rezensionen
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