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Comic-Besprechung - Sequana

Geschichten:
Sequana
Autor: Léo Henry, Zeichner / Colorist: Stéphane Perger


Story:
Januar 1910. Die Seine tritt über die Ufer und Paris versinkt im Wasser. Im Laufe der Katastrophe kommen sich drei aneinander fremde Menschen näher und diese Begegnungen verändern das Leben aller. Da wäre Alice Treignac, welche die erste Ärztin Frankreichs werden möchte. Der Bischof von Paris, Monsignore Chelles, der langsam dem Wahnsinn verfällt, und der Mörder Jean Faure.


Meinung:
Zeitnah erscheinen zwei Alben aus dem frankobelgischen Raum, welche sich der Flut von 1910 annehmen. Im Januar  stieg der Pegel der Seine stark an. Ständiger starker Regen und die Schneeschmelze sorgten dafür, dass die Marne starkes Wasser führte und auch zu Rekordständen der Pegel in der französischen Hauptstadt führte. Das öffentliche Leben und die Regierungsgeschäfte sind tagelang zum Stillstand gekommen. Gas- und Elektrizitätswerke fielen aus, Lebensmittel gelangten nicht in die Stadt und zudem kam es zum Ausbruch von Krankheiten. Noch Monate später waren die Auswirkungen der Flut zu spüren.

Während aber der Comic Untergetaucht von Xavier Coste einen Kriminalfall nacherzählt der damals tatsächlich geschah und die Katastrophe nur als handlungsauslösenden Hintergrund nimmt,  so ist die Flut in Sequana das zentrale Thema. Zwar handelt es sich hier nicht um das Comicäquivalent zu einem Katastrophenfilm, aber die Flut sorgt dafür, dass die Brüche und Risse in der französischen Gesellschaft deutlich zu Tage treten. Der Umgang mit dem Hochwasser zeigt den Zustand der Gesellschaft auf und zeigt zudem das letzte Aufbäumen der Strukturen des fin de siecle, der spätestens nach dem Ersten Weltkrieg 1918 endgültig zerstört war.

Die Flut wird als allgegenwärtiges Mittel genommen, um verschiedene Figuren zusammenzuführen, die sich ansonsten in der stark hierarchischen Struktur nie getroffen hätten. Nun erfahren sie einen Wendepunkt, der künftige Entwicklungen vorwegnimmt. Da wäre eine junge Frau, welche die erste Ärztin Frankreichs werden will, aber anhand des patriarchalischen Wesens der Gesellschaft daran zu scheitern droht und nicht ernst genommen wird. Sie steht für den kommenden Feminismus und die Rechte der Frauen. Der langsam dem Wahnsinn anheimfallende Bischof von Paris steht dagegen für den stärker werdenden  Verlust des Einflusses der katholischen Kirche und das sich die Bevölkerung zunehmend von ihr abgewandt hat. Die starken sozialen Unterschiede bestimmen dann das Schicksal des dritten Charakters, der mehr oder weniger aus Versehen einen Mann, ausgerechnet seinen Chef, ermordet hatte. Da er arm ist, wird er aber schon per se schuldig gesprochen. Zudem kommen die Rivalitäten zwischen reaktionär gesinnten Monarchisten und Anarchisten vor, die sich teilweise sogar verbünden, was entfernt an die Bürgerkriegsähnlichen Zustände vor allem in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg gemahnt. Doch liegen hier auch historische Tatsachen zu Grunde und einer der Charaktere wird später zu einem berüchtigten Gangster. Viele Anspielungen und manche Personen kann man allerdings als Nicht-Franzose wohl schwer entdecken. Aber sie sind nicht mehr als ein kleines zusätzliches Sahnehäubchen zu einem spannenden Drama mit faszinierenden Bildern. Zudem werden manche im Anhang näher erläutert. Wobei da auch ein kleiner Gag zu finden ist, indem der Comiccharakter Corto Maltese als reale Person geführt wird.

Die Story ist schon interessant genug und verweigert sich den typischen Klischees des Katastrophensujets. Und doch sind es die Zeichnungen die einen vornehmlich packen. Vor allem der Panelaufbau ist sehr innovativ und es wird viel mit Überblendungen und Licht-Schatten-Effekten gearbeitet, was etwas Faszinierendes hat und dem ganzen etwas unwirkliches, ja Geisterhaftes, verleiht. Die geschilderte Gesellschaft befindet sich in Auflösung, im Sterben und ist nur noch ein Schatten seiner selbst, wohingegen die zukünftige Form noch sehr schemenhaft ist. Alles befindet sich hier in ein er Art Zwischenreich. Schade, dass man manchmal die Figuren kaum auseinanderhalten kann.

Der merkwürdige Titel Sequana bezieht sich übrigens auf eine gallo-römische Göttin der Seine-Quellen. Das passt zu der Flut, aber auch dahingehend, dass eine Ablösung der historischen Form stattfinden wird. Was dadurch verstärkt wird, das der wahnsinnig werdende Bischof immer mehr heidnische Aspekte in seine Reden übernimmt.

Fazit:
Eine Katastrophenerzählung abseits der Klischees. Stattdessen bekommt man ein Drama welches die Auflösung der damaligen gesellschaftlichen Form vorwegnimmt. Vor allem sind die Panelstrukturen und die Zeichnungen faszinierend und verleihen allen Dingen etwas Schemenhaftes.

Sequana - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Sequana

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 29,80

ISBN 10:
3958390455

ISBN 13:
978-3958390454

160 Seiten

Positiv aufgefallen
  • innovativer Panelaufbau
  • Farbgebung
  • Vermeidung von Klischees
  • Schilderung einer sich auflösenden Gesellschaft
Negativ aufgefallen
  • Figuren manchmal schwer zu unterscheiden
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Rezension vom: 20.08.2015
Kategorie: Alben
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