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Comic-Besprechung - Das verlorene Land - Gesamtausgabe

Geschichten:
Complainte des Landes Perdues
Autor:
Jean Dufaux
Zeichner: Grzegorz Rosinski

Story:
Vor der Küste Eruin Dulea landet ein Schiff an. Ein Ritter der Vergebung macht sich von der felsigen und nebelverhangenen Küste Richtung Festland auf. Währenddessen vertreibt sich die junge Sioban noch recht unschuldig die Zeit, während ihre Mutter, die Herrscherin der Sudennen dabei ist den Bruder ihres verstorbenen Mannes zu heiraten, um ihr Geschlecht und ihre Macht zu erhalten. Wie sich bald herausstellt ein mehr als schlechtes Tauschgeschäft. Dunkle Mächte halten Einzug und ein Makel verbreitet sich in der Familie. Die Hoffnung ruht auf den Schultern der jungen Sioban, die das Erbe ihres Vaters aufnehmen kann und das Klagelied des Verlorenen Landes zum Erklingen bringen könnte. Doch selbst, wenn dies mit Hilfe des Ritters der Vergebung gelingen könnte, die Schatten ihres Erbes lassen sich nicht so leicht vertreiben.


Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Etwas spät trudelte die Gesamtausgabe von Das verloren Land beim Rezensenten ein, erschien der Band doch bereits im September beim Splitter Verlag. Und gleich stellte sich die Frage, steckt da das Böse im Herzen der Liebe oder die Liebe im Herzen des Bösen? Auf die Antwort bräuchte man nicht zu warten und könnte die Rezension genau hier beenden, das "Absolut zu empfehlen"-Siegel dem mal wieder schön geratenen Band (wer erwartet beim Splitter Verlag eigentlich etwas anderes?) verleihen und es gut sein lassen. Denn egal, was am Ende im Fazit steht, die Geschichte um das verlorene Land ist ein frankobelgischer Klassiker, der den Vergleich mit neuen Statthaltern der Comic-Kunst nicht zu scheuen braucht.

Dufaux entwirft ein mittelalterliches Szenario, welches keltische Anklänge ebenso nicht scheut, wie Andeutungen an bekannte Legenden, wie die Artussage. Es dreht sich um die junge Sioban und ihren Weg das Erbe ihres Vaters anzutreten. Sie entstammt dem Haus der Sudennen, die einst hoch angesehen und ein mächtiges Geschlecht waren. Doch der Vater verstarb in der Schlacht und seine Frau, Lady o'Mara, sieht sich nach mehreren Jahren gezwungen den Bruder ihres verstorbenen Gatten zu heiraten, um die Stammlinie der Sudennen zu erhalten und vor allem ihre Tochter zu schützen. Die Schatten der Vergangenheit lassen sich aber nicht abstreifen, denn verdorbene Saat gebiert mit Makeln behaftete Früchte.

Die ist insbesondere verbunden mit dem bösen Magier Bedlam, dem Sproß eines Entstellten und Enkel einer Hexe. Gut und Böse scheinen klar geschieden, verweben sich im Laufe der Erzählung jedoch immer mehr. Hinzu tritt der Ritter der Vergebung Seamus, der erst zum Helfer und dann zum Mentor Siobans wird. Aber das Böse versucht immer wieder das Böse in das Herz der Liebe zu tragen.

Der Sioban-Zyklus, der in der Gesamtausgabe vom Splitter Verlag komplett vertreten ist, bietet klassische Fantasy, die sich wohltuend zurückhält und dadurch eine mythisch stärker aufgeladene Atmosphäre schafft, als andere Genrevertreter. Magie gibt es nicht mit einem Fingerschnippen, sondern manipuliert am Rande und steht in Diensten nur weniger. Und sie hat durchaus ihren Preis. Quid pro quo eben. Natürlich scheinen es die Bösen da einfacher zu haben, als die Guten, aber es gehört eben dazu, dass diese für ihre korrumpierten Ziele mehr Opfer bereit sind zu bringen. Später, in der Vorgeschichte, wird Dufaux den fantastisch/magischen Anteil sehr viel stärker herausarbeiten. Dort geht es vor allem um die jungen Jahre von Seamus, der sich den Hexen oder Morrigane entgegen stellen muss. Ritter des verlorenen Landes erscheint ebenfalls gerade beim Splitter Verlag, der vierte und abschließende Band (Sill Valt  ist bereits auf Französisch erschienen und wird sicherlich auch seinen Weg in die deutschen Landen finden).

Einen ganz großen Reiz des 1993 begonnenen Sioban-Zyklus macht Dufaux Spiel mit den Erwartungen aus. Er geht nicht die klassischen Wege und vermeidet das "und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage" auf gekonnte Weise, so dass man den Band nicht mehr aus der Hand legen möchte. Bei aller Phantastik, und selbst hier ist Dufaux - wie gesagt - nicht gerade freigiebig und lässt sie gerne eine Unterströmung bleiben, sind seine Figuren greifbar und weit entfernt von geradlinigen Konzeptionen. Sie machen Fehler, lassen sich korrumpieren, treffen die falschen Entscheidungen oder versagen in den Momenten, wo sie glauben alles im Griff zu haben.

Jean Dufaux hat sich in seiner nun etwa dreißigjährigen Karriere in der Comicbranche als vielseitiger Autor erwiesen. Jessica Blandy wird meist als sein bekanntestes Werk herausgestellt, dabei sollte Das verlorene Land eigentlich nicht hintanstehen. Auch Giacomo C., Samba Bugatti oder Murena bereichern sein Portfolio und zeigen, wie gut er sich in den verschiedensten Genres bewegen kann. Für seinen Sioban-Zyklus hat er sich mit dem Zeichner Grzegorz Rosinski zusammen getan, dessen Name eine ganz andere Serie gewahr werden lässt, die Rosinski ähnlich gestaltete. Es ist die Serie Thorgal (ebenfalls beim Splitter Verlag), die sich ebenfalls historisch gibt, aber nordische Mythologien einfließen lässt und gar - im Gegensatz zu Das verlorene Land - Science-Fiction. Aber auch bei Die große Macht des kleinen Schninkel (ebenfalls beim Splitter Verlag ... langsam sieht man einen roten Faden) sollten die Glöckchen klingeln. Rosinskis Stil ist bei den Figuren leicht verfremdend, versucht ansonsten aber ein realistisches Szenario zu schaffen, welches geradewegs von den raueren Abschnitten der britischen Insel herüber transportiert worden sein könnte.

Das Lettering würde gegenüber der Auflage der Ehapa Comic Collection neu gestaltet, die Übersetzung in Nuancen angepasst. Ansonsten blieb alles beim Alten, eine umfassende Restauration, die eigentlich auch nicht nötig war, aber bei einer Neuausgabe schon a bisserl erwartet wird, blieb aus. Die Farben sind die gleichen, sehen auf dem besseren Papier natürlich etwas schöner aus. Wenn überhaupt wirken sie bei Ehapa ab und an etwas kräftiger. Eine Alternative bieten die alten Bände jedoch nicht. Zum einen ist die Gesamtausgabe einfach wunderbar anzuschauen und eine Pracht im Regal. Zum anderen sollen die alten Ausgaben recht schwer zu bekommen sein.

Wie es sich für eine Gesamtausgabe gehört, gibt es etwas mehr als bei den sonstigen Alben. Eine 21seitige Gallerie mit Skizzenzeichnungen, Entwürfen und abgeschlossenen Bildern befindet sich am Ende des Bandes. Über Infos zu den Machern oder den Hintergründen zum Sioban-Zyklus hätte man sich sicherlich auch gefreut. Doch auch so macht die dicke Gesamtausgabe viel her und ergänzt hervorragend die bereits zur Vorgeschichte erschienenen Bände des Splitter Verlages.


Fazit:
Die Geschichte um das verlorene Land ist ein Klassiker. Die phantastischen Elemente dienen Dufaux als Unterströmung über der sich die eigentliche Handlung entfaltet. Am Ende sind es dann zumeist die Geschicke der Menschen, die die Erzählung formen und gestalten. Der Sioban-Zyklus wird so zu einer spannenden Phantasie-Saga, die einen ganz eigenen Reiz entwickelt und auch heute noch einen enormen Charme versprüht.


Das verlorene Land - Gesamtausgabe - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Das verlorene Land - Gesamtausgabe

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 44,80

ISBN 13:
978-3-86869-723-0

264 Seiten

Das verlorene Land - Gesamtausgabe bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • Klassiker unter den phantastischen Comics
  • wunderbare Gesamtausgabe
  • kompletter Zyklus in einem Band
Negativ aufgefallen
  • keine Restauration
  • wenig Extras
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
Bewertung
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Rezension vom: 27.01.2015
Kategorie: Alben
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