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Comic-Besprechung - Sin Titulo

Geschichten:
Sin Titulo

Autor / Zeichner: Cameron Stewart


Story:
Alex Mackay will seinen Großvater im Altenheim besuchen und erfährt dort, dass er bereits seit einem Monat tot ist. Als er die persönlichen Gegenstände in Empfang nimmt, entdeckt er ein Foto von einer jungen Frau, die keiner zu kennen scheint. Neugierig geworden beginnt Alex nachzuforschen und gerät auf eine Reise die ihn an die Grenzen der Realität bringen wird.


Meinung:
In gewisser Hinsicht ist der Titel der Graphic Novel Programm. Sin Titulo ist gleichbedeutend mit „Ohne Titel“ und  bezieht sich damit nicht nur auf ein bestimmtes Bild welches im Laufe der Story eine zentrale Rolle spielen wird, sondern ist auch richtungsweisend für die Lektüre. Denn der Band ist schwer zu greifen und ein Titel würde zumindest interpretatorisch eine Richtung vorgeben. Doch es geht gerade um die Macht der Fantasie. Oder?

Der Einstieg ist noch sehr realistisch und der Leser wird direkt in eine Konfliktsituation geworfen ohne mit dem Helden vertraut zu werden. Es gibt keine Vorstellung der Hauptfigur, keine Schilderung seiner Lebensumstände, die schon bald komplett umgeworfen werden. Das ist eine Verweigerung erzählerischer Konventionen, welche aber ihren Reiz hat, da man komplett schon zu Beginn Neuland betritt. Da kommt der junge Mann in ein Altersheim und muss erfahren, dass sein Großvater schon längere Zeit tot ist und er nichts davon wusste. Das wirft ihn verständlicherweise aus der Bahn und lässt ihn an sich selber zweifeln. Dabei ist das erst der Beginn einer surrealen Reise von der man am Ende nicht immer weiß, was nun Traum oder Realität ist. Oft, gerade dann wenn man sich sicher ist, wird der Traum, die Fantasiewelt in die Realität einbrechen und die Protagonisten vor eine Herausforderung stellen. Da ist schon fast etwas an dem dramatischem Potential verschenkt worden, aber man merkt, dass es nicht um das Thema des Selbstbildes allein dreht.

Vielmehr über die Macht der Fantasie und das die Ausgestaltung der Träume auch die Realität bildet. Man muss erst von einem Haus träumen, damit man es so bauen kann wie man es sich wünscht. Somit ist Sin Titulo ein Hohelied auf die schöpferische Kraft von Künstlern. Egal ob es nun Comicautoren und Zeichner wie Cameron Stewart sind oder andere. Doch kann sich die Schöpfung auch verselbstständigen. Hier geht Stewart keinen Diskurs ein, sondern bringt es eher zur Sprache und als Rechtfertigung dafür, dass es hier einen Schurken gibt. Denn ein Künstler ist wie ein Gott, der eine ganze Welt, ein ganzes Universum, entstehen lassen kann. Doch kann sich diese Schöpfung auch immer verselbstständigen und einen anderen Weg eingehen als man es vorher geplant hat. Manchmal bedarf es auch eines Korrektivs und das ist der Schurke, das Böse, der sich letztendlich immer gegen seinen geistigen Vater richtet. Auch als Rache für sein schlechtes Wesen. Gleichzeitig fühlt sich der Gottkünstler immer auch etwas von seiner Schöpfung entrückt und braucht die schöpferische Dynamik der Zerstörung, das Element des Chaos. Dadurch kommt auch ein Kontrollverlust zu Stande, der für Innovation und für Erneuerung sorgen kann, der aber auch jeden einzelnen betrifft. Oftmals genügt es schon anhand einer Kleinigkeit viele Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen und die Realität aus den Fugen geraten zu lassen.

Jedenfalls ist diese Graphic Novel, die übrigens zunächst online erschienen war was die strikte und rigide Panelfolge erklärt, eine faszinierende und surreale Reise, die den Leser wie auch den Protagonisten oftmals allein lässt und somit zum Denken anregt.  Das hat was von Franz Kafka, aber auch ganz viel von David Lynch und gerade die Unvorhersehbarkeit und der Verzicht auf irgendwelche Genrekonventionen machen die Geschichte sehr spannend.

Viele Wendungen und Überraschungen beinhalten auch die Dekonstruktion des Helden, was emotional ansprechend ist und für Dynamik und Tempo sorgt. Auch die schnelle Abfolge von Ortswechseln und die rasante Panelfolge sorgen für ein Lesevergnügen. Und so folgt man gerne dem Rausch der sich schnell einstellt, auch wenn manche Zusammenhänge etwas undeutlich bleiben und eher intuitiv erschlossen werden. Faszinierend.


Fazit:
Sin Titulo ist eine surreale, faszinierende Reise in das Reich der Fantasie und deren Macht die Realität zu verändern. Manches geschieht hier schon fast zu schnell, aber gerade dieses Tempo reißt einen mit und versetzt den Leser in einen Rausch.

Sin Titulo - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Sin Titulo

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 24,99

ISBN 10:
3862019586

ISBN 13:
978-3862019588

168 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Story
  • Metaebene
  • rasantes Tempo
  • Hohelied auf die schöpferische Kraft der Kunst
Negativ aufgefallen
  • manches erschließt sich nur intuitiv
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Rezension vom: 10.08.2014
Kategorie: Rezensionen
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