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Comic-Besprechung - H. P. Lovecraft - Vom Jenseits und andere Erzählungen

Geschichten:
Het onzienbare
Autor:
H. P. Lovecraft
Illustration: Erik Kriek

Story:
Stephen King graute es einmal an Lovecrafts Kissen zu denken und sich vorzustellen, welche abscheulichen Welten da, nur durch eine dünne Schicht aus Haut und Knochen getrennt, an diesem vorbei- und eventuell gar hindurchzogen. Einen kleinen Ausblick bietet nun H. P. Lovecraft - Vom Jenseits und andere Erzählungen, welches Heimat von fünf Geschichten des amerikanischen Schriftstellers ist, der zu Lebzeiten nie in den Rang aufstieg, der ihm heute ganz selbstverständlich eingeräumt wird. Mal sind es die spinnwebverhangenen Wände eines kalten Grabes, mal der von fauligen Fischen glitschige Untergrund, wieder ein anderes Mal das merkwürdige Gebaren in einem von der Außenwelt isolierten Städtchen oder auch der seltsame Glanz einer Farbe, die nicht von dieser Welt ist, die die Protagonisten an ihrem Verstand zweifeln lassen und ihnen mit Schrecken klar macht, dass das Grauen manchmal erschreckend nah ist. Sogar näher als der Abstand zwischen einem Kissen und den Träumen eines schlafenden Geistes.


Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Es öffnet sich ein dunkler Gang nach unten. Das Geräusch von Wasser dringt nach oben herauf und im fahlen Licht phosphorizierender Pflanzen, die sich über die Wände ziehen, erscheint eine Treppe. Die Stufen sind feucht und von einer glibberigen Substanz überzogen. Langsam schieben sich die Füße weiter und mit jedem Schritt nach unten ist ein leises Schmatzen zu hören, als würde man Insekten zertreten. Immer weiter geht es hinab, tiefer und tiefer. Ein Pulsieren wie von Trommel hallt von den Wänden. Die Schritte beschleunigen sich, das Dröhnen nimmt zu und unter den Händen glaubt man den Putz vibrieren zu spüren. Schwüle Hitze scheint den Körper zu erdrücken und die Luft zum Atmen zu nehmen. Alles verschwimmt vor den Augen und kurz bevor man das Bewußtsein verliert, dringt einem eine Art Gesang an die Ohren: "iäiä, iäiä, Cthulhu f'thagn! Ph'nglui mglw'nafh Cthulhu r'lyeh wgahnagl f'thagn!!"

Willkommen in den phantastisch-düsteren Vorstellungswelten des Howard Phillips Lovecraft, die der niederländische Künstler Erik Kriek in H. P. Lovecraft - Vom Jenseits und andere Erzählungen vor den Augen des Lesers zum Leben erweckt. Wer ist dieser Kriek, der es sich zutraut die Uralten und all ihre verwandten Rassen mit dem Stift auf Papier zu bannen? Seine Heimat hat der Illustrator in den Niederlanden, genauer gesagt im schönen Amsterdam. Vielleicht hat die Nähe zum Wasser bzw. den Grachten seine Fantasie von den seltsamen, in den Tiefen der Ozeane verborgenen Wesen vergangener Zeiten beflügelt? Jedenfalls reichte sein Interesse anscheinend irgendwann über die vielen illustratorischen Arbeiten für Buchcover, Poster, CD-Hüllen, Skateboards und so weiter hinaus und widmete sich dem Medium Comic. Neben seiner Serie Gutsman über so eine Art verhinderten Superhelden, veröffentlichte er irgendwann im Magazin Zone 5300 die Episoden, die später gesammelt und in Deutschland mit dem Titel H. P. Lovecraft - Vom Jenseits und andere Erzählungen veröffentlicht werden sollten.

Es war sicherlich kein leichtes Unterfangen Dinge auf das Papier zu bringen, die vornehmlich davon lebten, dass sie sich in den Geist des Leser setzten und dort schwärige Früchte trugen. Reichlich überdehnt hat es Kriek dann auch bei der Geschichte Die Farben aus dem All, die eigentlich von dem Vorhandensein einer unnatürlichen und abscheuerregenden Farbe abhängt. Man mag einwenden, auch beim Lesen von Worten sieht man bloß schwarze Buchstaben auf dem Papier. Nur lässt sich hiervon die Vorstellungskraft nicht beeinflussen, die in einem Comic schon in ein etwas engeres Korsett gezwängt wird.

Zu den Geschichten im Einzelnen, die größtenteils echte Klassiker aus dem Horrorkosmos des H. P. Lovecraft sind. Als da unter anderem wären das bereits erwähnte Die Farben aus dem All, Dagon und natürlich Schatten über Innsmouth. Allein damit könnte man bereits zufrieden sein, aber es werden noch Der Außenseiter und Vom Jenseits oben drauf gepackt, die zwar nicht an die Intensität der zuerst genannten heranreichen (was aber hauptsächlich an der Vorlage durch Lovecraft liegt), aber das Gesamtwerk zumindest abrunden.

Der Außenseiter ist stimmungsvoll, was vor allem Krieks grandiosen Schwarz/Weiß-Zeichnungen zu verdanken ist. Das Schwarz scheint einen nahezu zu verschlucken und in den Abgrund des Grauens selbst zu entführen, auch wenn sich dieser bei der Geschichte in recht seichtem Wasser bewegt. Da liefert Horrorschocker jedes Jahr selbst in seinen schwachen Momenten eindeutig mehr ab. Aber die Zeichnungen ...

Haken wir dann auch gleich Vom Jenseits ab, die eindeutig mehr Lovecraft verströmt und schon mehr seinem Faible für die Dinge geschuldet ist, die sich direkt zwischen oder nahezu unter uns befinden, vielleicht nur durch eine dünne Schicht oder Membran von unserer Realität getrennt. Genau diese reißt ein (mal wieder) verrückter Wissenschaftler auf und entlässt das Grauen in den Verstand der Protagonisten. Wie so oft wird man nicht mehr so unbeschwert in den Himmel und die dahinter liegende Kälte des Alls schauen, wenn man sich erstmal der Wesen gewahr wird, die dort lauern.

Waren diese Geschichten eher durchschnittliche Kost, so gärt der schreckliche Sud bei den weiteren zu schwefeliger Vollendung. Dagon wurde bereits von Richard Corben umgesetzt, etwas freier interpretiert und zum Ende hin ein wenig effektiver als Krieks Adaption, dennoch kommen wir hier dem Kosmos der Großen Alten schon sehr viel näher und die steten Themen Lovecrafts sind hier allgegenwärtig. Die düstere und durch den verschwundenen Meeresspiegel surreale Szenerie ist wunderbar (wenn auch etwas zu kurz) eingefangen und verströmt den Geruch uralter Rituale und menschenfeindlicher Kulturen. Der Schluss ist selbst im Original etwas herbeigeholt, aber dafür kann Kriek ja nichts. Allein der Umgang mit den Buchstaben des Titels durch den Illustrator ist jedoch schon ein Hingucker wert.

Ab jetzt wird es schwierig sich für einen eindeutigen Favoriten zu entscheiden. Um Haaresschärfe kommt hier Schatten über Innsmouth auf Platz zwei und sei es auch nur, weil der Abschluss zu lange vorbereitet wird und das Ende absehbar. Zumindest bekommt man einen Ausblick auf Cthulhu höchstselbst und die Stimmung und drückende Atmosphäre in der merkwürdigen Stadt Innsmouth gelingt Kriek in Volendung. Schon seine Interpretation der eigentümlichen Bewohner ist höchst greifbar und verströmt Unbehagen in seiner vertrauten Unvertrautheit. Das Verhängnis dräut auf jeder Seite und wieder bedeutet die Nähe zum Wasser nur Verderben. Die Gassen, die Häuser, Straßen, jeder Ziegel und verfallene Türeingang scheinen Unheil zu bedeuten und schreien es beinahe heraus: hier liegt eine Stadt am Abgrund, ein verfluchter Ort jenseits der Menschlichkeit.

Bleibt als herausragenste Geschichte im Grunde nur Die Farben aus dem All, die - trotz des bereits offensichtlich gemachten Mangels - an Atmossphäre kaum zu überbieten ist und die fremde Bedrohung mitten unter den Menschen aufblühen lässt. Ein Komet, der ein seltsames Licht verströmt und das Land und den Brunnen des Farmers Nahum Gardners schleichend vergiftet. Auf dieselbe Weise rückt der Schrecken näher, sickert subtil voran. Erst ist es das bitter schmeckende Wasser, dann die seltsamen Früchte mit dem merkwürdigen Geschmack, die auf der Farm zu wachsen beginnen. Und wenn dann erst die kahlen Bäume im Winter in einer seltsamen Farbe zu leuchten scheinen und auf dem Land kein Schnee haften bleiben will, kriecht es einem mit glitschigen Fühlern kalt den Rücken hinunter. Welches Grauen lauert noch auf der Farm der Gardners?

H. P. Lovecraft - Vom Jenseits und andere Erzählungen lebt und atmet durch die Zeichnungen Erik Krieks, dem hier ein echtes Meisterstück gelungen ist. Vieles hätte man bei der Umsetzung falsch machen können, doch Kriek zeigt wenig schwache Momente, die durch die Höhepunkte in den beiden grandios adaptierten Geschichten Schatten über Innsmouth und - vor allen anderen - Die Farbe aus dem All, wieder wettgemacht werden. Um ehrlich zu sein, die meisten Durchhänger gehen ohnehin auf Lovecrafts Konto. Man merkt dem Comic an, dass einiges an Herzblut und ja, auch Verehrung eingeflossen sind. Düster, makaber und detailverliebt widmet sich Kriek der Aufgabe, einen Schatz der Vorstellungskraft zu heben und ihn zu visualisieren. Selbst bei Corben atmeten die Geschichten nicht immer derart den Geiste Lovecrafts, vor dem sich hier verneigt wird. Hut ab. Erik Kriek

Zum Schluss wünscht man sich eigentlich dasselbe, wie man es bereits bei Guillermo del Toro tat, dass es auch eine Umsetzung von Berge des Wahnsinns gibt. Während der Traum für den Filmemacher wohl endgültig gestorben ist und die (in einem lesenswerten mehrseitigen Interview/Bericht hierzu -  sorry, leider kein Link) erstaunlichen Visionen des del Toro wohl keine Filmadaption mehr finden werden, so bleibt die Hoffnung bei Erik Kriek bestehen. Vielleicht wagt er sich rechtzeitig an diese Goldene Bulle, auf dass sie nicht in den eisigen Tiefen des Kosmos von Wesen zerstört wird, die jenseits jeder Vorstellungskraft stehen. Yog Sothoth, iäiä iäiä!!


Fazit:
Der Avant-Verlag hat hier ein echtes Kleinod auf den Markt geworfen. Als wären Lovecrafts grauenerregende Welten nicht genug, hebt Erik Kriek sie auch zeichnerisch aus der Taufe. Ihm gelingt es den Schrecken mit stimmigen Schwarz/Weiss-Zeichnungen wirkungsvoll auf Papier zu bannen. Ein echtes Meisterstück bei Geschichten, die sonst mehr von der Vorstellungskraft leben denn ihrer expliziten Darstellung. Für Lovecraft- und/oder Horrorfans unverzichtbar.


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H. P. Lovecraft - Vom Jenseits und andere Erzählungen

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 19,95

ISBN 13:
978-3-939080-91-6

112 Seiten

H. P. Lovecraft - Vom Jenseits und andere Erzählungen bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • ein Trip des Grauens in Schwarz/Weiß
  • grandios stimmungsvolle Zeichnungen
  • Klassiker aus Lovecrafts Kosmos
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 24.02.2014
Kategorie: Alben
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