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Comic-Besprechung - Sailor Twain oder: Die Meerjungfrau im Hudson

Geschichten:
Sailor Twain oder Die Meerjungfrau im Hudson

Autor / Zeichner: Mark Siegel


Story:
Kapitän Twain dient auf einem Schiff, das regelmäßig den Hudson befährt, um das Geld für eine Operation seiner Frau aufzubringen. Mit der Zeit fallen ihm einige merkwürdige Verhaltensweisen seiner Crew auf. Vor allem nachdem einer der Reeder spurlos verschwunden ist und sein Bruder die Verantwortung übernimmt. Doch das wird alles noch übertroffen als Twain eines Tages eine verletzte Meerjungfrau findet.


Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Sailor Twain ist eine wunderschöne und spannende Graphic Novel, die auch eine große Vielschichtigkeit besitzt. Das beschränkt sich nicht einfach darauf, das hier gleich mehrere Genres miteinander vermischt werden, sondern auch auf der symbolischen, sprich semantischen Ebene viele schöne Aspekte zu finden sind, sowie historische und kulturelle Anspielungen. So ist Sailor Twain eine Abenteuergeschichte, eine Liebesromanze, ein Drama, Mystery und gar ein bisschen Horror, wobei sich keines dieser Genres vordrängt und sich ganz im Gegenteil alles wunderbar miteinander ergänzt und niemals einen angestrengten Eindruck hinterlässt. Dafür sorgt allein schon die Figur der Meerjungfrau. Allein deren Vorhandensein bringt das Abenteuer in den Mysterybereich hinein und da sich der Seemann und die Sirene langsam ineinander verlieben, trotz einer vorhandenen Ehefrau, hat man noch die Romanze und das Drama. Die vielen verschiedenen Nebenfiguren reichern nicht nur die Kernerzählung mit einem passenden Kolorit an, sondern ermöglichen noch eine Atmosphäre zu erschaffen, die man so schon lange nicht mehr gesehen hat. Bevor aber nun eine hollywoodeske Romanze beginnt, in der einer der beiden Partner, meist eh die Sirene, ihr Wesen aufgibt, um mit dem oder der Geliebten zusammen sein zu können, kommt noch ein Schuss Horror dazu, der dem ganzen vorhergehenden eine düstere Wendung verleiht und eine symbolische Ebene erschafft.

So werden einige der Personen ihre Seele und ihr Leben verlieren. Was wohl mit dem gemeint ist, was hier als „Entzweien“ gefasst ist. Der Aspekt des „Entzweiens“ ist etwas schwer einzuordnen, aber wenn man die Sirene ganz generell als Verkörperung des Meeres ansieht, so wird das verständlicher. Das Meer wird ja oft als Geliebte bezeichnet, welche den Frauen ihre Männer raubt. Selbst wenn die Männer an Land sind, so ist immer ein Teil von ihnen auf dem Meer und es lässt sie nicht los. Somit ist die See das undefinierbare, geheimnisvolle und auch tödliche Mysterium, wie auch eine Frau an sich laut Sigmund Freud für Männer das unbekannte Wesen ist. Insofern steht die Sirene für das Meer an sich. Ihre körperliche Mischung aus Fisch und Frau fasst das gut zusammen. Hier ist das Meer, oder der Fluss, selbst die Geliebte. Faszinierend, wunderschön, geheimnisvoll und oft mit unabsehbaren Konsequenzen versehen. Auch tödlichen. Anhand der vielen verschiedenen Figuren werden unterschiedliche Reaktionen daraufhin exerziert. So können hier etwa einige der Figuren das Schiff nicht verlassen. Sie sind an das Meer gekettet. Andere verlieren anhand der urtümlichen Elemente des Wassers ihre moralischen Grenzen.

Es gibt im Laufe der Erzählung viele Anspielungen wie etwa auf Mark Twain und einige damalige kulturelle und historische Strömungen wie den Spiritismus und dessen Gegner und gegen Ende wird vieles deutlich, was auch auf dramaturgischer Ebene geschickt eingewoben worden war. Dazu gehören selbstverständlich auch die Abspielungen auf die beginnende Frauenbewegung der damaligen Zeit. Was natürlich ironischerweise auch auf die Sirene zutrifft, die hier alles andere als ein reines Objekt der Begierde ist, sondern auch eine Muse und insofern eine Art Göttin.

In Bezug auf die Meerjungfrau wird der Mythos eifrig benutzt, aber niemals die Klischees. Was insofern gelingt, da sich die Graphic Novel nicht direkt auf eine Liebesbeziehung der ungleichen Arten stützt, sondern gegen Ende auch eine große Bedrohung erschafft. Insgesamt kann man auf der inhaltlichen und symbolischen Ebene dermaßen viel entdecken, das wohl vieles bei dem ersten Lesen noch untergehen mag und sich erst nach und nach alles zusammenfinden wird.

Der Stil ist sehr europäisch der etwas an Joann Sfar erinnert. Das ist sehr gelungen und erinnert mit den düsteren Kohlstiftzeichnungen an die rußige Dampfschifffahrt und schafft eine generell düstere, gegen das Klischee angehende Stimmung. Schön.

Fazit:
Eine der schönsten Graphic Novels des Jahres. Inhaltlich enorm vielschichtig werden nicht nur viele Anspielungen untergebracht, sondern viele verschiedene symbolische Ebenen eröffnet. Dabei wirkt das niemals angestrengt, sondern immer folgerichtig und kompakt. Und dann ist das noch spannend und bewegend. Auf jeden Fall zugreifen.


Sailor Twain oder: Die Meerjungfrau im Hudson - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Sailor Twain oder: Die Meerjungfrau im Hudson

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Egmont Graphic Novel

Preis:
€ 24,99

ISBN 10:
3770437306

ISBN 13:
978-3770437306

400 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Vielschichtigkeit
  • Zeichnungen
  • symbolische Ebenen
  • Genrevermischung
  • kulturelle und historische Anspielungen
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 05.02.2014
Kategorie: Alben
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