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Comic-Besprechung - Eine Nacht in Rom 1

Geschichten:
Une Nuit à Rome
Text/Zeichnungen:
Jim



Story:
Mit 20 sah die Welt noch anders aus. Die Gefühle waren ursprünglicher, die Jugendlichkeit gehörte einem für alle Ewigkeit und Liebesversprechen hielten ein leben lang. Doch dann kam meist das Alter und schnell wurde einem klar, dass man nur am Anfang eines großen Strudels stand und die Stromschnellen weiter vor einem lagen. Doch manchmal schmuggelt sich eine Nachricht aus der Vergangenheit in die Gegenwart und kann alles durcheinander bringen. So geschieht es Raphael, der bei seinem Geburtstag eine alte VHS-Kassette von seiner damaligen Freundin Marie bekommt. Darin schwören sie sich feierlich die Nacht ihres 40ten Geburtstags, der tatsächlich am gleichen Tage ist, zusammen zu verbringen. Die Botschaft weckt etwas in Raphael und kaum hat man sich versehen, ist er plötzlich bereit sein bisheriges Leben über den Haufen zu werfen.


Meinung:
Der Macher von Eine Nacht in Rom hat sich mit Jim ein nicht gerade aussagekräftiges Pseudonym zugelegt. Nichtssagender wäre da bloß John Doe gewesen, aber das wird anderen Anlässen vorbehalten. Etwas mehr Farbe und Einschätzungsspielraum entfaltet sich, wenn man erfährt, dass Téhy dahinter steckt, der beim Splitter-Verlag mit Yiu nicht nur in eine post-apokalyptische Zukunftsvision (gibt es überhaupt andere) abtauchte, sondern beispielsweise mit Der Engel und der Drache und Das Stigma auch andere Bereiche abgraste. In seine Rolle als Jim schlüpft Téhy vornehmlich, wenn es bei seinen Geschichten menschelte, es also im weitesten Sinne um den Menschen und seine Beziehungen ging. Dies zeigte er bei Die Sonnenfinsternis ebenso, wie bei Die Einladung und neuerdings gesellt sich auch Eine Nacht in Rom hinzu.

Bei der auf zwei Bände angelegten Geschichte geht es um ein Versprechen aus Jugendzeiten, welches lang vergessen, aber dennoch mit ungewöhnlicher Plötzlichkeit an Aktualität gewinnt. Eine Flaschenpost in VHS-Form, mit zwei Jugendlichen, die sich versprechen, die Nacht ihres 40ten Geburtstags gemeinsam zu verbringen. Natürlich sind seitdem viele Jahre vergangen, der 40te nähert sich und beide haben sich nicht nur aus den Augen verloren, sondern sind jeweils in einer Beziehung. Für manche hört die Jugend aber auch im reifen Erwachsenenalter nicht auf und wenn sie sich wieder in den Köpfen regt, zieht sie mit unnachgiebiger Kraft. Die nächste unüberlegte Tat ist da vorprogrammiert.

Mit 13 Jahren soll Téhy seinen ersten Comic gezeichnet haben. Das alte Sprichwort „Früh übt sich, was ein Meister werden will“ suggeriert jetzt in der Folge, dass man hier auf einen zeichnerischen Genuss hoffen sollte. Nichts ernüchtert dagegen schneller als der zwar zweckmäßige, aber wenig innovative Strich, den man irgendwo zwischen Jamiri, Guy Davis und vornehmlich Fotos abpauschen einordnen muss. Nichts gegen Fotos als Vorlage. Bloß fällt der exzessive Gebrauch meist auf, gerade wenn dann an anderer Stelle teilweise ein anderer Stil gepflegt wird. So sehen beispielsweise die Partygäste beim Geburtstag Raphaels sehr viel mehr „gezeichnet“ aus, als zum  Beispiel Raphael und Marie in den Soloszenen. Zuletzt sollte man dann darauf achten, dass der Ausdruck auf den verwendeten Fotos zu den Szenen passt in denen man sie benutzt. Ansonsten wirkt es so wie hier schnell unnatürlich und künstlich. Die Implementierung solcher Bilder ist eine Kunst für sich, die Téhy leider nicht durchgehend beherrscht.

Kann man wohlmeinend dennoch sagen, dass die Zeichnungen ihren Zweck erfüllen, ummanteln sie eine eher auf Klischees aufbauende Geschichte, die viel zu oft auf Küchentischphilosophie setzt, als mal wirklich zum Kern der ganzen Scharade vorzudringen. Die Ausgangsidee kann man dabei als das bisher Originellste von Eine Nacht in Rom ansehen, während die konsequente Weiterentwicklung auf sich warten lässt und die Dinge zwar eskalieren, aber teils ohne jede weitere Motivation, als dass das Versprechen von vor gefühlt unendlichen Zeiten jetzt aber über Biegen und Brechen eingehalten werden muss. Viel tiefer dringt Jim/Téhy dabei leider nicht in seine Charaktere vor, obwohl hier einiges brodeln muss, wenn sie das in den letzten Jahren so mühsam Aufgebaute so einfach beiseite schieben.

Dabei kommt leider auch noch Marie die klischeehafte Rolle der Schlange im Paradies zu. Sie ist es, die den Stein ins Rollen bringt und augenscheinlich noch die wenigsten Probleme hat ihre Beziehung und alles andere zu riskieren. Dagegen kämpft sich Raphael zumindest oberflächlich gegen die inneren und äußeren Widerstände ab, ohne dass der Leser dabei mal hinter den Vorhang in die vermutlich brodelnde Hexenküche aus unterdrückten und beiseite geschobenen Gefühlen gucken darf. Hier lässt einen Téhy erstaunlich alleine und legt damit nahe, dass er die interessantesten Aspekte seiner Geschichte gar nicht verinnerlicht oder noch bedauerlicher, vielleicht gar nicht selbst entdeckt hat.

Es ist nachgerade ungerecht, die Rolle der Marie durch diese Art der Herangehensweise quasi zu einem Sukkubus zu deformieren. Ihre Motive bleiben ebenso nebulös, wie das, was sie sich von dieser Erinnerung an ein altes Versprechen nun wirklich erwartet sowie ihre Gründe so einfach in ein ihr fremd gewordenes Leben eingreifen zu wollen. Denn da gibt es kein vertun, hier wird die Vergangenheit nicht als spaßige Rückschau präsentiert, sondern als ziemlich eindeutige Aufforderung. Nur wenig konkreter in seinen Absichten und Hoffnungen wird da Raphael, der den Löwenanteil des ersten Bandes bestreitet und so natürlich greifbarer wird, als Marie mit ihren kurzen Schnipselepisoden.

Auch wird aus dem Skizzenteil deutlich, dass es Téhy/Jim anscheinend nicht so sehr um charakterliche Tiefe ging, sondern vor allem um das Aussehen von Marie, die für auffallend viele Posen in Unterwäsche herhalten musste, während Raphael viel weniger Platz eingeräumt und er im sozialen Kontext dargestellt wird. Da hilft auch das blumige Nachwort nicht mehr, in dem die Ideenschöpfung rekapituliert wird. Über was Téhy nicht alles erzählen wollte, nur leider verharrte er anscheinend, ohne es zu merken, im bloßen Zeigen.


Fazit:
Dafür, dass es als ein Meisterwerk beworben wird, liefert Eine Nacht in Rom 1 definitiv zu wenig ab. Die Grundidee bietet viel, doch in der Ausführung lässt Jim gerade die interessanten Aspekte außen vor und beschränkt sich auf Oberflächlichkeiten und klischeehafte Beziehungsphilosophie, ohne jemals in die Tiefe vorzudringen. Kann man nur hoffen, dass der Abschlussband 2 hier mehr zu bieten hat.


Eine Nacht in Rom 1 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Eine Nacht in Rom 1

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 19,80

ISBN 13:
978-3-86869-593-9

112 Seiten

Eine Nacht in Rom 1 bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • gutes Grundthema
Negativ aufgefallen
  • lotet die menschliche Tiefe nicht aus
  • Marie als "böse" Sirene
  • viele Zeichnungen von Fotos übertragen
  • dadurch uneinheitlicher Stil
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 13.08.2013
Kategorie: Eine Nacht in Rom
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