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Comic-Besprechung - Jimmy Corrigan

Geschichten:
Jimmy Corrigan

Autor / Zeichner / Colorist: Chris Ware


Story:
Jimmy Corrigan lebt allein, hat einen stumpfsinnigen Job und der einzige nennenswerte soziale Kontakt besteht zu seiner Mutter. Eines Tages bekommt er einen Brief von seinem Vater, den er bislang nicht kannte. Ohne seiner Mutter etwas zu verraten, macht er sich auf die Reise, um seinen Erzeuger zu treffen. Dem unbeholfenen und schüchternen Mann offenbart sich dadurch eine vertrackte Familiengeschichte.

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Neil Gaiman ist nicht nur ein begnadeter Schriftsteller, sondern auch ein genialer Comicautor. Schließlich hat er die Leserschaft mit Sandman beglückt. Und wenn ein solch außerordentlicher Schreiber einen bestimmten Comic als sein Lieblingsbuch benennt, so wird man natürlich neugierig auf selbiges. Nun endlich erscheint der innerhalb kürzester Zeit zum modernen Klassiker gewordene Jimmy Corrigan von Chris Ware auch auf Deutsch. Zudem in einer sehr edlen Aufmachung. Und happigem Preis.

Ursprünglich als Wochenstrip konzipiert, entwickelte sich Jimmy Corrigan im Laufe der Zeit zu einer richtigen Geschichte und erzählt eine Familiensaga mit stark autobiographischen Zügen. Als der Zeichner und Autor Chris Ware selbst auf einem Mal Kontakt zu seinem Vater bekam, den er nie kennengelernt hatte, so arbeitete er dies alles in sein schon begonnenes Werk ein. Was dem ganzen ein sehr authentisches und bewegendes Feeling gibt. Wenn zu Beginn der Held Jimmy eingeführt wird, so ist er eher ein zutiefst einsamer Dilbert. Oder vielmehr noch ein erwachsener Charlie Brown. Wobei natürlich die Bezeichnung „der klügste Junge der Welt“ mehr als ironisch ist. Schließlich ist Jimmy alles andere als klug. Er hat einen scheinbar öden Job, keine Freunde, eine dominante Mutter die sein einziger sozialer Kontakt ist und ist zutiefst einsam und verzehrt sich in Sehnsucht zu einer unantastbaren Frau. Keine guten Voraussetzungen für einen Comichelden. Aber Jimmy träumt sich immer wieder in andere Situationen, welche nicht nur seine Sehnsüchte aufzeigen, sondern auch seine Ängste. So kann sich der Leser immer wieder in ihn hineinversetzen. Interessanterweise trägt ein Alter Ego in einer Sequenz ein ähnliches Nachthemd wie einstmals Little Nemo von Winsor McCay, was weit mehr ist als eine reine Referenz.

Chris Ware schafft es, berührend und einprägsam die Einsamkeit, die soziale Unbeholfenheit und die Schüchternheit zu thematisieren. Die Hilflosigkeit kann manchmal den Leser zum Wahnsinn treiben und man möchte den Protagonisten schütteln und aufrütteln, damit er endlich aus sich herauskommt. Aber dann hält man inne und reflektiert über die Träume in die man sich selber flüchtet und fragt sich, ob man wirklich alle schönen Frauen angesprochen hatte die man kontaktieren wollte. Ist man wirklich sehr viel anders? Das kann unangenehm werden, aber dann beginnt die eigentliche Familiensaga auf unterschiedlichen Zeitebenen und es wird sehr spannend, da diese viele Fragen aufwirft und die Vater-Sohn-Konflikte eine prägende Rolle einnehmen. Diese sind zutiefst dysfunktional und doch sehnen sich alle nach Kontakt, schaffen es aber nicht, Brücken zueinander zu bauen. Frauen fallen besonders durch ihre Abwesenheit auf. Mit wenigen Ausnahmen sind die zentralen Frauenfiguren nie zu sehen, oder das Gesicht wird nicht gezeigt. Von Jimmys Mutter und seiner Traumfrau sind man etwa nie das Antlitz.

Graphisch ist das alles sehr kühl und architektonisch. Aber grandios. Die stark vereinfachten Zeichnungen sind Referenz und Verdeutlichung des Innenlebens zugleich. Alles ist karg und leer, wie das Leben von Jimmy. In den Panels gibt es nie zu viel und nie zu wenig, sondern immer so viel, wie gerade benötigt wird. Ware spielt zudem mit den Formen. Da wechseln Seiten das Format, Panels verschwinden in der Größe und es gibt ironische Brechungen mit Bastelanleitungen, etc. Ein sehr kompaktes und vielschichtiges Buch, das einfach berauschend ist. Zu Recht ein moderner Klassiker.

Fazit:
Endlich ist der moderne Klassiker Jimmy Corrigan auch auf Deutsch erhältlich. Es wird nicht nur eine generationenübergreifende Familiengeschichte erzählt, sondern auch von Einsamkeit, Hilflosigkeit und von Träumen. Das erschwert manchmal den Zugang, liefert aber Einblicke in das Innenleben von zutiefst einsamen Menschen. Grandios.



Jimmy Corrigan - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Jimmy Corrigan

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 39

ISBN 10:
3938511125

ISBN 13:
978-3938511121

384 Seiten

Jimmy Corrigan bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • gekonnte Schilderung von Einsamkeit
  • ironische Brechungen
  • Untersuchung von Vater-Sohn-Beziehungen
  • viele Zitate und Anspielungen
  • Spiel mit Formaten
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 10.06.2013
Kategorie: Rezensionen
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