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Comic-Besprechung - Die blinde Zitadelle

Geschichten:
Die Blinde Zitadelle
Deima
Ballade
Absolute Kontrolle
Der Apfelkuchen
Albtraum in Weiss
Weihnachtserzählung
Ktulu
Autor/Zeichner:
Moebius

Story:
Es geht diesmal nicht nur an exotische Orte, wie einen fremdartigen Dschungel oder eine Wüste auf einem fremden Planeten, sondern ebenso in die Niederungen der französischen Großstadt. Seinem Tenor bleibt er dabei jedoch treu und so kratzt er selbst dann an den grenzen des Unterbewussten, wenn er dies tunlichst vermeiden will. Der Spagat reicht dabei über die Science Fiction hinaus und beleuchtet auch Geschichten im Artus-Gewande, so wie es sich auch in die Niederungen des Lovecraft’schen Kosmos begibt. Meist parodistisch, in einem Fall aber auch deutlich sozialkritisch.


Meinung:
Da möchte sich Moebius mal für seine Freunde aus der UFO-Sekte von Appel-Guéry einmal von seiner weniger morbiden, weniger negativen Seite zu zeigen, schon gerät er wieder in altes Fahrwasser. Außerdem wagte er sich zugleich an eine Fantasy-Geschichte (Die Blinde Zitadelle - ja genau, der Titel), die stilistisch einen Hauch Artus-Sage in sich trägt. Genausogut hätte sie vermutlich in jeder anderen Epoche spielen können, den natürlich bekommt sie dem moebius’schen Dreh und driftet ab in sehr transzendente und metaphysische Zustände. Sie entwickelt dabei nicht die übliche Kraft, was vielleicht damit zusammenhängt, dass sich der Zeichner und Autor zu sehr auf eine bestimmte Bahn begeben wollte und, auch wenn er wieder abdriftet, nicht sein wahres Ausdrucksvermögen zu Tage fördern kann. Bei all der Science Fiction, die die Moebius-Collection dominiert, ist es auch irgendwie komisch einen altertümlichen und, ehrlich gesagt, ziemlich profanen Ritter herumlaufen zu sehen.

Die folgende Geschichte Deima ist wieder so eine typische Moebius-Sache, da sie nirgendwo hinführt und nüchtern betrachtet mal wieder kaum Sinn macht. Hinzu kommt die Prise „Humor“, die ... ach lassen wir es, man schmunzelt hauptsächlich darüber, was Moebius damals wohl so alles komisch fand. Er hält sich hier auch zeichnerisch stark zurück, verwehrt dem Leser also seinen Augenschmaus.

Die folgende Ballade kann das aber gänzlich entschädigen. Allerdings hat hier der Meister eine der zeichnerisch schönsten Erzählungen, wie er selbst zugibt, von der Handlung her gänzlich „in den Sand gesetzt“. Gleich die erste Seite – eine Dschungelszene – erschlägt einen mit ihrem Detailreichtum, der nach der eher faden Deima ganz besonders intensiv ist (insoweit hatte die Episode also doch ihre Berechtigung). Der weitere Panelaufbau teilt die Seiten hauptsächlich in zwei, die Übergänge sind allerdings so schön ineinander eingebettet, dass man an die unendliche Leinwand bei Daniel Lieskes Wormworld denkt (nur eben etwa dreißig Jahre vorher). Nur eben das Ende lässt einen sehr, wirklich sehr ernüchtert zurück. Da gibt selbst Moebius im Vorwort zu, dass daraus mehr hätte werden können (nein besser: werden müssen).

Den Rest des Bandes bestreitet ein bunter Mix an Geschichten, die in gänzlich verschiedene Richtungen gehen. Das Highlight bildet hier absolut Albtraum in Weiß, wo sich Moebius mit dem Thema Fremdenhass auseinandersetzt. Tragisch schön und endlich mal weniger abgehoben und in sich geschlossener als viele andere Handlungen aus der Moebius-Collection. Ähnlich düster, aber weniger bitterböse (Betonung wirklich auf bitter) war Moebius bereits mit Variation Nr. 4070 über „das“ Thema in The Long Tomorrow. Albtraum in Weiß bebildert die Ängste eines Rassisten, der sich plötzlich in einer Welt wieder findet, die sich seinem  Diktat aus Fremdenhass und Angst nicht beugen will. Sein (Alb-)Traum beschreibt beinahe schon eine Sozialutopie, wo der Einzelne für seinen Mitbürger eintritt und die Rassisten als das entlarvt, was sie sind. Moebius zeigt hier en passent auch gleich, dass es die Passivität der Mehrheit ist (manchmal wohl auch deren stiller Beifall), der die Taten gegen Ausländer oder Andersartige erst möglich macht. Es ist wahrlich ein Traum den er beschreibt, aus dem der Rassist leider erwachen muss. Moebius wirklich mal sozialkritisch auf eine nicht abgehobene, sondern äußerst bodenständige Weise. Einfach toll!

Im Vorwort heißt es gleich, dass die Geschichten aus Die Blinde Zitadelle eher der Fantasy, als der Science Fiction zuzuordnen sind. Was so aber nun auch wieder nicht stimmt. Spätestens jetzt (zumindest, wenn man diesen Band mit als letztes von der Moebius-Collection liest) fragt man sich schon, was eigentlich die Auswahlkriterien bei dieser besonderen Sammlung waren. Chronologie ist es keinesfalls, was bereits ein kurzer Blick auf die von Cross Cult veröffentlichte Timeline beweist. Da geht es kreuz und quer munter durch die Jahre. Auch thematisch lassen sich die Bände schwer fassen. Science Fiction ist irgendwie allerorten, was die Affinität von Moebius dazu nochmals unterstreicht. Ein einheitliches Bild ergibt die Moebius-Collection allerdings auch dann nicht. Selbst an der Vollständigkeit möchte man zweifeln. Aber vielleicht sollte man einfach froh sein, mal wieder so viel Material von Moebius in guter Aufmachung in den Händen zu halten.


Fazit:
Die Blinde Zitadelle beherbergt einen bunten Strauß an verschiedensten Geschichten, die sich eher der Fantasy zuordnen lassen. Aus der Moebius-Collection sticht der Band mit diesem Sammelsurium leider nicht heraus, obwohl er eine der inhaltlich stärksten Kurzgeschichten beherbergt und mit eine der graphisch ansehnlichsten. Irgendwie schade drum, aber dennoch ein guter Blick in das Oeuvre des Zeichners.


Die blinde Zitadelle - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Die blinde Zitadelle

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Cross Cult

Preis:
€ 16,00

ISBN 13:
978-3-86425-125-2

56 Seiten

Die blinde Zitadelle bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • zwei ganz starke Geschichten
  • mal wieder ein Einblick in Moebius Phantasie
Negativ aufgefallen
  • ... die den Band leider nicht ganz retten kennen
  • eher Sammelsurium, denn durchdachte Edition
  • hier fällt der Preis bei 56 Seiten negativ ins Auge
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Rezension vom: 04.02.2013
Kategorie: Die Mbius Collection
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