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Comic-Besprechung - Luft und Liebe

Geschichten:

Luft und Liebe
Autor
: Hubert
Zeichner / Colorist: Marie Caillou



Story:
Eine junge Frau und ein junger Mann, die wahrlich seelenverwandt sind und sich auch äußerlich ähnlich sind. Die perfekte Voraussetzung für eine erfüllte Liebe? Ganz im Gegenteil, denn beide sind magersüchtig und lernen sich im Vorzimmer ihres Psychiaters kennen. Trotz vieler Vorbehalte ihrer Umwelt ziehen sie zusammen in eine Wohnung. Doch können sie so dem Teufelskreis der Krankheit entkommen?

Meinung:

Der Carlsen Verlag startet eine neue Reihe von Graphic Novels, welche als Special Edition for Ladies vermarktet wird. Ob sich der Verlag damit einen Gefallen tut und dieses wirklich nötig ist, sei einmal dahin gestellt. Passend dazu haben die ersten drei Bände, neben dem vorliegenden Luft und Liebe sind das noch Paris und Ich wär so gerne Ethnologin, einen Gummizug, der die Seiten verschließen kann (und bei dem ersten Lesen prompt gerissen ist) und somit den Eindruck eines Tagebuches oder eines Poesiealbums erweckt. Das ist eine nette Idee, aber auch in gewisser Weise stigmatisierend und suggeriert, dass hier wie in einem Poesiealbum süßliche, nette und eventuell triviale Erkenntnisse verbreitet werden. Aber weit gefehlt, schließlich sind gerade Tagebücher sehr intime Zeugnisse und bieten der Schreiberin oder des Schreibers die Gelegenheit, Aspekte und Themen anzusprechen, für die eventuell die Gesprächspartner fehlen. Aber gerade der männliche Leser dürfte sich etwas abgeschreckt fühlen. Was ein Jammer wäre, denn zumindest Luft und Liebe ist ein Band, der an jeden und jede gerichtet ist. Man kann ihn geschlechtsunabhängig lesen.

Und wie mutig ist das gewählte Thema. Denn es geht um Magersucht. Ein Thema also, welches nicht gerade prädestiniert ist für eine Graphic Novel. "Und was geht das mich an?" dürfte sich manch ein männlicher Leser fragen. "Das ist doch schließlich eine Frauenkrankheit." Und auch hier liegt wieder ein großer Irrtum vor. Nicht nur Frauen, sondern auch Männer erkranken an dieser teuflischen Krankheit. Somit ist nicht nur das Thema an sich mutig gewählt, sondern ein weiterer großer Pluspukt des Bandes besteht darin, dass der Autor Hubert auch einen magersüchtigen Mann einführt und somit deutlich macht, dass die Krankheit jeden treffen kann.

Eine weitere Stärke besteht darin, dass zu keinem Zeitpunkt der Band in ein medizinisches Werk abgleitet und nicht dezidiert die Symptome und die möglichen Ursachen schildert. Auch wird ein erhobener Zeigefinger  vermieden. Stattdessen wird die ganze Erzählung aus der Sicht der beiden Betroffenen geschildert und dem Leser genügend Anhaltspunkte geliefert, worin die Krankheit ihre Ursachen hat und man kann seine eigenen Schlüsse ziehen. Durch eben diesen Aspekt werden auch alle eventuellen Schuldzuschreibungen verhindert. Mit Marie Caillou hat Hubert eine äußerst passende Zeichnerin für sein Sujet gefunden. Nicht nur sind die beiden Helden sehr androgyn gestaltet, was deutlich macht, das sie sich ähnlich sind und die Krankheit beide Geschlechter betreffen kann, sondern es zeigt auch auf, wie sehr sie verschwinden wollen und das ihr gestörtes Körperempfinden auch die Sexualität betrifft. Hier ist auch der Titel passend gewählt, denn man lebt nicht allein von Luft und Liebe. Caillou findet auch immer wieder Bilder und Sequenzen, welche das Selbstbild und die Empfindungen der Kranken deutlich macht. So kann sich der Leser sehr gut in die beiden hineinversetzen.

Was nicht immer angenehm ist, da diese enorm gestörten Selbstbilder einem schon Angst machen können. Man hofft und leidet mit den Figuren und wünscht ihnen, das sie erkennen und sich fangen. Und jede Szene mit Hoffnung wird gierig aufgesogen, weil sie einem schon an das Herz gewachsen sind. Die Krankheit und die Betroffenen werden also nicht stigmatisiert und verurteilt, sondern voller Empathie und Mitleid portraitiert. Unwillkürlich fragt man sich selber als Leser ob nicht bei einem selbst die Selbst- und Fremdbilder auf unangenehme Art und Weise miteinander kollidieren können. Jedenfalls ist dieser Band in jeder Hinsicht hervorragend umgesetzt (auch wenn die Nasen an Tiernasen aus den Walt Disney Comics erinnern) und bietet einen sehr guten Einstand in die neue Reihe. Mehr davon.



Fazit:
So sehr man an der neuen Reihe, die sich vorrangig an Frauen richten will, zweifeln mag, mit Luft und Liebe ist ein hervorragender Auftakt gelungen, der das schwierige Thema Magersucht behandelt. Und das ohne Anklage oder schlicht beschreibend, sondern fast nur aus der Sicht der Betroffenen, was die Krankheit für jeden Gesunden sehr viel mehr nachvollziehbar macht. Und erschreckend. Hervorragende Bilder und ein guter Plot ergänzen sich zu einem wahren Muss.

Luft und Liebe - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Luft und Liebe

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 15,90

ISBN 10:
3551728968

ISBN 13:
978-3551728968

80 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Schilderung der Krankheit aus Sicht der Betroffenen
  • gelungene Verbildlichung der Empfindungen
  • sensibel ohne Anklage
  • spannend und bewegend
Negativ aufgefallen
  • Tiernasen
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Rezension vom: 24.11.2012
Kategorie: One Shots
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