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Comic-Besprechung - The Unwritten 4: Leviathan

Geschichten:

The Unwritten 4: Leviathan
Autor
: Mike Carey, Peter Gross
Zeichner: Peter Gross, Vince Locke, Al Davison
Colorist: Chris Chuckry



Story:
Tommy, Lizzie und Richie sind auf der Suche nach der Quelle der Macht, welche Tommys Vater so gut zu handhaben wusste. Ohne irgendeine Ahnung zu haben, worin diese bestehen könnte, sind die drei in die Heimatstadt von Herman Melville gereist. Schließlich ist dessen Buch "Moby Dick" eines der wichtigsten Bücher der amerikanischen Literatur. Doch während Richie einige unangenehme körperliche Veränderungen an sich bemerkt, bekommt die Beziehung zwischen Lizzie und Tommy eine neue Dimension. Die Situation spitzt sich allerdings zu, als Tommy in eine Geschichte reist und nicht mehr hinausfindet.

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Die gesamte Serie Unwritten ist ja im Grunde eine spannende und unterhaltsame Überlegung über die Macht der Phantasie, das Geschichten erzählen an sich und wie sich Fiktion und Realität wechselseitig beeinflussen. Nach den ersten beiden noch recht geradlinig erzählten Bänden, wird es nun aber immer komplexer. Nicht nur auf der eigentlichen Handlungsebene, denn Tom will Antworten und die Quelle der Macht seines Vaters finden, sondern eng damit verbunden sind auch generelle Überlegungen zum Geschichten erzählen.


Das macht den vierten Band Leviathan zu dem bislang schwierigsten der Serie. Und das in jeder Hinsicht. Zum einen dürften Leser, welche die vorherigen Geschichten nicht gelesen haben, komplett überfordert sein und zum anderen geht das manchen Alt-Lesern bestimmt ebenso. Es haben sich schließlich mehrere Fragen und Thematiken sowie Figuren aufgebaut, deren ganzes Knäuel nun geklärt werden muss. Hier wird der Leser also
wirklich gefordert und muss sich nicht nur auf die Thematik einlassen können, sondern durchaus aktiv mitarbeiten. Kein Band für zwischendurch also.


Worum geht es? Ganz im postmodernen Sinne, wobei das Spiel mit Zitaten und Ironien ein wesentlicher Bestandteil ist, geht es um die Intertextualität. Der Begriff wird hier so verstanden, dass jeder Text mit einem anderen in Verbindung steht und diese sich wechselseitig beeinflussen. Das platteste Beispiel wären die Superheldenhefte bei Mega-Events, bei dem die eigentliche Handlung in die verschiedenen Heft(serien)  hineinspielt. Aber auch die Beeinflussung eines Autors durch einen anderen kann man als Intertextualität sehen. Man ist etwa von einem Buch beeindruckt und schreibt ein ähnliches oder übernimmt erfolgversprechende Elemente daraus.


Der wichtigste Punkt sind aber die Symbole. Und in dem vierten Band von Unwritten geht es in nicht unwesentlichem Ausmaß um sie. Folgende Autoren greifen einmal, bereits von einem anderen Autor, benutzte Symbole auf (in diesem Band der Wal). Durch eine häufige Benutzung und weil sich die Bedeutung, je nach Kontext in dem das Symbol gebraucht wird, verändert, kann sich ein Symbol von seinem Ursprung entfernen. Man weiss nicht mehr, für was das Symbol ursprünglich stand, da viele verschiedene Bedeutungen die Sicht vernebeln. Hier ist das kollektive Unterbewußtsein der Menschen ein wichtiger Punkt. Dieses soll hier aber nicht psychoanalytisch im Sinne von Jung verstanden werden, sondern bezeichnet vielmehr die Phantasie der Menschen, bei denen sich die Symbole verselbstständigen können. Dann steht ein Symbol erst recht gleich für vieles verschiedenes. In diesem Punkt wird das anhand des Wales deutlich gemacht, kann aber auch für viele andere Aspekte stehen, wie etwa für das Kreuz. Wer diese Phantasie der Menschen kennt und sich der Symbole bedienen kann, mit dem Wissen, dass sie keine einheitliche und festgeschriebene Bedeutung haben müssen / können, und dann noch das Talent hat, mit all diesem schöpferisch zu arbeiten und dieses zu nutzen weiss, berührt die Massen und kann sie führen. Das sind nicht zuletzt Schriftsteller, deren Beruf es ist, mit Symbolen und versteckten Handlungsebenen zu arbeiten und möglichst viele Leser damit zu berühren. Nicht zuletzt eines der wichtigsten und besten Bücher der amerikanischen Literatur, Moby Dick, zählt zu solchen  Büchern und wird nicht umsonst von Mike Carey in Leviathan in hervorgehobener Bedeutung benutzt. Das gilt
aber ebenso für Harry Potter und Herr der Ringe. Ganz zu schweigen von der "ganz hohen" Literatur.


Indem Schriftsteller die Kraft der Metaphern nutzen, wird die Fiktion zur Realität, einzig schon dadurch weil sie in Form von Büchern existiert, und dies beeinflusst wieder die erneute Lektüre, weil man die Bedeutung eines Symbols, einer Metapher und einer vermeintlichen Anschauung und Meinung für die nächste Lektüre mitnimmt.


Man kann schon an diesem kurzen Abriss sehen, dass die Lektüre von Unwritten manchmal ganze Hauptseminare von Literaturwissenschaft ersetzen kann. Das macht die Lektüre manchmal etwas sperrig und anstrengend und kann den Leser zum Teil auch sehr hilflos zurück lassen. Aber nicht zuletzt die Intelligenz der Serie macht sie auch so spannend und extrem anregend.



Fazit:
Wer meint, in dem vierten Band der Serie endlich einige Antworten zu bekommen liegt richtig und falsch zugleich. Zum einen wird es durch die Antworten sehr viel komplexer und zum anderen ist der Weg dahin recht mühsam. Ein anstrengender Band, der seinem Leser viel abverlangt, da er ein ganzes Hauptseminar der Literaturwissenschaft
ersetzen kann, aber damit auch sehr anregend und zudem recht spannend ist.

The Unwritten 4: Leviathan - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

The Unwritten 4: Leviathan

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 19,95

ISBN 10:
386201293X

ISBN 13:
978-3862012930

144 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Story
  • Intelligenz
  • Spannung
  • ersetzt literaturwissenschaftliches Seminar
Negativ aufgefallen
  • anstrengend und äußerst komplex
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Rezension vom: 17.10.2012
Kategorie: The Unwritten oder das wirkliche Leben
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